Pilatus

Drei Häuser
Das Projekt sieht eine Konfiguration von drei aneinander gebauten, funktional unabhängigen Häusern vor: Ein Wohnhochhaus mit Eigentumswohnungen, die Sportarena und ein Wohnhochhaus mit Mietwohnungen. Der mit der Überarbeitung schlanker proportionierte Wohnturm (60 Meter) am Kreisel Mattenhof bezieht sich in der Höhe einerseits auf die anderen platzbildenden Hochhäuser und vermittelt andererseits zum höheren Wohnturm. Vom Platz her betrachtet in zweiter Reihe und zum Bahnhof zugehörig steht der höhere Wohnturm (109 Meter). Dazwischen gespannt befindet sich die Sportarena. Die drei Häuser bilden damit die drei Programme ab und erlauben eine einfache Abparzellierung. Die Dreiteilung berücksichtigt aber auch deren unterschiedliche Lebensdauer und die statische Entflechtung führt zu einer schlanken Dachstruktur der Arena. Schliesslich wird mit dem privilegierten Wohnen in Hochhäusern der Landschaftsbezug thematisiert.

Platzfolge zwischen Bahnhof und Kreisel
Die Raumbildung des Mattenhofplatzes erfolgt über zentrierte und teilweise leicht ausgedrehte Platzfassaden. Mit dem südlichen Hochhaus der Pilatus Arena wird der Platz zu einem fünfeckigen Raum komplettiert. Durch das leichte Zurücksetzen des Wohnhochhauses wird eine platzartige Öffnung zum Bahnhof geschaffen, die sich von den Strassenmündungen unterscheidet und die wichtige Verbindung zwischen Mattenhofplatz und Bahnhof stadträumlich akzentuiert. Diese Verbindung baut auf einer Folge von Platzräumen auf, die jeweils Zugänge zu den drei Häusern geben. Der langgezogene Bahnhofplatz findet sein räumliches Ende mit dem nördlichen Hochhaus.

Fassadenkleid aus hellem Faserbeton und Aluminium
Auf plastischer Ebene verbinden sich die drei funktional getrennten Häuser zu einer Figur. Verstärkt wird diese architektonische Absicht durch das einheitliche und verbindende Fassadenkleid aus leichten und nobel erscheinenden Faserbetonplatten und Aluminium. Beide Materialien sind von heller Tonalität und kontrastieren nur wenig. Die Leichtbaufassade wird einerseits den drei verschiedenen Nutzungen gerecht und entspricht andererseits den Grundsätzen einer nachhaltigen Bauweise. Die hinterlüftete Fassade ist unterhaltsfrei und gewichtsparend; beim Hochhausbau beides relevante Kriterien.

Allmend
Der Mattenhof ist Teil des dynamischen Entwicklungsgebietes Luzern Süd. Luzern Süd wiederum steht in stadträumlicher Kontinuität zur Stadt Luzern, Horw und Kriens. Zwei Seen und drei Erhebungen fassen diesen Stadtraum. Primäre Verkehrsachsen durchlaufen den topografisch gefassten Raum. Drei dieser Achsen sind für den Mattenhof und die Allmend von Bedeutung: für den motorisierten Verkehr die Obergrundstrasse, die sich in Arsenal- und Horwerstrasse teilt, die S-Bahn-Linie Luzern-Horw sowie die geplante Langsamverkehrsachse vom Bahnhof Luzern entlang der Allmend nach Horw.

Stadträumliche Orientierungspunkte
Angelagert an diese Achsen finden sich an wichtigen stadträumlichen Stellen Hochpunkte: an der Obergrundstrasse am Ausgang der Neustadt die Pauluskirche, an der Langsamverkehrsachse und am Ende des Gleisfelds das geplante Steghofhochhaus, an der Horwerstrasse im Zentrum der Allmend die beiden Allmend Hochhäuser. Das nördliche Hochhaus der Pilatus Arena markiert in dieser Serie den Bahnhof Kriens Mattenhof. In Beziehung zu den Allmend-Hochhäusern schafft es eine räumliche Auszeichnung und Fassung der Allmend als öffentlichen Freiraum von Luzern Süd und «Sportcampus».

Wohnen im Hochhaus
Das Projekt setzt auf das privilegierte Wohnen in Hochhäusern, das den Landschaftsbezug zu den Seen und Alpen thematisiert. Prägendes Element für alle Wohnungen bilden plastische Einkerbungen im Baukörper mit jeweils flankierenden, zweiseitig geöffneten Loggien. Diese Kerben «multiplizieren» die Ecksituationen und schaffen auch bei mittig liegenden Wohnungen mehrfache Ausrichtungen: Im Innenraum werden mindestens zwei sich kreuzende Sichtbeziehungen aufgebaut. Die eine Sichtlinie geht vom Entrée aus über das Wohnzimmer und die Loggia in die Ferne. Eine Querverbindung bietet räumliche Grosszügigkeit in die Breite der Wohnung. In der Überschneidung dieser Fluchten befindet sich der Wohnbereich.
Sowohl im Turm mit Wohneigentum wie auch im Mietwohnungshaus werden sieben Wohnungen pro Geschoss über ein mittiges Treppenhaus erschlossen. Das Haus mit den Mietwohnungen erreicht mit 20 oberirdischen Geschossen rund 60 Meter, dasjenige mit den Eigentumswohnungen mit 37 Geschossen rund 109 Meter. Wo die beiden Wohntürme an die Sporthalle anschliessen, befinden sich Abstellräume. Die dazwischenliegende Sporthalle erreicht 21 Meter Höhe.

Architektonischer Ausdruck
Die drei Häuser werden über ein leichtes und nobel erscheinendes Fassadenkleid zu einer plastischen Figur zusammengebunden. Dieses Kleid besteht aus einem die Öffnungen um- und zusammenfassenden hell eloxiertem Aluminiumblech und ebenfalls hellen, vertikal verlaufenden und profilierten Faserbetonplatten. Diese Materialisierung wird einerseits den drei unterschiedlichen Nutzungen gerecht und nimmt anderseits Bezug zu den bestehenden und geplanten, mehrheitlich mineralisch verkleideten Häusern. Das Erdgeschoss ist nach aussen umlaufend verglast, um die erwartete Öffentlichkeit zu verdeutlichen.

Sozialräumliche Aspekte
Die nord- respektive westseitigen Haupteingänge zu den Wohnhäusern münden in grosszügige Eingangshallen. Im Alltag oder während grosser Sportanlässe besteht die Möglichkeit, die Lifte zu den Wohnungen über die ostseitigen Eingänge zu den Velo-, Kinderwagen- und Entsorgungsräumen zu erreichen (zweite Adresse). Die Eingänge sollen hochwertig ausgestattet sein, um über eine hohe Aufenthaltsqualität das Zustandekommen sozialer Kontakte im Alltag zu unterstützen.
Zugunsten einer guten sozialen Durchmischung wurde darauf geachtet, dass der geforderte Wohnungsmix nicht vertikal über die verschiedenen Geschosse verteilt wird, vielmehr werden auf den einzelnen Geschossen jeweils verschiedene Wohnungstypen angeboten. Der Dachgarten wird über das Angebot der flankierenden Gemeinschafts- und KiTa-Räume sowie der Gästewohnungen durch unterschiedliche Nutzergruppen und Nutzungen belebt. Insbesondere im Sommerhalbjahr wird er zur wichtigen hausinternen und gebäudeübergreifenden Bühne des sozialen Lebens. Daneben erweitern auf übergeordneter Ebene das Angebot der Sportarena (Restaurant, Vereinsräume und Kraftstudio) und die gewerblich genutzten Erdgeschosse die soziale Infrastruktur. Somit trägt das Projekt ein vielseitiges und massstäblich differenziertes Angebot an sozialräumlichen Qualitäten.

Gegenwelt zum urbanen Stadtraum
Auf dem Dach der Sporthalle befindet sich ein grosszügiger Garten, der den Bewohnern der beiden Häuser vorbehalten ist. Über eine direkte Verbindung vom Treppenhaus hat jede Wohnung Zugang auf die durchgehend gemeinschaftliche Dachfläche. Den Auftakt bilden zwei grosse, vorgelagerte Gartenterrassen, die als Aussenflächen für den angegliederten Gemeinschaftsraum, die KiTa und die beiden Gästewohnungen dienen und über welche man in den etwas tiefer gelegenen Garten gelangt.
Der Garten dient sowohl als «Bild» wie auch als nutzbarer Raum, in den man eintaucht und verschiedene Räume und Nischen findet. Eine üppige, aber klar strukturierte Vegetation aus Stauden, Sträuchern und kleineren Bäumen schafft einen kleinteiligen und informell nutzbaren Aufenthaltsraum. Durch die organische Formensprache und die topografische Absenkung wird der Garten zum Kontrapunkt der Architektur. Mäandrierende, chaussierte Wege führen durch die Gartensequenzen und entwickeln ein Spiel der Offenheit und Geschlossenheit.
An zwei Stellen öffnet sich der Weg zu einem zentralen Kiesplatz in der Nähe des Gemeinschaftsraumes sowie zu einem Kinderspielplatz in der Nähe der Kita und bildet so zwei spezifische, vielfältig nutzbare Orte. Die bänderartig angelegte Staudenpflanzung gliedert sich in unterschiedlich rötliche, gelbe und bräunliche Farbtöne, die eine starke visuelle Wirkung erzeugen. Verschieden hohe und dichte Sträuchergruppen aus einheimischen Kleingehölzen ergänzen die Staudenpflanzung und gliedern den Garten in räumliche Abschnitte. Mittels einer sanften Geländemodellierung wird die Raumbildung unterstützt und die Wege an die Terrassen angebunden. Eine auf Augenhöhe abschliessende Brüstung fasst den Gartenraum und öffnet ihn zum Himmel – er wird zur Gegenwelt des urbanen Stadtraums.

