Gärtnerhaus

Der Neubau dient mit Werkstatt, Magazin, Garage und Büro einem kleinen Gärtnereibetrieb und bietet daneben Wohnraum für die Familie des Gärtners. Der Ausdruck des Neubaus wird durch den Charakter eines Zweckbaus bestimmt und erinnert sowohl an rurale Vorbilder der Umgebung als auch an anonyme Gewerbebauten der 1950er Jahre. Für den Entwurf der Wohnung bedeutete der Vorrang des Zweckbaus eine entwerferische «Befreiung», da es für diese Form des Wohnens keine tradierten Vorbilder und bestimmenden Typologien gibt. Weiter sprach das äusserst knappe Budget für das gewählte Konzept, da ein «roher», materialbetonter Ausdruck mit dem gängigen Wunschbild des Einfamilienhauses schwierig vereinbar schien.
Die Gewerberäume der Gärtnerei liegen zur Strasse orientiert, die Wohnräume hingegen öffnen sich zum Garten. Das Volumen ist eingeschossig organisiert, wodurch es die vorgefundene Wertung zwischen repräsentativen Wohn- und untergeordneten Gewerbebauten weiterentwickelt und nicht zuletzt auf die Anforderungen der Ortbildschutzzone reagiert. Einzig ein Dachaufbau, in dessen Bereich sich Wohnen und Arbeiten verschränken, durchbricht diese einfache Volumetrie und schafft eine gewisse Expressivität im plastischen Ausdruck.
Die Tragstruktur wird von Stahlrahmen gebildet, die von Aussenwand zu Aussenwand einen grossen, hallenartigen Innenraum aufspannen. Auf den Stahl, der im Innenraum sichtbar belassen wurde, sind Dach- und Wandelemente aus Holz montiert. Sie steifen die Stahlstruktur aus und verschmelzen sämtliche tragende Teile zu einer hybriden Tragstruktur. Dach und Fassade wurden schliesslich grösstenteils mit naturbelassenem Eternit verkleidet, welches das Haus in Verwandtschaft zu den erwähnten Bauten der 1950er Jahre setzt.
Die inneren, nichttragenden Wände schaffen eine Raumstruktur, welche die Tragstruktur mit einer Serie paralleler, gleich grosser und damit nutzungsneutraler Räume weitestgehend nachzeichnet. Ein Gang und verbindende Türen entlang der Fassade machen den «Hallenbau» auch im finalen Grundrisslayout erlebbar. Sie erzeugen eine offene Wohnform, in der viele Wege und Nutzungsdispositionen offen bleiben.

Tägelmoos

Städtebau und Architektur
Ort
Den Städtebau in Winterthur-Seen zeichnen unterschiedlich dichte Siedlungsmuster mehrheitlich periurbaner Prägung aus. Das Areal des Wettbewerbsperimeters liegt an landschaftlich interessanter Lage am Hangfuss von Etzberg und Hegiberg. Ein querendes Bächlein und die bestehende Staudenbepflanzung akzentuieren den Übergang von Hang und Ebene. Die topografischen Voraussetzungen mit einem ebenen, westlichen und einem östlichen Teil am Hang bieten spezifische Bedingungen für eine Wohnsiedlung mit hohem räumlichen Zusammenhalt. Das Areal bietet durch seine gut erschlossene Lage eine optimale Ausgangslage für Wohnnutzungen.

Städtebauliche Idee und Baukörper
Die städtebaulich-volumetrische Idee der Baukörper folgt zum einen den topografischen Gegebenheiten und versucht zum andern eine optimale Besonnung aller Wohnungen zu erzielen; fünf Bauten sprechen von der Kontinuität des Landschaftsraumes und orientieren sich gleichwertig in west-östlicher Richtung. Die versetzte Lage der Gebäude zueinander und ihre ondulierenden Fassaden passen die Volumen in die feineren Bewegungen der Topografie ein, beziehen die bestehende Vegetation in den Aussenraum mitein und zeichnen eine harmonische Geometrie für den Weg vor. Die Anlage vermittelt an ihren Grenzen auf jede Seite mit einer spezifischen städtebaulichen Reaktion: die zwei Zeilenbauten entlang der Wurmbühlstrasse definieren gegen Westen den Strassenraum und gegen Süden, durch ein feines Abdrehen und Abrücken der langen Zeilen von der südlichen Bebauung, einen Erschliessungs- und Eingangsraum für die Siedlung. Der kompakte Gebäudekörper für die GAIWO-Alterswohnungen gewährt einen funktionalen Bezug von Bestand und Neubau und schafft einen grosszügigen und ruhigen Aufenthaltsraum für die Siedlung in deren Mitte (offen zum Grünraum der Schule). Das oberste Haus an der Grundstrasse bildet über das Abrücken von der Strassenabstandslinie einen adäquaten Übergang zur feinkörnigen Wohnbebauung am Hang.