Schaugarten
Der Dachgarten steht damit nicht in Konkurrenz zu den Sport- und Erholungsanlagen der nahegelegenen Allmend, sondern bietet einen ergänzenden Aufenthalts- und Erholungsraum mit einem schwach determinierten Angebot. Da der Dachgarten von den oberen Wohnungen aus eine hohe visuelle Präsenz hat, übernimmt er auch die Aufgabe eines Schaugartens, der von oben betrachtet als Bild angelegt ist.

Platzräume und Zugänge
Der städtische Aussenraum zwischen Mattenhof- und Bahnhofplatz besteht aus einer Folge von Platzräumen. Zwei bodeneben gepflanzte Baumkörper gliedern jeweils die Vorplätze der beiden Hochhäuser. Gleichzeitig spenden sie Schatten, während die restlichen Flächen mit einem Hartbelag ausgestattet sind. Die Zugänge der Wohnhäuser liegen gut auffindbar und entsprechend der Hauptausrichtung der Türme und der Sportarena. Die zwei Eingänge zur Sporthalle haben jeweils grosszügige Vorbereiche um Besucherandränge aufzunehmen.

Gewerblich genutzte Erdgeschosse schaffen Öffentlichkeit
Im Erdgeschoss der beiden Wohnhochhäuser werden Verkaufsflächen von insgesamt 900 Quadratmetern angeboten. Daneben beleben das Restaurant der Sportarena sowie ein Kiosk auch ausserhalb von Sportveranstaltungen den öffentlichen Raum. Fast alle Entfluchtungen der Sportarena und der Wohntürme sowie sämtliche Anlieferungen, Entsorgungen und Erschliessungen für Parkierungen (UG und EG) werden über die südöstliche Zubringerstrasse organisiert.

Sportarena
Die Sportarena steht eingespannt zwischen den beiden Wohnhochhäusern. Sie ist im Erdgeschoss längsseitig jeweils leicht eingeschnürt und greift in den oberen Geschossen – ähnlich einem Schiffsrumpf – in die Breite. Auf dem Platzniveau sind neben den Eingängen und der Anlieferung das passagenartige Foyer mit dem angrenzenden Restaurant sowie Nebennutzungen wie Fitness und Büros untergebracht. Die platzseitige Ausweitung («Schräge») in den oberen Geschossen ist ohne Fenster vorgesehen. Hier sollen Screens für Veranstaltungshinweise und Werbung angebracht werden.

Verteilebene als Piano Nobile
Da im Projektvorschlag davon ausgegangen wird, dass die insgesamt 4018 Tribünenplätze in der Regel nicht über die Spielfeldebene erschlossen sein sollen, führen vier grosszügig ausgebildete, hinter den Gelenken der Tribünenränge platzierte Doppelhelix-Treppen ins dritte Geschoss, welches als Verteilebene – gewissermassen als Piano Nobile – verstanden wird. Von hier gelangt man von oben herab in die unteren (bei kleineren Veranstaltungen) und in die oberen Ränge (bei Grossanlässen). Während den Spielpausen werden die Zuschauer primär auf der Verteilebene verpflegt, Toiletten befinden sich direkt ein Geschoss darüber. Die Prämisse der betrieblichen Entflechtung zieht sich durch die gesamte Sportarena, ohne die Flexibilität einzuschränken. So können beispielsweise die Tribünen auch über das Spielfeld erreicht werden. Zuschauer- und Sportlerbereiche (Garderoben) sind vollständig getrennt.
Die Warenanlieferung erfolgt südostseitig über eine erhöhte Laderampe bzw. über eine Hebebühne für Lastwagen. So werden die Spielfeldebene respektive die dort seitlich angeordneten Lagerräume effizient bedient. Ein separater Warenlift erschliesst die weiteren Geschosse primär für gastronomische Zwecke. Auch hier werden während Veranstaltungen betriebliche Überkreuzungen vermieden. Entlang der Zufahrtsstrasse werden Parkplätze angeboten, welche während medienwirksamen Sportanlässen von Übertragungswagen genutzt werden können.

Multifunktionale Halle
Die Halle wird als öffentlicher Raum verstanden, weshalb sie über die grossen Fensterbänder einen Bezug und eine Adressierung nach Aussen schafft. Gleichzeitig begünstigt die natürliche Belichtung eine vielseitige Nutzbarkeit. Für Sportveranstaltungen sind innenliegende Storen oder Vorhänge vorgesehen, welche den Hallenraum vollständig verdunkeln.
Um eine dichte Arena-Stimmung zu begünstigen, sind die oberen Tribünenränge nicht nur betrieblich, sondern auch räumlich abtrennbar. Anhand von Akustikvorhängen, welche entlang der Geländer der oberen Ränge gezogen werden können, wird die Sporthalle nicht nur räumlich, sondern auch akustisch kompakter.

VIP und Marketing
Die VIP-Nutzungen befinden sich direkt oberhalb der Verteilebene und profitieren von einem freien Blick auf das Spielfeld. Nach Aussen öffnet sich der Raum zur Mattenpassage und in Richtung Pilatus. Der VIP-Bereich lässt sich bereits vom Erdgeschosseingang separat erschliessen und funktioniert durchgehend kreuzungsfrei mit dem restlichen Gastbetrieb. Eine Durchmischung ist aber selbstverständlich möglich. Da das VIP-Restaurant direkt von Aussen erschlossen werden kann, böte sich auch ein Betrieb neben den Sportveranstaltungen an.

Oberhaus

Städtebau, Baukörper und Architektur
Das Projekt für den Neubau Oberhaus mit 30 Wohneinheiten für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sieht einen einfachen, kompakten Baukörper vor. Das Volumen gliedert sich in einen Wohnhausteil mit etwas schmalerem Kopfbau sowie ein gegenüber der Topografie leicht erhöhtes Gartenparterre. Der Garten ist seitlich zum Landwirtschaftsland offen und wird südlich durch eine Pergola abgeschlossen. Der Solitär ist dreiseitig von Landwirtschaftsland umgeben. Über den nördlichen Kopfbau wird das Haus im Siedlungsgefüge verankert und erschlossen. Hier weist das Gebäude vier Geschosse auf, hangaufwärts im Bereich des Wohnens sind es drei. Wohnhaus und Kopfbau verfügen über eine, durchgehende Traufe: Alle Funktionen finden unter einem Dach Platz.
Der Zugang für Bewohner, Besucher und Fahrzeuge erfolgt über das westliche Ringstück des Waldhausweges. Eine spätere Anbindung an den östlichen, geraden Abschnitt des Waldhausweges ist wünschenswert und im Projekt vorgesehen. Der Haupteingang befindet sich an der Nordfassade des Kopfbaus und ist von beiden Zugängen her direkt und einfach auffindbar. Die Zufahrt zur Tiefgarage biegt direkt ab der Zufahrt des Waldhausweges auf der Westseite des Gebäudes ab. Die Anlieferung mit Wendemöglichkeit befindet sich abgewandt auf der Ostseite. Daran angelagert finden sich auch die Besucherparkplätze.
Der Neubau mit einer Holzverkleidung besitzt eine zurückhaltende Farbigkeit. Sie referenziert einerseits auf die periphere Lage im Landwirtschaftsland und ländliche Bauten im weiteren Kontext, andererseits wird darüber ein Ausdruck gesucht, der dem Wohnen verpflichtet ist und nicht an ein «Spital» oder Heim erinnert. Prägende Elemente der Fassadenarchitektur sind die erkerartigen Fenster der Zimmer sowie durch Lisenen gehaltene Lauben.

Innere Organisation, Betrieb und Beschäftigung
Die plastische Gliederung und Geschossigkeit widerspiegelt die innere Organisation. Im viergeschossigen Kopfbau befinden sich Mehrzweckraum, Verwaltung und Therapie sowie die integrierte Beschäftigung und die Freizeiträume. Im dreigeschossigen Teil sind die drei Wohngruppen auf je einem Geschoss untergebracht. Die unterste Wohngruppe verfügt auf der Ost- und Westseite über ein Hochparterre. Die drei Wohngruppen haben auf der Südseite über eine Laube direkten Zugang zum Garten.
Der Haupteingang befindet sich gut auffindbar auf der Nordseite des viergeschossigen Kopfbaus. Daran angeschlossen erstreckt sich eine Eingangshalle in die Tiefe. Seitlich des Eingangs ist ein Empfang vorgesehen. Gegenüber öffnet sich über eine innere Verglasung der Mehrzweckraum. Am Ende der Halle liegen der Lift sowie der Eintritt ins Treppenhaus.
Das räumlich grosszügige Treppenhaus liegt zwischen dem Wohnteil und den Beschäftigungs-, Verwaltungs- und Therapieräumen im Kopfbau und trennt so die beiden Sphären. Es spannt sich in Verbindung mit den einsehbaren Freizeiträumen auf allen Geschossen zwischen der Ost- und Westfassade auf, wo jeweils Lauben vorgelagert sind. Die räumliche Grosszügigkeit in Verbindung mit den Freizeit- und Aussenräumen macht das Treppenhaus zu mehr als einem Erschliessungsraum: Es dient der Begegnung und dem Aufenthalt.
In den Obergeschossen sind die beiden Eingänge zu den Kleinwohngruppen über ein offenes Auge getrennt, was die Adressierung, Auffindbarkeit und Orientierung erleichtert. Gegenüber befindet sich der Zugang zu den Beschäftigungs-, Verwaltungs- und Therapieräumen im Kopfbau. Über den zweiseitig öffnenden Lift ist ein direkter Zugang möglich.
Im ersten Obergeschoss des Kopfbaus sind der Therapieraum und die Physiotherapie untergebracht. Im Weiteren befinden sich davon getrennt die Verwaltung sowie die Räume der Nachtbetreuung mit direktem Zugang zum Treppenhaus. Im zweiten Obergeschoss liegen zwei der sechs Beschäftigungsräume sowie die Einzelförderung. Im dritten Geschoss besetzen die vier weiteren Beschäftigungsräume die Nordfassade. Über das Nordlicht sind sie über den Tag gleichmässig natürlich belichtet. Der Pausenraum lässt sich mit dem Freizeitraum verbinden. Die Garderoben und Toiletten sind auf das zweite und dritte Geschoss aufgeteilt.