Aussenraumgefüge und Erschliessung
Der Aussenraum ist das Verbindende der Siedlung und trägt über verschiedenartig proportionierte Räume in gleichem Masse wie die volumetrisch-plastische Durchbildung der Gebäude zum hohen Identifikationswert der Siedlung bei. Die bestimmende Folge von Aussenräumen ist als Kontinuum angelegt, das den öffentlichen Weg von der Wurmbühlstrasse zur Grundstrasse nachzeichnet. Da alle Wohnungen im Hochparterre liegen, sind die Aussenräume durchgehend öffentlich, allerdings mit unterschiedlichen Nutzungsintensitäten (ruhige und belebtere Flächen).
Der erste Aussenraum schiebt sich keilförmig von der Wurmbühlstrasse aus zwischen die Neubauten und die südlich angrenzende Siedlung und dient der Erschliessung der Siedlung (Hauptzugang); die Tiefgaragenabfahrt beginnt hier, seitlich befinden sich Veloabstellplätze und am Ende erreicht man das Gebäude der GAIWO-Alterswohnungen. An der Stirne des GAIWO-Gebäudes öffnet sich ein zweiter, zentraler und platzartiger Aussenraum; er stellt die aussenräumliche Mitte der Anlage dar und steht offen für Begegnungen und das Spiel (Spielgeräte, Bänke). Ausgehend davon führt der öffentliche Weg zur Würmbühl- resp. Grundstrasse. An der Grundstrasse mündet der Weg in einen Vorplatz zwischen Strasse und oberstem Haus. Hier sind wiederum Velo- und Besucherparkplätze vorgesehen (sowie Parkplätze für Gehbehinderte, die in den Hanghäusern wohnen).
Privatisierte Aussenräume sind nur beim Gebäude im Hang vorgesehen (Behindertenwohngruppe). Deren Bewohner haben einen Überblick über den zentralen Platz und partizipieren so am gemeinschaftlichen Leben der Siedlung.
Die Tiefgarage im unteren Arealteil bietet für sämtliche Wohnungen insgesamt 135 Abstellplätze. Zwei Drittel der Wohnungen sowie sämtliche Alterswohnungen sind direkt an die Tiefgarage angeschlossen.

Architektur
Die zeilenartigen Gebäude der ASIG werden über ein additives Prinzip von zweispännig organisierten, unterschiedlich langen Gebäudeeinheiten gebildet. Durch die Nord-Süd-Stellung erhalten alle Wohnungen eine Ost-Westausrichtung. Ausgehend von den kompakten Volumen wurde einzig durch die Trapezform der Loggiaplatten ein volumetrisch-plastisches Thema entwickelt, das eine städtebaulich signifikante Wirkung erzielt, die der Siedlung einen hohen Identifikationswert verschafft. Auch das Attika ist in dieses kompositorische Prinzip eingebunden und wirkt nicht aufgesetzt. Die ondulierende Abwicklung rhythmisiert die gebänderten Fassaden, unterstützt durch die Intervalle zwei verschieden grosser Loggien.
Das Gebäude der GAIWO ist bestimmt durch eine verwandte Abwicklung, wenn auch das generierende Moment hier ein innenliegender Erschliessungs- und Aufenthaltsraum ist. Das Gebäude der GAIWO kommt mit einem Minimum an Erschliessung aus (2x 5-spännige Organisation).
Die Wohngeschosse beginnen in allen Gebäuden (mit Ausnahme des Hanghauses) auf einem Hochparterre von 70 cm Mittelwert. Allen Wohnungsgrundrissen gemeinsam sind diagonale Sichtbezüge, welche die Wohnungen «seitlich» öffnen, Weite schaffen und verorten. Weiter ergeben sich durch die Stellung der Baukörper für jede Wohnung sowohl zum «inneren» Aussenraum der Siedlung wie in die weitere Umgebung des Quartiers jeweils andere Raumbezüge.
Kollektive NutzungenDie kollektiven Nutzungen sind im Ergeschoss des zentralen Gebäudes der GAIWO-Alterswohnungen eingerichtet. Unter Ausnutzung des bereits ansteigenden Gefälles lässt sich für den Mehrzweckraum, die Räume des Abwartes und die Siedlungsbetreuung eine Mehrhöhe im Innenraum realisieren, was dem öffentlicheren Charakter der Räume Rechnung trägt.
Wohnungen für die ASIGDer diagonale Aufbau der Grundrisse lässt die Wohnungen grosszügig und offen erscheinen. Eine zweite, der Eingangshalle zugeordnete Loggia sorgt für Tageslicht im Innern der Wohnung und schafft eine zweiseitig Orientierung der Wohnungen; es ist möglich, sowohl am Abend wie am Morgen draussen zu essen. Durch die natürliche Belichtung der Eingangshalle wird diese zur multifunktionalen räumlichen Mitte; hier können Kinder spielen oder Hausarbeiten erledigt werden.Alle Räume werden von der zentralen Eingangshalle aus erschlossen. Es gibt keine über den Wohnraum erschlossene Zimmer (keine «kreuzenden» Wege), die im Fall von Familienwohnungen ein Problem sind. Dennoch lassen die Grundrisse vielfältige Wohnformen zu, da mehrere, sekundäre Direktverbindungen möglich sind; bspw. vom Wohnraum ins angrenzende Zimmer, das so ein «Durchwohnen» an beide Fassaden erlaubt. Weiter besteht ein direkter Zugang vom Wohnraum in die geräumige Küche, damit ein Essplatz in einem der Räume frei gewählt werden kann. Ein Zimmer ist seitlich mit einer Loggia verbunden, das so räumlich erweitert wird und bspw. als Arbeitszimmer eingerichtet werden kann.
Diejenigen Wohnungen, welche über kein abgetrenntes Reduit verfügen, besitzen ausreichend Einbauschränke in der Küche und der Eingangshalle.