Wohnen und Kontemplation
Im dreigeschossigen Wohnteil liegt auf jedem Geschoss eine Wohngruppe. Sie verfügen über jeweils zwei Eingänge vom Treppenhaus aus. Ein Auge trennt die beiden Eingänge zu den Kleinwohngruppen und schafft vertikale, räumliche Verbindungen und Übersicht.
Die beiden Kleinwohngruppen sind identisch aufgebaut und liegen «Rücken an Rücken», das heisst die eine ist primär ost-, die andere primär westorientiert. Sie bieten damit Blicke in die Weite des seitlich anschliessenden Landwirtschaftslandes. Im Süden erfolgt der Zusammenschluss mit dem Time-out-Zimmer und dem Multifunktions-Stübli. Eine davor gesetzte, gemeinsame Laube mit Treppe gibt allen Bewohnern direkten Zugang zum Garten. Für Bewohner im Rollstuhl besteht in den untersten Wohngruppen ein ebenerdiger, hindernisfreier Gartenzugang.
Im Innern, zwischen den Kleinwohngruppen liegen die gemeinsamen dienenden Räume: die Bäder, die Stauräume und das Dienstzimmer. Das Dienstzimmer befindet sich in Nähe zu Eingang, Küche und Wohnraum, sodass dem Personal jederzeit gute Übersicht gewährt bleibt.
Die fünf Zimmer jeder Kleinwohngruppe werden in zwei Bereiche geteilt: einen «vorderen» Bereich mit zwei Zimmern und einen «hinteren» mit drei Zimmern. Jedem dieser Bereiche ist ein breiter Erschliessungsraum vorgelagert, der sich zum Wohnraum, der dazwischen liegt, abschliessen lässt. Der Erschliessungsraum vor der südlichen Zimmergruppe weitet sich und ist nach Süden hin geöffnet. Er erweitert das Wohnraumangebot, schafft einen Bezug vom Wohnraum zum Garten und dient dem Aufenthalt und Rückzug. Die klar strukturierte Organisation der Wohngruppen sucht eine bewusste Annäherung an «konventionelles» Wohnen, um Alltäglichkeit und Normalität zu evozieren.
Der mittige Wohnraum weist eine einfache, klare Gliederung in einen Ess- und Kochbereich in Eingangsnähe sowie einen grosszügigen Aufenthaltsbereich auf. Dem Wohnraum ist jeweils über die gesamte Länge eine Laube vorgelagert, die eine ausgeglichene, ruhige Lichtsituation schafft.
Die Zimmer weisen eine Breite von 3.2 Metern auf. Über das Bad neben dem Eingang wird ein schützender Vorbereich geschaffen. Prägendes Element der Zimmer ist das Fenster, das als eigener «Raum» ausgebildet ist. Im Grundriss zeichnen sich diese Fenster durch einer Erkerbildung aus, welche die Zimmer nach Süden hin orientiert und dem Aussenbezug im Zusammenwirken mit dem fassadenseitigen Einbauschrank Tiefe gibt. Die Ausdrehung zusammen mit der Schrägstellung der zimmerseitigen Badwand macht den Raum zudem «weich». Im Schnitt betrachtet wird die Fassadenöffnung abgestuft, welche die Fensternische zur Sitzbank macht und im Sturzbereich den Raum nach oben weitet. Das «Fenster als Raum» inszeniert einerseits den Aussenbezug, andererseits schafft es Geborgenheit für die Bewohner.

Garten und Wohnen im Aussenraum
Dem Aufenthalt im Freien kommt im Alltag der Bewohner hohe Bedeutung zu. Das wiederspiegelt sich in den fünf Lauben des Hauses wie auch in der Bedeutung des Gartens, der Teil der Architektur ist. Als Leervolumen zwischen Wohnhaus und Pergola ist er gleichwertiges Gegenstück zum Gebäude.
Der Garten ist als Parterre vom weiträumigen Landwirtschaftsland ausgeschieden. Die östliche und westliche Kante wird durch Stauden- und Strauchpflanzungen gefasst. Sie gewährleisten die Weglaufsicherheit. Obstbäume auf dem Landwirtschaftsland geben eine zweite räumliche Fassung. Mittig des Parterres, umgeben von Wegen, liegt ein Rasenspiegel mit einer farbigen Blumenbepflanzung. Die niedrige Bepflanzung verhindert das Gefühl von Enge und die klare Zonierung des Gartens dient der Orientierung.
Den südlichen Abschluss macht eine Wandschale mit aufgesetzter Pergola. Die Pergola spendet Schatten und hat mit einem Aussenkamin, einer Gartenküche und Spielangeboten die Funktion eines Aussenwohnraums.
Die Anordnung des Gartens im Süden, umgeben von Landwirtschafts- und Freihaltezone, gewährleistet einen stillen und ruhigen Rückzugsort für die Bewohner und ist von der Zufahrt und dem restlichen Spitalbetrieb abgeschieden.

Konstruktion und Materialisierung
Das Gebäude ist in einer konventionellen Massivbauweise mit tragendem Mauerwerk vorgesehen. Die Fassaden werden in vorfabrizierter Holzelementbauweise konstruiert und weisen so grosse Dämmstärken auf. Die äussere Bekleidung besteht aus einer hinterlüfteten, druckimprägnierten Vertikalschalung in Holz, die über Massivholzlisenen gegliedert wird. Die Holz-Metallfenster wie auch die Blecharbeiten am Dachrand werden farbig einbrennlackiert. Im Innern sollen wenige, robuste und wohnliche Materialien zum Einsatz kommen.

Tannenrauchstrasse

Topografie und Stadtraum: Topografische Senke, offene Bebauung
Das Grundstück der Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich an der Tannenrauchstrasse befindet sich in einer topografischen Senke – einem muldenförmigen Plateau –, das auf der Höhe zwischen zwei Moränenzügen, den nördlichen Ausläufern des Zimmerbergs, liegt. Diese Topografie macht den Stadtraum zu einer gefassten, beinahe introvertierten Situation ohne Bezüge in die Ferne. Die Mutschellenstrasse als wichtigste Verkehrsachse in dieser Senke verläuft in nordsüdlicher Richtung. Aufgrund der Breite des Plateaus im Bereich des Perimeters gabelt sich die Mutschellenstrasse in die parallel verlaufende Tannenrauchstrasse auf. Wegen der hier geführten Buslinie besitzt der an sich untergeordnete Strassenzug eine zur Mutschellenstrasse gleichwertige Erschliessungsfunktion.
Mit Punkt- und kurzen Zeilenbauten besitzt das Quartier eine durchgängige, offene Bebauungsstruktur. Sie definieren einen durchgrünten Stadtkörper mit durchfliessenden Freiräumen. In den Hanglagen wird diese offene Bebauungsstruktur bestimmt durch Häuser und Siedlungen aus den 1930er bis 1950er Jahren, die erst in jüngerer Zeit durch einzelne neue Entwicklungen durchsetzt wird. Im Streifen zwischen Mutschellen- und Tannenrauchstrasse ist die Bebauungsstruktur heterogener und wir geprägt durch grossmassstäbliche Solitärbauten wie die beiden Gisel-Bauten, die Schulschwimmanlage Tannenrauch oder das Altersgerechte Wohnen Wollishofen. Sie sind einem modernen Städtebau verpflichtet und teilweise zur Strasse abgedreht. Demgegenüber steht eine Reihe eher kleiner Einzelhäuser entlang der Mutschellenstrasse, mit Ausnahme des Geschäftshauses der SUISA.

Baukörper und Aussenraum: Einheit von Haus und Garten
Das Projekt sieht auf dem grösseren Grundstück eine zusammenhängende Gebäudefigur vor, die mit einem weiteren Solitär den Raum zwischen den beiden Strassen besetzt. Das Volumen ist allerdings stark gegliedert und setzt sich aus fünf zueinander versetzten Baukörpern zusammen. Durch die vergleichsweise kurzen Fassadenabschnitte tritt das Gebäude in Beziehung mit der Siedlung der Baugenossenschaft Waidberg und vermittelt im rückwärtigen Bereich zu den Einzelhäusern an der Mutschellenstrasse. Im Norden und Süden werden räumlich entspannte Übergänge zum Studentenhaus von Gisel und der Schulschwimmanlage geschaffen. Zudem wird durch die Parallelstellung an der Tannenrauchstrasse ein gefasster Strassenraum ausgebildet.
Das Gebäude weist fünf Geschosse ab einem Hochparterre von fünfzig Zentimetern auf. Damit kommt die Traufe an der Tannenrauchstrasse zwischen die Trauf- und Giebelhöhe der gegenüberstehenden Siedlung zu liegen. Diese Gebäudehöhe sorgt in Anbetracht der deutlich höheren Dichte für eine gute Einordnung ins Stadtgefüge. Auf der kleinen Parzelle wird ein Baukörper vorgeschlagen, der sich in seiner Höhe und den Grundmassen morphologisch an der Mutschellenstrasse einreiht.
Durch die versetzte, fünfteilige Gebäudefigur werden halboffene, gut gefasste Gartenhöfe geschaffen, welche den hier vorgesehenen Privatgärten der Erdgeschosswohnungen vorbehalten sind. Durch das Gleichgewicht vom umbauten Raum des Gebäudes und den «Leervolumen» dieser gefassten Gartenhöfe verbinden sich Haus und Aussenraum zu einer untrennbaren Einheit. Die Privatgärten wirken dabei als selbstverständlicher, fast zwingender Teil der Anlage. Entlang der Tannenrauchstrasse schaffen quartierstypische Vorgärten einen Übergang zwischen dem öffentlichen Strassenraum und den privaten Erdgeschossgärten, die leicht erhöht auf der Tiefgarage und eben zu den Erdgeschosswohnungen liegen. Die Haupterschliessung mit den Haueingängen liegt mittig, das heisst gleichwertig zur Mutschellen- und Tannenrauchstrasse und wird über die beiden querenden Wege (im Süden der Besenrainweg) erreicht. Durch die Lage an der Nahtstelle der fünf Baukörper öffnet sich die halb gedeckte Erschliessung jeweils seitlich in die Gartenhöfe. Durch diese verlaufen wiederum mittig angeordnete Wege, welche die Erschliessung des Grundstücks zu einem Wegenetz komplettieren und unterschiedliche, direkte Zugänge für die Bewohner zulassen.
Im rückwärtigen Bereich zwischen dem grossen Gebäude und den Einzelhäusern an der Mutschellenstrasse ist ein chaussierter, gemeinschaftlicher Aussenraum vorgesehen. Er dient dem Aufenthalt und Spiel – im Norden und Süden weitet er sich auf zu zwei Spielplätzen, die sich ins Quartier öffnen. Die Aufweitung in der Mitte dient als grosszügiger Aussenraum zum Gemeinschaftsraum, der im Erdgeschoss des kleinen Ersatzneubaus an der Mutschellenstrasse untergebracht ist. Seitlich des kleinen Neubaus verlaufen verbindende Wege zur Mutschellenstrasse. Mit dem landschaftsarchitektonischen Konzept werden unterschiedliche, vielfältig nutzbare Aussenräume mit einer feinen und selbstverständlichen Abstufung zwischen privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Räumen geschaffen.
Bei den Belägen sind für die Erschliessungswege grossformatige, sandgestrahlte Betonplatten vorgesehen. In den privaten Gärten werden Rasenflächen informell mit Gartensträuchern und robusten Hochstauden bepflanzt und räumlich gegliedert. Zudem stehen in den Gartenhöfen einzelne, kleinere Obst- oder Zierbäume. Die Einheit von Haus und Garten wird unterstrichen durch Kletterspaliere an den Fassaden, welche architektonisch in die vertikale Fassadengliederung miteinbezogen sind. Und in den gemeinschaftlichen und öffentlichen Freiräumen ordnen grössere Solitärbäume oder Baumgruppen den Raum und spenden lokal Schatten für den Aufenthalt. Dazwischen stehen kleinere Gartengehölze.

Erschliessung und Erdgeschoss: Mittiger Erschliessungsraum, Wohnen im Hochparterre
Die beschriebene Haupterschliessung zu den Hauseingängen liegt mittig an der Nahtstelle der fünf Baukörper und ist über sekundäre Wege in ein durchlässiges Wegenetz eingebunden. In den erdgeschossigen Bereichen entlang dieser Haupterschliessung befinden sich jeweils seitlich der Hauseingänge Räume für Kinderwägen und Velos sowie natürlich belichtete Waschküchen. Die übersichtliche Erschliessung ist damit ein Ort der Begegnung und lädt zum ungezwungenen Austausch unter den Bewohnern ein. Die Erdgeschosswohnungen sind über diese gemeinschaftlichen Räume abgewandt orientiert und vor Einblicken gut geschützt. Sie befinden sich zudem auf einem Hochparterre von fünfzig Zentimetern und die Fenster weisen Brüstungen nach Aussen hin auf.
Für die Velos werden neben den geschlossenen Räumen bei den Hauseingängen dezentral offene Abstellplätze im Aussenraum angeboten. Weitere Abstellplätze finden sich leicht erreichbar und offen in der Einstellhalle. Diese liegt wie das restliche Untergeschoss vollständig unter dem Gebäude und den Gartenhöfen und wird über die nordwestliche Grundstücksecke von der Tannenrauchstrasse aus erschlossen. Die Besucherparkplätze sind bis auf zwei Plätze von der Mutschellenstrasse her zu erreichen. Der kleine Ersatzneubau hat seinen Eingang an der Mutschellenstrasse.

Wohnungen: Familienwohnungen mit zentraler Wohnhalle und Aussenzimmer
Die Wohnungen loten das Potential der Gebäudefigur aus, in dem sie alle über zwei bis vier Expositionen verfügen, jeweils Ausblicke in den Stadtraum wie auch in die Gartenhöfe besitzen und damit gut belichtet sind. In den einzelnen Baukörpern sind drei, in der Regel vier Wohnungen pro Geschoss effizient über ein zentrales Treppenhaus erschlossen. Die Wohnungen sind als Familienwohnungen mit hohem Gebrauchswert konzipiert. Der Ersatzneubau an der Mutschellenstrasse besitzt zwei kleinere Wohnungen pro Geschoss. Das Erdgeschoss ist dem Gemeinschaftsraum vorbehalten.
Die Familienwohnungen mit vier und fünf Zimmern werden über ein grosses, abgeschlossenes Entree betreten. Von da gelangt man direkt in die Küche, ein erstes Zimmer und ein Bad. Eine grössere Türe schafft den Zugang zur zentralen Wohnhalle, das Herz der Wohnung. Dieser Wohnraum öffnet sich nach zwei Seiten – einmal über den an die Küche angelagerten Essplatz und ein zweites Mal über einen eingezogenen respektive über Eck offenen Aussenraum. Diese Aussenräume sind als zusätzliches Zimmer dimensioniert und lassen sich im Erd- und den Regelgeschossen zum Wintergarten schliessen. Damit wird während den drei kälteren Jahreszeiten ein Mehrwert geschaffen, indem sich das Wohnen nach Aussen in das Zwischenklima erweitern lässt. Im Dachgeschoss sind sie nicht gedeckt und bleiben offen. Die weiteren Zimmer sind über den zentralen Wohnraum erschlossen. In den grösseren Wohnungen liegt ein Vorraum mit dem zweiten Bad dazwischen, in den kleinen 4-Zimmer-Wohnungen bestehen zusätzliche, direkte Verbindungen über das kleine Bad. In den 5-Zimmer-Wohnungen ist ein Zimmer direkt aus dem Treppenhaus zugänglich. Hier können beispielsweise Gäste im Homeoffice empfangen werden oder eine Musiklehrerin unterrichtet ihre Schüler, ohne diese in die Wohnung einlassen zu müssen.

Konstruktion und Materialisierung: selbstverständlicher, leichter Ausdruck
Die Tragstruktur ist in einer wirtschaftlich realisierbaren Massivbauweise vorgesehen. Das Einsteinmauerwerk wird aussen mit einem robusten Kellenwurfputz verkleidet und mineralisch gestrichen. Bei dieser Konstruktion ist auch die vorgesehene Begrünung an Spalieren unbedenklich.
In den transparenten Fassadenabschnitten sind Holz-Metall-Fenster vorgesehen. Eine untere Rahmenverbreiterung bildet eine niedere Brüstung aus, die aussen zusätzlich gedämmt und mit einem einbrennlackierten Blech hinterlüftet verkleidet wird. Im Sturzbereich nimmt diese Verkleidung den aussen liegenden Sonnenschutz auf. Im Innenausbau sollen wenige robuste und langlebige Materialien zum Einsatz kommen.
Mit der vorgeschlagenen Konstruktion und Materialisierung wird ein architektonischer Ausdruck gesucht, der die Häuser sowohl bezüglich den gartenstädtischen Siedlungen der Umgebung wie auch gegenüber den beiden Bauten von Gisel als unaufgeregt und selbstverständlich erscheinen lässt. Über Elemente wie die umlaufenden Handläufe, die textilen Ausstellmarkisen und die Spaliere wird eine Leichtigkeit angestrebt, die das Haus mit dem Garten verklammert.

Birchstrasse

Stadtraum und Quartier
Das Quartier Seebach wurde Mitte des 20. Jahrhunderts nach gartenstädtischen Prinzipien bebaut. Zwei- und dreigeschossige Reihenhäuser und Zeilenbauten prägen das Verständnis eines bodennahen Wohnens. Die geringen Dichten erlaubten eine offene, stark durchgrünte Siedlungsstruktur. Rispenartige Erschliessungsstrukturen und an Blattwerk erinnernde, im Landschaftsraum voneinander getrennte Baufelder zeugen von gartenstädtischen Idealplänen aus dem angelsächsischen Raum und sind im Bereich des Schönaurings und der Buchwiesen deutlich ablesbar.
Neben der Schaffhauser- und Glattalstrasse sollte das Quartier über den „Birchbogen“, eine Ringstrasse, die sich in einem grossen Bogen vom Bahnhof Oerlikon über den Katzenbach bis zur Schaffhauserstrasse erstreckt, erschlossen werden. Die Birch- und die Stiglenstrasse zeichnen diesen verbindenden Grünraum heute noch deutlich aus. Leider wurde beim Bau der Autobahnausfahrt das städtebauliche Potential des Birchbogens gestört. Das vorliegende Projekt möchte diesen wieder stärken und die Betonung der Autobahneinfahrt in der Verlängerung der Birchstrasse als stadträumlich irrelevanten Zubringerraum abwerten.
Durch den spätmodernen Städtebau der 1960er Jahre zwischen Glattal- und Schaffhauserstrasse sowie Gebiete mit kleinparzellierten Punktbauten kann keine einheitliche Morphologie mehr ausgemacht werden. Vielmehr prägen unterschiedliche Siedlungsmuster und Bautypen die unmittelbare Nachbarschaft des Projektperimeters.
Zusammenhängende Grünzungen wie jene entlang des Katzenbachs oder nördlich des Schulhauses Buchwiesen prägen Seebach als ein Quartier mit einem stark durchgrünten Stadtkörper. Diese quartierstypische Identität soll durch das vorliegende Projekt trotz höherer Baumasse gegenüber der heutigen Situation noch gestärkt werden.