Alterswohnungen für die GAIWO
Beim Wohnen im Alter erhalten die Gemeinschaft und der Austausch unter den Bewohnern zentrale Bedeutung. Aus diesem Grund wurde ein kompaktes Volumen mit einer kranzförmigen Anordnung der Wohnungen entwickelt, wo die einzelnen Wohnungen von einem zentralen, grosszügig dimensionierten Begegnungs- und Aufenthaltsraum aus erschlossen werden (2×5-spännig organisierter Gebäudetyp).
Der Haupteingang des Gebäudes befindet sich an zentraler Stelle im Aussenraum und fällt zusammen mit einem allgemeinen Ausgang aus der Tiefgarage (direkte Anbindung), sodass Kontakte mit den Bewohner der ASIG-Wohnungen entstehen. Ein zweiter, ostseitiger Eingang schliesst das Gebäude an die bestehende GAIWO-Siedlung an. Die Anordnung der Siedlungsbetreuung im südlichen Sockelbereich schafft ein funktionales Scharnier zwischen Bestand und Neubau und ermöglicht einen effizienten Betrieb beider Häuser.
Die Wohnungsgrundrisse haben räumliche Verwandtschaft zu den ASIG-Wohnungen. Ein geräumiger Eingangsraum erschliesst sämtliche Räume. Alle Wohnräume stossen direkt an die Fassaden, Bäder und Reduit sind rückwärtig angeordnet. Die grossen Wohnungen (2 1⁄2 und 3 1⁄2) sind in den Gebäudeecken placiert und haben so zwei Ausrichtungen.

Energiekonzept und Haustechnik

Minergie
Das Gebäude wird so realisiert, dass der Minergie-Standard erfüllt wird. Die Nutzung ökologisch günstiger, erneuerbarer Energie für die Wärmeerzeugung (Holzpellets), der Einsatz einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie eine gut gedämmte Gebäudehülle (Dämmstärke ab 18 cm) tragen wesentlich dazu bei, dass der Minergiestandard ohne grosse Mehrkosten erreicht werden kann. Die hohe Wärmespeicherfähigkeit des massiven Kerns erlaubt einen guten Nutzungsgrad der solaren Wärmegewinne, sodass der Heizwärmebedarf die Minergie-Primäranforderung an die Gebäudehülle um rund einen Drittel unterschreitet.

Raumwärme und Warmwasser
Für die Deckung des Heizwärmebedarfs wird eine zentrale Holzpelletfeuerung vorgesehen. Über ein Wärmenetz werden die Unterstationen in den einzelnen Gebäudeteilen mit Wärme bedient. Die Niedertemperaturwärme wird in den Wohnungen über eine Fussbodenheizung verteilt.
Durch die zentrale Holzpelletfeuerung wird gegenüber einer Wärmeerzeugung mit Gas der jährliche Ausstoss an CO2 signifikant verringert. Im Vergleich zur Nutzung von Erdwärme sprechen tiefere Investitionskosten für eine Holzpellet-feuerung. Aufgrund des homogenen Brennstoffs sind Pelletfeuerungen sehr effizient, emissionsarm und erlauben einen automatischen und wartungsarmen Betrieb. Für die Wärmezentrale ist auch ein Betrieb im Contracting möglich.
Das Warmwasser wird dezentral in 8-9 Unterzentralen in den einzelnen Gebäudeteilen erzeugt. Der Wärmebedarf für das Warmwasser wird über das Wärmenetz aus der Heizzentrale (Pelletkessel) gedeckt.