Baukörper und Aussenraum
Der Entwurf knüpft an inhaltlichen und formalen Qualitäten des gartenstädtischen Ideals an. Eine Verkettung von kleineren Volumen mit rhomboider Grundform zu grösseren Figuren erzeugt fliessende Aussenräume. Diese verbinden über die Birchstrasse hinweg das nördliche Areal mit dem südlichen und schaffen einen nahtlosen Übergang zu den nördlich und südlich gelegen Grünräumen der angrenzenden Quartiere.
Anders als in den benachbarten Zeilenbauquartieren erfahren die Aussenräume als Reaktion auf die erhöhte Dichte eine differenzierte Modulation – enge Stellen wechseln mit weiten, Räume öffnen und schliessen sich usw.
Die Volumen der Neubauten schliessen mit vier- und fünfgeschossigen, kurzen Fassadenstücken an die umliegende Bebauung an und entwickeln sich gegen die Arealmitte zu höheren Bauten. Die beiden zehngeschossigen Hochhausbauten im südlichen Areal leiten zu den drei Hochhäusern östlich der Glattalstrasse über und betonen dadurch den Birchbogen. Das bodennahe Wohnen wird, wie bei den umliegenden Bauten, durch kleinteilige Aussenräume geprägt. Einzelne Bauten entwickeln sich in die Höhe und eröffnen eine ganz andere, für Seebach ebenso prägende Wohnqualität – den Blick in die Ferne bis zu den Alpen. Die einzelnen Baukörper werden jeweils mittels Scharnierstücken in Form von Loggien zu grösseren Figuren verkettet. Dadurch erhalten auch die privaten Aussenräume, dem Thema des Entwurfs entsprechend, eine besondere Bedeutung und Qualität. Zudem werden über die beidseitig belichteten Loggien ganz unterschiedliche Durchblicke ermöglicht. Durch die organische, rispenartige Form der städtebaulichen Setzung wird in subtiler Art auf die erwähnten, gartenstädtischen Idealpläne angespielt.

Landschaftsarchitektonisches Konzept
Das landschaftsarchitektonische Konzept knüpft an die bestehenden Qualitäten des durchgrünten und offenen Stadtkörpers an und schafft differenzierte Aussenräume mit hoher Nutzungs- und Aufenthaltsqualität. Durch die ungerichtete, jedoch präzise Setzung der Gebäude mit abgewinkelten Fassaden entsteht ein vielfältiges Freiraumnetz, das sich durch das Wechselspiel von räumlicher Offenheit und Geschlossenheit sowie unterschiedlichen Ein- und Ausblicken auszeichnet. So entsteht eine Sequenz von Grünräumen, die teilweise Gartenhöfe bilden, teilweise an die umliegenden Quartierstrassen anschliessen, in ihrer Gesamtstruktur aber eine verbindende Funktion einnehmen und die Gebäude in den durchgrünten, stellenweise heterogenen Kontext einbetten. Ein einfaches und funktionales Wegenetz führt durch die zusammenhängenden Rasenflächen und stellt die nötigen Direkt- und Querverbindungen sicher. Die Zufahrt zu den Tiefgaragen erfolgt über die Rümlangstrasse auf der Nordparzelle und über die Hertensteinstrasse auf der Südparzelle. Die Einfahrten sind in die Gebäudekörper integriert.
Zur Birchstrasse hin erhält die Freiraumgestaltung einen städtischeren Charakter. Der grosszügige Strassenraum wird in seiner Rolle als öffentlicher Raum und zentrale Erschliessungsachse gestärkt, fungiert aber gleichzeitig als verbindendes Element zwischen Nord- und Südparzelle. Das Trottoir weitet sich vor den Gebäuden zu platzartigen Situationen auf und schafft so Orte mit urbaner Qualität. Grosszügige Baumdächer überspannen die verschiedenen Vorplätze und stellen gleichzeitig wichtige Querbezüge und die Verbindung zwischen der Nord- und Südparzelle her. Die Kombination von Hartbelägen, Grünsteifen und übergreifenden Baumgruppen schafft eine räumliche und atmosphärische Dichte, die dem öffentlichen Charakter der Situation entspricht, und stellt das nötige Raumangebot für die Siedlung und das gesamte Quartier bereit.
Im Innern der beiden Perimeter sorgen dichte Baumgruppen für unterschiedliche Aufenthalts- und Spielflächen, jedoch in einer viel landschaftlicheren und ruhigeren Gestaltung. Einzelne grosse Solitärbäume sorgen für wichtige Akzente und die nötige Beschattung der offenen Rasenflächen. Bestehende Bäume sollen so weit möglich erhalten bleiben und einbezogen werden. In der Gesamtheit entsteht ein breites und flexibles Angebot an Aufenthalts- und Spielflächen sowie Begegnungsorten für alle Altersgruppen, das sich durch eine subtile Gliederung in private, gemeinschaftliche und öffentliche Freiräume auszeichnet.

Häuser und Wohnungen
Die Häuser mit rhomboider Grundform sind als Dreispänner organisiert. Jede Aussenecke wird durch einen wichtigen Raum mit entsprechenden Öffnungen betont. Die mehrheitlich nördlich gelegenen oder dem Lärm zugewandten Ecken werden durch das polygonale Treppenhaus ausgezeichnet. Von dort spannen rechteckig zur Aussenfassade verlaufende Wohnungstrennwände drei Wohnungen auf. Die Wohnungen werden geprägt durch ein Raumkontinuum, dem ein Wegthema hinterlegt ist: Die Bewohner bewegen sich von einem innenliegenden Entreebereich über die zentrale Essküche zum Wohnzimmer, das mit der Loggia oder einem grossen Fenster an den charakteristischen Gebäudeecken seinen Abschluss findet. Die Eigenschaften eines fliessenden Raumes mit unterschiedlichen Blickbezügen, welcher die Aussenräume wesentlich prägt, findet im Innenraum eine Entsprechung. Um eine gute und zweckmässige Möblierbarkeit sicherzustellen sind die Zimmer rechteckig gehalten. Optional kann das Wohnzimmer mittels einer Doppelflügeltüre einfach vom Bereich der Essküche abgetrennt werden.
Indem in einem Grossteil der Gebäude in den ersten beiden Geschossen grosse Maisonettewohnungen (5.5- und 6.5-Zimmer-Wohnungen) untergebracht sind, kann die Problematik der Einblicke in private Schlafzimmer gelöst werden. Das Wohngeschoss befindet sich auf einem Hochparterre. Zugleich wird, ausgehend von dieser innenräumlichen Disposition im architektonischen Ausdruck ein zweigeschossiger Sockel formuliert.
Durch die Ausbildung eines Vordaches an jeweils einer Gebäudeseite erhält jedes Haus einen öffentlichen Vorbereich mit Hauseingang und Zugang zum Veloraum. Die Betonung des gemeinschaftlichen Aussenraums mit der vielfältigen Platz- und Gartengestaltung wird ergänzt durch Waschräume auf den Dachterrassen, so dass der Blick in die Weite für alle Bewohner zum alltäglichen Erleben gehört. Der Doppelkindergarten und die Kindertagesstätte sind auf die Erdgeschosse von drei Gebäuden auf der Südparzelle verteilt und spannen so einen Spielhof am Ende der wenig befahrenen Honigstrasse auf. Durch die Anbindung ans Wegenetz ist der Spielhof auch ausserhalb der Betriebszeiten für die Bewohner nutzbar. In den Erdgeschossen entlang der Glatttalstrasse, Ecke Birchstrasse befinden sich Gemeinschaftsräume, Ateliers und Büroräumlichkeiten.

Architektonischer Ausdruck
Der architektonische Ausdruck ist stark durch die räumlich-strukturellen Merkmale des Inneren geprägt. So definieren scheibenartige Seitenfassaden und offene Eckausbildungen das Wesen des Grundrisses. Die Betonung landschaftlicher Themen in der städtebaulichen Setzung wird durch eine städtischere Ausformulierung der vorgeschlagenen architektonischen Elemente in der Fassadengestaltung erweitert.
Die matten, tonfarbenen Keramikplatten sowie das Regelfenster mit den beidseitigen schmalen Lüftungsfenstern sind Ausdruck dieser Absicht. Durch eine farblose Lasur der Keramikplatten in den ersten beiden Geschossen wird auf subtile Weise ein dunklerer und zugleich glänzender Sockel ausgezeichnet.

Heerenrainli

Ortsbauliche Analyse
Wir sind mit der Frage «Was ist die Gemeinde Hirzel?» in die Arbeit eingestiegen. Im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden im Wirkungskreis der Metropolitanregion Zürich kann man Hirzel als «ländlich» bezeichnen, auch wenn damit vermutlich mehr die Erscheinungsform und Morphologie der Siedlungsstruktur beschrieben wird, als die hier vorzufindenden Lebensformen. Hirzel ist erst seit jüngerer Zeit ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet und wurde vergleichsweise spät von den Prozessen der Periurbanisierung erfasst. Historisch gesehen ist Hirzel ein Konglomerat von einzelnen Weilern, die sich mehrheitlich an den Strassenverzweigungen eines dichten Netzes an kleinen Strassen festgemacht hatten. Kirchen, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen wurden an topografisch ausgezeichneten Stellen errichtet.
Ländliche Siedlungen wie Hirzel sind gewachsene Strukturen, die auf dem einzelnen (Privat-)Haus aufbauen. Siedlungen, also Bebauungen, die aus mehr als einem Haus bestehen, sind ein junges Phänomen. Aufgrund dieser Feststellung stellt die Frage der Einordnung einer grösseren Überbauung die grösste Herausforderung dar. Der gängige Ansatz ist ein morphologischer. Dabei werden Haustypen entwickelt, die in ihrer Grösse und Form jenen der gewachsenen Siedlung entsprechen (man spricht von gleicher «Körnung»), um sie dann innerhalb eines Grundstücks wiederholt anzuordnen. Die Logik einer aus einzelnen Privathäusern gewachsenen Struktur wird dabei konterkariert.
Mit unserem Projekt haben wir die Frage aufgeworfen, ob es andere Formen der Einordnung gibt. Formen, die in Betracht ziehen, dass es sich beim Perimeter um ein grösseres Stück Kulturland und nicht um «Siedlung» handelt. Formen, die auch in Betracht ziehen, dass es sich um ein Stück Land ohne Strassenanstoss handelt, bei dem die Einheit von Haus/Weiler und Strasse/Strassenverzweigung aufgelöst ist. Gibt es einen Ansatz der Einordnung, der einer strukturellen, metaphorischen oder atmosphärischen Logik folgt? Könnte man behaupten, dass das Land weiterhin als ein Stück Kulturland angesehen wird, das lediglich einer neuen Nutzung zugeführt wird? Das heisst, dass Wohnen als neue «Wirtschaftsform» der Landnutzung etabliert würde. Eine solche Form würde sich weniger an der Morphologie als vielmehr einer rationellen Setzung orientieren, wie sie eben agrarische Bewirtschaftung auszeichnet. Im Falle der neuen Nutzung würde sich eine solche «Rationalität» an den Bedingungen des Wohnens anlehnen, wie etwa der Erschliessung, der Belichtung und der Aussicht.

Ortsbauliches Konzept
Das ortsbauliche Konzept ist vor dem Hintergrund dieser Überlegungen zu erklären. Vorgeschlagen werden drei typologisch unterschiedliche Bebauungsformen. Im Osten sind das vier flache und kompakte Doppelhäuser, die hangparallel als kleine Solitäre in den Wieshang gesetzt sind. Das asymmetrisch ausgebildete, flach geneigte Dach folgt der Hangneigung. Es handelt sich um Doppeleinfamilienhäuser mit je einer 4- und einer 5-Zimmer-Hauseinheit. Architektonisch besitzen die Häuser mit dem Haus Schlehstud in Meilen von Hans Fischli (1933) eine unmittelbare Referenz. Das Haus Schlehstud besitzt in unseren Augen eine Architektur, die entschieden der Moderne verpflichtet ist, über die Materialisierung in Holz und die Farbigkeit sowie Ausbildung des Daches aber gleichzeitig sehr effektiv mit dem ländlichen Kontext des Zürichseebeckens vermittelt.
Im westlichen Teil, welcher der Kernzone zugehörig ist, werden drei Reihungen von Häusern vorgeschlagen, welche hangparallel gesetzt sind respektive in ihrer Bewegung je einer Höhenkurve folgen. Sie folgen dem Prinzip einer «terrassierten» Anordnung mit dem Primat der Aussicht und Südausrichtung/-besonnung. Die topografisch bedingt freie und «weiche» Anordnung der Baukörper ordnet sich gut in die angrenzende Kernzone ein. Die Gebäudelängen und -höhen sowie die Firstrichtung werden mehrheitlich eingehalten. Auch diese Häuser sind mit Holz verkleidet. Damit werden die Bauten zu den strassenständigen, muralen Altbauten der Kernzone abgesetzt. Die Farbigkeit, welche sich am traditionellen Ochsenblut anlehnt, zeichnet sie gleichzeitig als nobilitierte Wohnbauten aus. Die Fassadenkonstruktion mit einer vertikalen, farbigen und gehobelten Holzschalung, aussen liegenden Fenster und dem feinen «Netz» der Absturzsicherungen schafft eine «papierene» Gebäudehaut, welche die Bauten «leicht» und elegant erscheinen lässt.
Die dritte Bebauungsform entspricht einem strassenständigen Einzelhaus, das sich morphologisch und architektonisch am Bestand orientiert. Dementsprechend ist dieses Haus mural ausgebildet, das heisst verputzt und hell gestrichen. Hier werden 3-Zimmer-Geschosswohungen angeboten.

Erschliessung
Zur primären Erschliessung wird ab der Dorfstrasse eine neue Strasse angelegt. Analog der Bebauungsform des westlichen Teils folgt diese Strasse hangparallel der Topografie und weist so nur minimale Gefälle auf. Die Tiefgarageneinfahrten sind so gelegt, dass die Einschnitte ins Terrain minimiert sind. Die Strasse endet im östlichen Teil mit einem Wendeplatz in einem flachen Bereich, sodass er topografisch gut eingepasst wird. Die Besucherparkplätze und Entsorgungsstellen sind auf drei Orte entlang dieser Strasse verteilt: Es bestehen Besucherparkplätze am Eintritt an der Dorfstrasse, an mittlerer Lage sowie im Bereich des Wendeplatzes. Die Besucherparkplätze dienen auch einer dezentralen, hausnahen Anlieferung.
Die sekundäre Erschliessung der einzelnen Häuser erfolgt über ein Wegenetz. Die Wege befinden sich in Bezug zu den Häusern jeweils bergseitig und weisen maximale Gefälle von 10 Prozent auf, was mit der SIA500 konform ist. Zudem können die einzelnen Wohnungen über die Tiefgaragen und Lifte hindernisfrei erschlossen werden. Das Wegenetz der Hauserschliessungen ist eingebunden in eine Erschliessung der mittigen Hügelkuppe mit der grossen Linde.
Die drei Reihungen des westlichen Teils sind je mit einer Tiefgarage unterbaut, sodass hier direkte Zugänge aus den Tiefgaragen zu den Wohnungen bestehen. Die Bewohner der acht Einheiten des östlichen Teils parkieren in der nördlichsten Tiefgarage, die nach Osten hin über einen separaten Ausgang verfügt. Für den Auslad und die Anlieferung bestehen Parkplätze auf dem Wendeplatz.

Freiraumkonzept
Die besondere Qualität des Planungsperimeters ist sein landschaftlicher Kontext: Der Hügel, die markante alte Linde und der Weitblick binden das Gebiet in die typische Hügellandschaft ein. Die Aussenraumgestaltung muss die Frage beantworten, wie dieser Kontext im Rahmen der Überbauung im Sinne einer hochwertigen Wohn- und Lebensumgebung bestmöglich zu nutzen und zu berücksichtigen ist. Der Freiraum soll insgesamt an seinen heutigen, offenen Charakter mit dem Wiesland erinnern. Der Entwurf platziert die Gebäude als Teil der Landschaft inmitten der Wiese.
Kernstück dieses Konzeptes ist die Freihaltung der mittigen Kuppe mit der grossen, frei stehenden und für die Region archetypischen Linde. Ein Spazierweg führt zur alten Linde auf dem Hügel, die als Ankerpunkt und Identität stiftendes Element dieses Ortes erhalten und ins Zentrum gerückt wird. Der Weg und gegebenenfalls eine Bank unter der Linde machen die beeindruckenden, alten Bäume der Umgebung – die Linde, die Bäume bei der Schule und die am Friedhof – als zusammengehöriges Ensemble von starker Ausstrahlung erlebbar und zum grünen, im wahrsten Wortsinn im Ort verwurzelten Herz der neuen Überbauung.
Die Doppelhäuser im östlichen Teil sind als Solitäre in den Wieshang gesetzt und verfügen über keine abgegrenzten umliegenden Gärten. Ihr privater Freiraum besteht in Form einer grossen Terrasse auf dem Wohngeschoss.
Im westlichen Teil werden die Häuser respektive die Zugangswege bergseitig durch Strauchplanzungen gefasst. Talseitig umfasst auch hier offenes, gemeinschaftlich genutztes Wiesland die Häuser, über die der landschaftliche Kontext spürbar bleibt. Die privaten Aussenräume bestehen in Form von halb eingezogenen Balkonen (Erd- und Obergeschoss) sowie gefassten Sitzplätzen (Gartengeschoss). Sie schieben sich in das offene Wiesland, treten jedoch von aussen als Teil der Gebäude in Erscheinung.
Auf konventionelle Angebote wie möblierte Spielplätze soll nach Möglichkeit verzichtet werden. Der grosszügige, offene Freiraum, insbesondere die Hügelkuppe, hält für Kinder genügend Möglichkeiten für den Aufenthalt, die Bewegung und das Spiel bereit. Das Areal wird mit einzelnen frei stehenden Bäumen durchsetzt.