Lüftung
Um ein gutes Innenraumklima und einen hohen Schallschutz auch auf den Strassen zugewandten Wohnräumen zu erzielen wird die Siedlung mit einer Komfortlüftung ausgerüstet. Diese dient zudem der Sicherstellung des thermischen Komforts sowie der Einhaltung der hygienischen Anforderungen und schützt das Gebäude während der Heizperiode durch Wärmerückgewinnung in der Abluft vor unkontrollierten Wärmeverlusten. Pro Treppenhaus (8 Wohnungen) wird eine Lüftungszentrale vorgesehen um die Luftführung einfach und die Anlage damit kostengünstig zu halten. Die Luftverteilkästen werden für Wartungsarbeiten zugänglich im Garderobenschrank angeordnet. Die Positionierung der Lüftungsschächte und der Zu- und Abluftleitungen erfolgt so, dass mehrere Grundrissvarianten möglich bleiben. Grundsätzlich sollen die Wohn- und Schlafräume frische Zuluft erhalten, während die Abluft über die Küchen und Bäder abgeführt wird, sodass unerwünschte Geruchsemissionen vermieden werden können. Die Luftleitungen werden in der Betondecke kreuzungsfrei eingelegt.
Für die Kochstellen werden Umlufthauben vorgesehen. Dies ermöglicht ein einfaches Lüftungskonzept ohne Beeinflussung der Luftmengenbilanz (kein Unterdruck in der Wohnung) und vermeidet damit zusätzliche Wärmeverluste.

Bauphysik
Mit natürlicher Beschattung durch die Balkone und aussenliegendem Sonnenschutz wird ein hervorragender sommerlicher Wärmeschutz erreicht. Die gute thermische Behaglichkeit wird unterstützt durch die kompakte Gebäudehülle und den massiven Kern mit Decken und Wänden aus Beton.Die Wohneinheiten werden über abgetrennte Entrées erschlossen. Dadurch ist der Schallschutz zum Treppenhaus mit Lift problemlos gewährleistet. Der Schallschutz zwischen benachbarten Wohneinheiten ist mit einer kurzen Abwicklung und der Trennung durch Massivbetonwände gut gelöst.

Materialisierung und Wirtschaftlichkeit

Gebäudestruktur
Vorgeschlagen wird eine rationelle, einfache Gebäudestruktur aus durchgehenden Geschossplatten in Ortbeton (22 cm) und tragenden Innenwänden aus Backstein. Diese werden je nach den statischen und schalltechnischen Anforderungen im Bereich der Fassade lokal mit Betonscheiben verstärkt. Aussteifend wirken betonierte Wände bei Liftkernen und Treppenhäusern. Die Fassade ist nichttragend. Die Tragstruktur ist so ausgelegt, dass die Grundrisse veränderten Bedürfnissen in der Zukunft angepasst werden können.
Die Bodenplatten der Loggien können dreiseitig und thermisch getrennt auf den Geschossplatten aufgelegt werden, sodass keine kostenintensive Kraganschlüsse notwendig werden und energetisch nachteilige Wärmebrücken entstehen.

Gebäudehülle
Das Brüstungsband in den Längsfassaden wird als Kompaktfassade ausgebildet (Dämmstärke 18 cm), das Fensterband ist ausgenommen im Badbereich durchgehend. Rahmenverbreiterungen decken Zimmer- und Wohnungstrennwände ab. Stirnseitig sind die Fassaden durchgehend als Kompaktfassaden ausgebildet. Für Dämmungen und Verputze kommen ausschliesslich mineralische, dampfdiffusionsoffene Materialien zum Einsatz und garantieren Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Die Fenster sind als dauerhafte Holz-Metallfenster vorgesehen.
Das Farbkonzept sieht helle Töne vor, welche sich durch die Lichtbrechungen der geknickten Bänder in ein breites, fein nuanciertes Farbspektrum auffächern.

Wirtschaftlichkeit
Um die vorgegeben Kennwerte (3000.- CHF/ m2 HNF inkl. Garage) erreichen zu können, müssen die Gebäude äusserst preiswert erstellt werden. Das Projekt trägt diesem Aspekt Rechnung, indem ein architektonisches Thema entwickelt wurde, das ausgehend von kompakten Volumen einzig durch die Trapezform der Loggiaplatten eine städtebaulich signifikante Wirkung erzielt. Für eine wirtschaftliche Realisierung von Bedeutung ist weiter eine optimale Etappierbarkeit bei der Erstellung.
Aufgrund der optimalen Anordnung der Wohn- und Ruheräume (von den Erschliessungzonen abgewendet) und die Anordnung der Steigzonen (mehrheitlich bei den Treppenhäusern) ist eine einfache und kostensparende Konstruktionsweise möglich. Gleiches gilt für die als Kompaktfassade ausgebildete Gebäudehülle.