Wohnen
Das vorgeschlagene Konzept sieht bis auf das Haus an der Dorfstrasse keine konventionellen Geschosswohnungen vor. Dieser Vorschlag basiert auf zwei Prämissen. Erstens werden über die gewünschten Wohnungsgrössen zu 90 Prozent Familien angesprochen, die hier nach einer Alternative zum Einfamilienhaus und zu (städtischen) Eigentumswohnung suchen. Zweitens sprechen topografische und baurechtliche Aspekte gegen Geschosswohnungen. Aufgrund der Hanglage und der geforderten Dachausbildung würden sehr ungleiche Wohnungen geschaffen (Wohnungen mit einseitiger Belichtung oder reine Dachwohnungen).
Diesem Verständnis folgend werden im östlichen Teil je vier 4- und 5-Zimmer-Doppelhaushälften angeboten (137 und 155 Quadratmeter HNF). Diese Hauseinheiten reichen über drei Geschosse. Sie werden bergseitig auf dem obersten, zweiseitig belichteten Wohngeschoss erschlossen, dem talseitig eine grosse Terrasse mit Fernsicht vorgelagert ist. Das Wohngeschoss wird über überhohe Räume, die unter das flach geneigte Dach reichen, ausgezeichnet. Ein Aussenkamin, der für die plastische Erscheinung der Häuser von Bedeutung ist, teilt die beiden Terrassen effektiv und selbstverständlich. In beiden unteren Geschossen befinden sich die Individual- und Nebenräume. Die Räume an den Gebäudekanten sind über die Ecken geöffnet, sodass die Doppelhaushälften über eine dreiseitige Orientierung verfügen.
In den Häusern des westlichen Teils werden 4- und 5-Zimmer-Maisonettewohnungen angeboten (zwischen 130 und 170 Quadratmeter HNF). Jede dieser Wohnungen verfügt auf den beiden zulässigen Vollgeschossen über ein Wohngeschoss mit Wohnen/Essen, Küche, einem Zimmer und Dusche/WC sowie einem halb eingezogenen Balkon. Die Wohnungen sind süd- respektive süd-ost-orientiert und verfügen über Aussicht. Die obere Wohnung entwickelt sich weiter ins Dachgeschoss mit drei weiteren Individualräumen (5-Zimmer-Wohnungen). Die untere Wohnung reicht ins einseitig belichtete Gartengeschoss mit zwei weiteren Individualräumen (4-Zimmer-Wohnungen) und Austritt ins Freie. Die Wohnungen werden über ein bergseitiges Treppenhaus erschlossen, das direkten Zugang zu Kellerräumen und Tiefgarage gewährt. Die Mehrzahl dieser Treppenhäuser (Zweispännertyp) weist einen Lift auf.
Obschon Maisonettewohnungen aufgrund von Topografie und Baurecht bessere Wohnangebote schafft, wurde für das erste Vollgeschoss der Nachweis von Geschosswohnungen erbracht. Auf dem Gartengeschoss wäre eine Geschosswohnung mit dem Nachteil der einseitigen Belichtung und fehlender Aussicht behaftet. Im Dachgeschoss sind Geschosswohnungen schwierig realisierbar, da mit der Drittelsregelung und Dachschräge eine gute Belichtung in Frage gestellt wird und private Aussenräume in Konflikt mit Verbot von Dacheinschnitten stehen.
Im Haus an der Dorfstrasse werden schliesslich konventionelle 3-Zimmer-Geschosswohnungen vorgeschlagen (82 Quadratmeter HNF). Sie sind süd-orientiert und dreiseitig belichtet. Das Treppenhaus mit Lift schafft für die acht Wohnungen einen hindernisfreien Zugang.

Hindernisfreiheit und Baurecht
Bis auf die Einspännereinheiten im westlichen Teil erfüllen sämtliche Wohnungen die Vorgaben des hindernisfreien Bauens, indem sie hindernisfrei erschlossen sind, über ausreichende Treppenbreiten als anpassbar gelten und für Besucher mit Behinderung über das entsprechende Raumangebot verfügen (Kochen, Essen, Wohnen, Toilette, zum Teil sogar ein Zimmer auf dem Zugangsgeschoss).
Die Grenzabstände werden bis auf eine Stelle beim nördlichsten Doppelhaus im Osten eingehalten. Die Unterschreitung des grossen Grenzabstands bei diesem Haus verbessert die Freihaltung der Hügelkuppe und den Aussichtsschutz, der generell gut ist, das heisst mit Reserve eingehalten wird. Die Unterschreitung an dieser einen Stelle tangiert keine nachbarschaftlichen Interessen. Die Gebäudelängen sind mehrheitlich unter den geforderten 25 Metern, bei den «dreiteiligen» Baukörpern im westlichen Teil betragen sie maximal 28 Meter. Zugunsten einer kompakten Lösung, bei welcher der Freiraum grosszügig und zusammenhängend bleibt, scheint diese Abweichung im Rahmen des Gestaltungsplanes vertretbar. Auch hier werden keine nachbarschaftlichen Interessen tangiert. Die Gebäudehöhe von maximal 7 Metern wird eingehalten. Die zulässigen Abgrabungen von maximal 1.5 Metern erfolgen bei allen Bauten auf der Talseite und dienen der Belichtung der Gartengeschosse.

Flächen, Wohnungsspiegel und Ausnützung
Die angestrebte Überbauungsziffer wird in beiden Arealhälften voll ausgeschöpft. Die Geschossfläche und Aussengeschossfläche wurde darauf aufbauend optimiert, wobei im Rahmen des Baurechts (Dachform, Gauben) und sinnvoller Gebäudeabmessungen die Nutzbarkeit eines zweiten Dachgeschosses nicht möglich ist.
Insgesamt werden 51 Wohnungen angeboten. Der Wohnungsschlüssel mit 22 5-Zimmer-Wohnungen, 22 4-Zimmer-Wohnungen und sieben 3-Zimmer-Wohnungen entspricht den Vorgaben. In den drei Tiefgaragen werden insgesamt 90 Parkplätze geschaffen. An den drei beschriebenen Standorten bestehen neun Besucherparkplätze.

> Lageplan

Hortus

Städtebau und Architektur
Das Hochbord-Quartier befindet sich im Übergang von einer industriellen und gewerblichen Struktur hin zu einem gemischt genutzten Stadtquartier. Unterschiedliche Neubauprojekte für Wohnen und Dienstleistung wechseln sich mit bestehenden grossmassstäblichen Bebauungen ab. Anstelle eines einheitlichen Stadtkörpers entstehen auf den einzelnen Baufeldern solitäre Areale, deren Bauten unterschiedlichen städtebaulichen und architektonischen Konzepten folgen. Jedes Projekt muss dabei seine Identität und Kraft aus einer ihm inhärenten Idee entwickeln.
In unserem Projekt bilden verschiedene Arten von Gärten – öffentliche und gemeinschaftliche Freiräume – sowie die Suche nach einer spezifischen Wohnform die Ausgangspunkte des städtebaulichen und architektonischen Konzeptes: Vorgeschlagen wird eine Gebäude, das vom Leben mit und an Gärten erzählt. Damit ist ein Haus gemeint, dessen Aufbau und Form Assoziationen weckt, die über ein reines Wohnhaus hinausweisen: Das können Assoziationen mit gewerblichen Strukturen sein, wie die ehemalige Gärtnerei, oder mit landwirtschaftlichen Nutzbauten, z. B. Scheuen oder Gewächshäuser, wie man sie auf dem Areal und im Quartier noch vorfindet.
Die Architektur des Projektes wird bestimmt durch eine Volumetrie, die in ihrem Umriss das Grundstück besetzt und so Präsenz entwickelt und über offene Ecken sowie die Ausbildung von Plätzen das Haus gleichwohl zum Quartier hin öffnet, respektive damit verbindet. Im Ausdruck binden eine umlaufende Pfeilerstellung und eine homogene Dachform die unterschiedlichen Fassadenteile und Nutzungsbereiche zusammen. Zwischen den Betonpfeilern besteht die Fassade in den unteren Geschossen aus einer eierschalenfarbenen Eternitverkleidung, in den oberen aus einer senfgelb gestrichenen Holzschalung. Die Einschnitte der Dachgärten sowie partielle Aufbauten eines zweiten Dachgeschosses erzeugen eine ausgeprägte Silhouette. Die beiden Glashäuser wirken wie zwei Laternen oder Augen und markieren die beiden Hauptzugänge.

Aussenräume und Gärten
Gemeinschaftliche Aussenräume und Gärten prägen das Projekt und das Wohnen massgebend. Die sehr unterschiedlichen Räume befinden sich auf zwei Ebenen, nämlich dem Erd- und Dachgeschoss. Im Erdgeschoss verbinden vier Plätze das Gebäude mit dem Quartier. Sie können je nach anliegenden Erdgeschossnutzungen unterschiedlich programmiert werden. Vorgeschlagen wir am Hauptzugang an der Zukunftsstrasse ein befestigter Marktplatz, der wie eine utopische Skalierung der umgebenden Grosseinkaufshäuser funktioniert. Am diagonal gegenüberliegenden Zugang vom Bahnhof Stettbach wird ein Quartierplatz geschaffen, wo sich auch ein Grossteil der Veloabstellplätze befindet. Der Quartierplatz steht für die Wohnbauten am Fuss- und Veloweg als eine Art Schaufenster: spontane Begegnungen, lebendiges Treiben sowie gemeinsames Essen und Trinken auch mit Bewohnern der umliegenden Siedlungen soll hier initiiert werden.
Im Südosten wird ein Spielplatz entworfen, der sich nach Süden mit der Nachbarüberbauung und nach Westen über das Bistro mit dem Quartierplatz verbindet. Im Schatten der Bäume finden die Bewohner ein grosses Planschbecken und einen Sandkasten, im prächtigen Walnussbaum kann zu einer Baumhütte geklettert werden. Im Nordwesten schliesslich wird ein siedlungsinterner Grillplatz mit überdachter Gartenküche und Grillstelle vorgeschlagen. Längs des Gebäudes werden die vier Plätze über lineare Freiräume, einen chaussierten Spielstreifen für Pétanque und Tischtennis entlang des Zukunftsweges sowie Pflanzgärten und Tiergehege entlang des Chästrägerweges zusammengebunden. Die Lage entlang der Bahnstrecke orientiert sich an den unzähligen Schrebergärten an anderen Bahngeleisen.
Als übergeordnete vegetative Struktur legt sich ein arboretumartiger Gürtel aus kulturgeprägten gärtnerischen Gehölzen um das Geviert und lässt so einige der prachtvollen und malerisch gewachsenen Gehölze aus der Gärtnereizeit zum selbstverständlichen Teil des neuen Projektes werden. Die gärtnerische Vergangenheit des Ortes bleibt so auch in Zukunft präsent.
Im Innern des Gebäudes befindet sich gleich dem Futter eines Handschuhs ein Hof. Er beschreibt eine Landschaft, die wie ein unangetastetes Relikt aus der Zeit vor der Besiedlung erscheint. Eine pittoreske, künstlich erstellte Naturlandschaft wächst hier wie die Moorbirkenwälder vor der Zeit der Trockenlegungen und bildet im Ensemble einen grünen und kontemplativen Ort. Die robuste und ruderale Vegetation – der Hof ist nicht unterbaut – ist wie jene der anderen Aussenräume offen für Veränderungen durch die Hausbewohner. Während sich auf den vier offenen Platzräumen die Aktivität der Bewohner mit der Nachbarschaft verklammert, bietet der Wohnhof einen ruhigen Rückzugsort; hier unterhält man sich zu zweit oder liest ein Buch. Er bietet Raum für das tägliche Leben.
Die zweite Ebene der gemeinschaftlichen Freiräume befindet sich auf dem Dachgeschoss, wo jede Treppenhausgemeinschaft Zugang zu einem geschützten Dachgarten für Gartenarbeit und Aufenthalt in kleineren Gruppen hat. An den Süd- und Ostwänden können Spaliere gezogen werden, welche die Pergolen zu einem Schatten spendenden Dach werden lassen. An zwei dieser Dachgärten sind die beiden laternenartigen Glashäuser angeschlossen. Sie können unterschiedlich bespielt und eingerichtet werden, sei es als Gemeinschaftsräume oder als Nutzgärten. Anders als die Freiräume im Erdgeschoss sind die Dachgärten und Glashäuser den Bewohnern vorbehalten.