Notkersegg

Städtebau und Baukörper
Das Grundstück liegt auf einer reizvollen landschaftlichen Terrasse südöstlich über dem Stadtzentrum von St. Gallen. Die sanfte Senke wird im Norden durch einen dichten Waldstreifen und im Osten durch ein Bauernhof-Ensemble gefasst. Im Süden und Westen grenzt der Perimeter über die Huebstrasse und den Hagenbuchrein an eine kleinteilige Einfamilien- und Reihenhaussiedlung. Dieses Quartier geht auf eine Planung aus den 1960er Jahren zurück und bildet mit dem Oval der Hardungstrasse eine vollständige, in sich geschlossene Form. Ein Weiterbauen an bestehenden Strukturen erscheint nicht zuletzt aus diesem Grund undenkbar.Das Projekt schlägt deshalb eine neue, eigenständige Struktur vor, die zwischen Stadt und Landschaft vermittelt und einen «weichen» Übergang zum Hofensemble schafft. Vorgeschlagen wird eine Komposition aus sechs identischen, sternförmigen Baukörpern. Die Volumen weisen vier Geschosse auf, verzichten dafür auf eine Attika. Die Anlage besteht aus einer Reihung dreier Volumina zum Wald hin; zur Einfamilien- und Reihenhaussiedlung im Süden und Westen sowie zum Bauernhof im Osten formen die Volumina offene Räume, erlauben Sichtbeziehungen in die Tiefe des Grundstücks und eine räumliche Verschränkung mit den differenten Kontexten. Umgekehrt ermöglicht diese Anordnung Blickbeziehungen aus den Wohnungen in die Ferne. Diese stadträumlich einladende Geste nimmt damit Bezug auf mit dem Umland, gleichzeitig wird durch die ausgreifenden, zueinander gedrehten Volumen der Blick gelenkt und gefasst – die Anlage als Ganzes theatralisch inszeniert.Weiter brechen die sternförmigen Körper durch die Abwicklung ihrer Fassaden die relative Grösse der Volumen mehrfach und machen die allseitige Orientierung der Häuser sichtbar; aufgrund der Geometrie gibt es keine Nordwohnungen. Zwei voneinander getrennte Parkgaragen erlauben eine Etappierung in mindestens zwei Phasen.

Aussenraum und Erschliessung
Der Aussenraum wird als grosser, offener Garten begriffen, dessen räumliche Qualitäten ausschliesslich durch die Geometrie und Stellung der Volumina erzeugt werden. Die Häuser werden umgeben von Wiesen, chaussierten Wegen und Obstbäumen. Der Wiesenbach wird nicht vollständig freigelegt, sondern kommt in einer Serie von gefassten Wasserbecken zum Vorschein, die den Verlauf des Baches erahnen lassen. In diesen Becken kommt das Wasser zur Ruhe. Die Becken werden mit unterschiedlichen Wasserpflanzen bepflanzt.Da die Aussenräume restlos dem öffentlichen und halböffentlichen Aussenraum zugeschlagen werden, gibt es keine privaten Aussenräume in der Art von abgetrennten Vorgärten; damit wird nicht zuletzt an die Weite des ursprünglichen Landwirtschaftslandes erinnert, gleichzeitig aber auch ein städtisches Wohnen angeboten, dass in Anbetracht der Stadtnähe und der schönen landschaftlichen Situation angemessen erscheint. Die ersten Wohngeschosse sind denn auch vom Terrain abgehoben und liegen im Hochparterre. Jede Wohnung verfügt über eine grosse Terrasse mit Bezügen in verschiedene Richtungen.Die Neubauten werden separat und direkt von der Hagenbuchstrasse und der Huebstrasse erschlossen. Dabei sind Fussgänger- und Automobilzugänge parallel geführt; der Bewohner hat entweder die Möglichkeit über die Tiefgarage ins Haus zu gelangen, oder er erreicht von aussen über chaussierte Wege und eine flache Rampe den Hauseingang im Tiefparterre. Hier wird die Bewegung in einem polygonalen Innenraum, der von oben Tageslicht erhält, in die vertikale Erschliessung zu den einzelnen Wohnungen geleitet; diese Vertikalräume sind typologisch weder Höfe, noch Treppenhäuser. Von einem Umgang werden jeweils vier Wohnungen erschlossen; die Erschliessung mit einem Lift und einer Treppe pro 16 Wohnungen ist damit sehr effizient.Die Besucherparkplätze sind oberirdisch entlang der Hagenbuchstrasse angeordnet (10 PP). In den unterirdischen Sammelgaragen finden 61 und 58 Autos Platz.

Architektur und Wohnungen
Der Ausdruck der Bauten ist wegen der massiven Bauweise und grossmassstäblicher Proportionen städtisch, aufgrund der Grundrissgeometrien und ausgreifender Terrassen aber auch stark landschaftlich bezogen. Die Allseitigkeit der Solitäre stärkt diesen Charakter. Auch der Fassade kommt dabei wichtige Bedeutung zu: Fensterbänder mit niedrigen Brüstungen schaffen direkte Bezüge zum Aussenraum. Die auskragenden Terrassen lassen die Bauten leicht über dem Terrain schweben.Es werden insgesamt 96 Wohnungen (beim Umbau des Kindergartens zu Wohnraum sind es 98) mit Wohnflächen von 88 bis 133 m2 angeboten. Pro Geschoss gibt es zwei 4.5-Zimmerwohnungen und je eine 3.5- und 5.5-Zimmerwohnung. Der Wohnungsschlüssel erhöht das Angebot an 3.5-Zimmerwohnungen, für die in städtischen und stadtnahen Gebieten wieder verstärkt Nachfrage besteht oder noch erwartet wird.Charakteristisch für die Wohnungen sind mehrgliedrige Wohnräume, die über drei Seiten natürlich belichtet sind (zwei Fassaden, eine «helle» Wand zum Treppenraum) und Zugang auf eine grosszügige Terrasse haben. Ein Eckzimmer in den Spitzen des sternförmigen Grundrisses lässt sich dem Wohnraum zuschlagen und kann vielfältig genutzt werden. Um diese Figur gruppieren sich die eher privaten Zimmer und die Küche. Die Wohnungen lassen unterschiedliche Wohnformen zu.Architektonisch unterscheiden sich die Häuser mit Mietwohnungen von den Häusern mit Eigentumswohnungen zugunsten einer einheitlicheren Erscheinung der Siedlung nicht. So bleibt auch der wünschbare Anteil an Mietwohnungen weiter offen. Die Architektur eignet sich sowohl für Miet- wie Eigentumswohnungsbau.

Konstruktion und Materialität
Vorgeschlagen wird eine rationelle Bauweise mit Geschossplatten in Ortsbeton und tragendem, lokal mit Stahlbeton verstärktem Mauerwerk. Die Aussteifung ist über die Liftkerne und die Badkörper gewährleistet. Die Fassaden bestehen aus vorgehängten, mit einer linearen Struktur versehenen Betonbrüstungen. Die vertikalen Flächen sind verputzt und sollen in Struktur und Farbe nahe an den horizontalen Bändern sein (Zementputz). Gedämmt wird nach Minenergie-Standard an den vertikalen Fassadenteilen mit einer mineralischen Kompaktfassade. Für die verglasten Teile werden gestrichene Holz-Metallfenster vorgeschlagen. Hinter den Betonbrüstungen sind Rafflamellenstoren zur Verdunkelung der Innenräume angebracht.Die Materialisierung der Innenräume ist in der Anzahl der verwendeten Matrialien und Farben zurückhaltend. Für die Wände und die Decken ist ein Weissputz vorgesehen. Die Böden werden durchgehend homogen; denkbar sind zementgebundene Giessböden oder ein Gussasphalt. Vor allen Fenstern können Vorhänge gezogen werden, um den Grad an Intimität jederzeit individuell bestimmen zu können. Zudem sind Vorhangsschienen im Eingansbereich jeder Wohnung angebracht, um diesen vom Wohnraum abzutrennen.Energietechnische Massnahmen und bauökologische AspekteMit den kompakten Gebäudeformen der Solitäre und dicken Dämmstärken kann der Minergie-Standard trotz einem relativ grossen Glasanteil erreicht werden. Voraussetzung dazu sind Isolierglasfenster mit 0.8 W/m2K, ein Wert der mittlerweile bereits mit einer konventionellen Zweifachverglasung erreicht wird und demnach wirtschaftlich bleibt. Für die Konstruktion und Verkleidung sind ausschliesslich recyclierbare, natürliche Materialien vorgesehen.

Schönberg

Städtebau und Baukörper
Der Projektperimeter liegt am Rand des Schönbergparks und grenzt über den Schönbergrain an eine Ein- und Zweifamilienhaussiedlung. Ebenfalls an diesem Parkrand befinden sich die ehemaligen Ökonomiegebäude des Herrschaftssitzes. Die Neubauten müssen einerseits die Reihe der Ökonomiegebäude ergänzen, anderseits zwischen bürgerlichem Wohnquartier und Park vermitteln.

Vorgeschlagen werden zwei unterschiedlich grosse, je zweigeschossige Baukörper mit Attika. Das grössere und längere Volumen begleitet den Schönbergrain, definiert den Parkrand neu und nimmt mit seiner Längsstellung Bezug auf das Bauernhaus. Das kleinere und kompaktere Volumen steht quer sowie etwas zurückversetzt zur Strasse in der nördlichsten Ecke des Parks. Die Abdrehung in den Park schafft einen Abschluss der Gebäudereihe, reagiert aber auch auf die Kurve des Schönbergrains und die anschliessenden, gleich orientierten Baukörperauf der Kuppe. Gleichzeitig treten die Neubauten durch diese Stellung erst in Beziehung zueinander: von der Parkseite betrachtet bilden sie ein kommunizierendes, raumbildendes Paar; sie formen zusammen mit dem Herrschaftssitz eine neue Kammer im Park.
Der Versatz im grossen Körper sowie die Vor- und Rücksprünge von Loggien und Erkern in beiden Bauten brechen die relative Grösse der Volumen mehrfach, machen die allseitige Orientierung der Häuser sichtbar und verzahnen das Haus mit dem Park.

Aussenraum und Erschliessung
Mit den Neubauten wird der bestehende Herrschaftsgarten zurückgebaut. Die neuen Aussenräume sollen als Fortführung der bestehenden Parkfläche gestaltet werden: es sind dafür Rasenflächen sowie chaussierte Wege und Zufahrten vorgesehen. Der Baumbestand bleibt weitgehend erhalten und wird lediglich mit einzelnen Neupflanzungen zu Baumgruppen ergänzt. Die Arten werden beibehalten und um die Blutbuche – eine für solche Parkanlagen typische Sorte – ergänzt. Entlang des Schönbergrains schafft eine niedrige Hecke Distanz von der Strasse zum Haus; die Rasenflächen können hier nicht betreten werden. Da die Aussenräume restlos dem Park zugeschlagen werden, gibt es keine privaten Aussenräume; die ersten Wohngeschosse sind vom Terrain abgehoben und liegen im Hochparterre. Dafür verfügt jede Wohnung mindestens über mindestens zwei grosse Terrassen.
Die Neubauten werden separat und direkt vom Schönbergrain aus erschlossen. Dabei sind Fussgänger- und Automobil-zugang parallel geführt; sie binden die Häuser an jeweils einer Stelle an die Strasse an. Ansonsten führen keine härteren Beläge zu den Häusern: sie stehen auf Rasenflächen, umgeben von Bäumen. Der Bewohner hat die Möglichkeit über die Tiefgarage ins Haus zu gelangen. Dort führen Lifte direkt in die Wohnungen und erlauben so einen diskreten, sehr privaten Zugang mit dem Auto. Der Besucher hingegen erreicht die Wohnung über offene Treppenhäuser. Die Wohnungseingänge sind im grossen Haus durch das Splitlevel individualisiert. Besucherparkplätze sind oberirdisch am Schönbergrain angeordnet.

Architektur und Wohnungen
Mit dem architektonischen Ausdruck beziehen sich die Neubauten eindeutig auf den Park. Der Fassade kommt dabei wichtige Bedeutung zu: Fensterbänder mit niederen Brüstungen schaffen direkte, allseitige Bezüge zum Aussenraum. Die Skelettbauweise mit Geschossplatten und kurzen Scheiben bietet dazu offene Plattformen; die Wohnungen sind gleichsam schwebende Platten zwischen den Baumkronen. Von Aussen schafft die Materialisierung der Fassade mit ‚weichen’ Materialien einen Übergang zum Grünraum: das sind poröse Travertinplatten an den Brüstungsbändern und dunkle, bleiern wirkende Bleche für die Verkleidungen der Wandstücke und der Attika. Die auskragenden Terrassen lassen die Bauten leicht über dem Terrain schweben.
Mit dem Vorschlag werden insgesamt neun Wohnungen mit Wohnflächen von 90 bis 181 m2 angeboten. Im Haus 1 sind das pro Geschoss je zwei, im Haus 2 ist es eine. Entsprechend dieser Verteilung befinden sich die grösseren Wohnungen im Haus 2, haben sie dort ja vier Fassaden zur Belichtung.
Die räumliche Ordnung der einzelnen Wohnungen ist vorgezeichnet durch einen zentralen, in der Gebäudetiefe liegenden Cheminéeplatz. Darum entwickelt sich jeweils ein grosser Wohn- und Essraum, der mit dem Entrée und teilweise der Küche offen verbunden ist und eine prägnante Figur bildet. Diese Figur greift an alle Fassaden der Wohnung und schafft die beschriebenen allseitigen Ausblicke und Bezüge. Um diese Figur gruppieren sich die Zimmer. Sie sind alle über Eck verglast und mindestens 15 m2 gross. Durch die vor- und rückspringende Fassadenabwicklung – worin auch die zwei Terrassen eingebunden sind – entstehen erkerartige Zimmerpakete. Das Raumangebot der Küchen und Bäder entspricht dem höheren bis luxuriösen Standard.Die Zimmeranzahl reicht von 2.5 bis 7.5 Zimmer. In den Wohnungen der Normalgeschosse ist diese zudem variabel. Je nach den Wünschen des Bewohners kann eines bis drei zusätzliche Zimmer abgetrennt werden. Aufgrund der Skelettbauweise ist es auch möglich gänzlich auf Zimmerunterteilungen zu verzichten; durch den Ausbau der Schrankwände und Glassteinwände wird die Wohnung zum Loft.

Bauernhaus
Die Eingriffe bei der Sanierung und Nutzbarmachung des Bauernhauses sollen so selbstverständlich und sparsam wie möglich sein; nicht zuletzt um die Vermietbarkeit zu gewährleisten. Vorgeschlagen ist, Struktur, Fassade und räumliche Gliederung beizubehalten. Der ehemalige Wohnteil soll sanft umgebaut werden. Die Eingriffe beschränken sich hier hauptsächlich auf eine neue, innenliegende Treppe in Verbindung mit Bad und Küche, welche die Geschosse neu intern verbindet; es entsteht eine 4.5-Zimmer-Wohnung. Im ehemaligen Ökonomieteil sind die Nutzungsmöglichkeiten flexibler. Die Einbauten – raumbildende Bad-Küchen-Körper in Verbindung mit einer Treppe – sollen auch hier eine Wohnnutzung ermöglichen, wobei die Kombination mit einem Büro oder Atelier aufgrund der grösseren Nutzflächen sinnvoll erscheint. Im Erdgeschoss sind vielleicht auch stille Gewerbe oder Spezialgeschäfte mit wenig Publikumsverkehr denkbar. Im nördlichen dritten Gebäudeteil, der vom Hauptvolumen in der Höhe abgesetzt ist, wird eine analoge Ausstattung wie im Atelier eingebaut; es entsteht eine kleine 4.5-Zimmer-Wohnung.

Konstruktion und Materialität
Vorgeschlagen wird eine rationelle Skelettbauweise aus Beton mit Geschossplatten in Ortsbeton und vorfabrizierten Scheiben. Die Aussteifung ist über die Liftkerne, die Bad-Cheminée-Kerne und einzelne Wände im Treppenbereich gewährleistet. Die Skelettbauweise erlaubt einen raschen und übersichtlichen Bauablauf. An den Rohnbau wird die Fassade montiert, die weitgehend vorfabriziert werden könnte (Holzmetallfenster, mit Blech verkleidete Hohlkastele-mente, Travertinverkleidung aussen). Die Zimmereinteilungen sind Teil des Innenausbaus (Schrankelemente und Glassteinwände).
Die Materialisierung der Innenräume ist in der Anzahl der verwendeten Materialen und Farben zurückhaltend. Die Schrankwände sind in gebeiztem, grobmaserigen Holz gedacht. Die Glassteinwände sollen nur bedingt transparent sein, den dahinter liegenden Raum aber erkennen lassen. Vor alle Fenster und Glassteinwände können Vorhänge gezogen werden, um den Grad an Intimität jederzeit individuell bestimmen zu können. Für die (wenigen festen) Wände und die Decken ist ein Weissputz vorgesehen, die Scheiben werden nur gestrichen. Auf den Böden wird durchgehend Stein verlegt; denkbar sind Marmore, ein dunkelgrüner Serpentin…

Energietechnische Massnahmen und bauökologische Aspekte
Mit den kompakten Gebäudeformen und einer aussen durchgehenden Dämmebene kann der Minergie-Standard – sofern erwünscht – trotz einem relativ grossen Glasanteil von rund 70% erreicht werden. Voraussetzung dazu sind Isolierglasfenster mit 0.8 W/m2K, ein Wert der mittlerweile bereits mit einer konventionellen Zweifachverglasung erreicht wird und demnach wirtschaftlich bleibt. Für die Konstruktion und Verkleidung sind ausschliesslich recyclierbare, natürliche Materialen vorgesehen.