Erdgeschoss, gemeinschaftliche Räume und Wohnen
Das Gebäude wird von aussen über offene Treppen erschlossen. Alle Treppen verfügen über einen Hofzugang, der auch den hindernisfreien Zugang für jene Orte schafft, wo sich das Wohnen auf dem Hochparterre befindet. Die sechs Treppen definieren Hausgemeinschaften von 35–45 Personen. Die offenen Anlagen sind grosszügig gestaltet, wo sich diese Gemeinschaften begegnen und austauschen; dieser Idee folgend befinden sich hier auch einzelne ergänzende, private Aussenräume der Wohnungen.
Das Erdgeschoss weist eine hohe Durchlässigkeit auf und schafft so zahlreiche Verbindungen zwischen den Strassen, den beschriebenen Plätzen und dem Hof. Das Wohnen beschränkt sich auf die beiden mittleren Teile der Längskörper. In den Köpfen und in den Kehlen der Plätze befinden sich grosse und kleine Atelierräume, die als Läden, Kinderkrippe usw. die Aussenräume beleben. Sie sind grosszügig verglast und schaffen eine Kontinuität zwischen Innen- und Aussenraum. Zwischen diesen Raumangeboten gibt es Unterschiede bezüglich Grösse und Intimität. Zusammenhängende Flächen lassen sich flexibel unterteilen und vermieten. Das Bistro im Süden verbindet Spielplatz, Quartierplatz und Hof. Die beiden Waschküchen sind zentral am Gelenken zwischen Platzräumen und Hof angeordnet.
Die vorgeschlagene Wohnform weist ein hohes Mass an Informalität auf: Alle Wohnungen werden direkt aus dem Aussenraum erschlossen und man tritt jeweils unmittelbar in die zentralen Raumfiguren mit Kochen, Essen und Wohnen. Die Raumstrukturen der Wohnungen entwickeln sich dabei im Skelettbau frei und unterschiedlich, sodass die Wohnungen ein hohes Mass an Individualität besitzen. Die Mehrzahl der Wohnungen ist ost-west-orientiert, in den Kopfbereichen erreichen die Wohnräume eine dreiseitige Ausrichtung. In einzelnen Wohnungen lässt sich – beispielsweise für Wohngemeinschaften – vom Wohnraum ein zusätzliches Zimmer abtrennen. In anderen Wohnungen ist ein grösseres Zimmer – etwa für einen Teenager oder eine Musiklehrerin – separat von aussen zugänglich. Schliesslich können in den beiden Dachgeschossen je vier Einzimmerwohnungen über einen Gemeinschaftsraum zu Grosswohnungen zusammengeschlossen werden.

Konstruktion und Materialisierung
Für die Tragstruktur wird ein Skelettbau bestehend aus vorfabrizierten Stützen, Ortbetondecken und aussteifenden Elementen wie die Liftschächte vorgeschlagen. Der Skelettbau schafft die strukturellen Voraussetzungen für die flexible Aufnahme der verschiedenen Programme. Er bietet zudem Flexibilität in der Planung und bei zukünftigen Umbauten. Er bietet aber auch ein architektonisches Potential im Innenraum und trägt zur spezifischen Wohnform bei. Der Skelettbau wird mit Holzelementbau an Fassade und Dach geschlossen. Die Raumstruktur, also alle inneren Wände, wird in Leichtbau erstellt. Mit dieser Konstruktion sowie einer konsequent vertikal geführten Haustechnikerschliessung wird eine komplette Systemtrennung erreicht.
Die Holzelemente an den Fassaden werden mit Eternit und einer Holzschalung hinterlüftet verkleidet. Diese dauerhafte Konstruktion kann gegebenenfalls auch unabhängig von weiteren Bauteilen ersetzt werden. Für die Fenster sind Holz-Metall-Fenster in natureloxiertem Aluminium vorgesehen. Die flach geneigten Dächer werden mit Eternit gedeckt und über aussen liegende Rinnen und Spenglerrohre entwässert.

Nachhaltigkeit, Energie und Lärmschutz
Das oberste Kriterium der Nachhaltigkeit ist die Dauerhaftigkeit und Anpassungsfähigkeit eines Gebäudes, die im Projekt über die gewählte Konstruktion angestrebt wird. Im Weiteren werden mit der Holzelementbauweise im gesamten Dämmperimeter sehr gute Dämmwerte erzielt und erneuerbare Baustoffe eingesetzt. Die flach geneigten, ost-west-orientieren Dächer eignen sich für die Energiegewinnung mit Photovoltaik und Warmwasserkollektoren.
Bei der Haustechnik soll ein Lowtech-Ansatz verfolgt werden. Sofern überhaupt eine kontrollierte Lüftung gebaut wird, käme eine einfache Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung und passiver Nachströmung im Fassadenbereich in Betracht. Die Abluftführung erfolgt ausschliesslich vertikal und findet in den Vorschatzschalen der Badezimmer Platz. Die Nachströmelemente werden in die Holzbauelemente integriert.
Der Lärmschutz wird primär über die Grundrisslösung erbracht, indem sämtliche Wohnräume lärmabgewandt gelüftet werden können. Die Erker für einzelne stirnseitige Zimmer wurden in der Überarbeitung vergrössert. Im Bereich der westlichen Aussenwand können die geforderten Werte entweder über ein besseres Fenster oder eine innere Vorsatzschale auf den Holzelementen, die gleichzeitig als Installationsebene dient, erreicht werden.

Herzogenmühle

Stadtraum und Quartier
Der von A. H. Steiner um 1948 als Gartenstadt entworfene Stadtteil Schwamendingen besitzt noch heute seine Gültigkeit und hat viel von seinem ursprünglichen Charakter als Zürichs «Gartenzimmer» behalten. Er zeichnet sich durch weitläufige Wohnquartiere mit zeilenförmigen Bauten von geringer Dichte und durchlässigen Aussenräumen aus. Infolge der anstehenden Erneuerung von grossen Baufeldern im gesamten Quartier stellt sich die Frage, ob und in welcher Art die bestehenden Qualitäten trotz der deutlich höheren Bebauungsdichte beibehalten werden können. Die Projektverfasser sind der Meinung, dass die Eigenarten des Steinerplans, der durchgrünte Stadtkörper mit einer offenen Siedlungsstruktur, gerade heute einer zeitgemässen Wohnvorstellung entsprechen und weiterentwickelt werden können, sodass trotz der anstehenden Transformation die Qualität eines homogenen Stadtquartiers erhalten wird.
Die Qualität des Steinerplans liegt in seiner formalen Homogenität. Diese wird massgebend durch die repetitive und egalitäre Anwendung des Zeilenbautyps und durch einen kontinuierlich fliessenden Freiraum erreicht. Weitläufige Rasenflächen und oftmals feine Abstufungen der Nutzungsintensitäten und Öffentlichkeitsgrade prägen den Charakter des Freiraums. So wie bei den Häusern eine klare Ausformulierung von Strassen- oder Gartenfassaden unterspielt wird, werden im Freiraum explizit Ausformulierungen von Zugangs- oder Gartenseiten oder von scharf determinierten Aussenraumtypen vermieden.
Der vorliegende Entwurf knüpft an die inhaltlichen und formalen Qualitäten des Steinerplans an. Gemäss dem städtebaulichen Leitbild der Stadt Zürich zählt das Areal Herzogenmühle in der Einstufung des Ortsbildes zu den wichtigen Wohnsiedlungen. Die Situation wird auch in Zukunft durch ein hohes Mass an Permanenz geprägt. Sowohl die kleinteiligen Strukturen im Osten wie auch die Zeilenbauten im Norden zeichnen sich durch eine fragmentierte Eigentümerstruktur aus und werden sich daher nicht grundlegend und in grossen Einheiten wandeln. Schliesslich werden auch die öffentlichen Bauten im Westen eine hohe Beständigkeit aufweisen. Das Projekt lotet in diesem Kontext die verträgliche Dichte aus.

Baukörper und Aussenraum
Der Entwurf adaptiert den Zeilenbautyp formal neu. Die charakteristischen Zeilenformen reagieren auf die höhere Dichte über Enge und Weite im Aussenraum sowie über in der Perspektive verkürzte Baukörper. In der egalitären Behandlung von Orientierung, Aussenraum und Strassenbezug sowie in der Vernetzung und Durchwegung knüpft das Projekt an den Qualitäten des Steinerplanes an.
Das Projekt sieht fünf Zeilen vor, die jeweils aus unterschiedlichen Typenmodulen zusammengesetzt sind, gespiegelt angeordnet werden und das gesamte Baufeld aufspannen. Die Zeilen werden in ihrer Länge über jeweils einen Knick gebrochen und an der Stelle knotenartig verdickt. Es resultiert ein Gleichgewicht zwischen Bebauung und Freiraum, bei dem die modulierten Zwischenräume einen ähnlichen Gestaltcharakter erlangen wie die Baukörper selbst. Die Aussenräume wandeln sich dabei in der Wahrnehmung stetig. In der Bewegung öffnen und schliessen sich Blicke in die Tiefe des Areals.
Die schlanken Zeilen mit rund zwölf Metern Tiefe in den ersten drei Geschossen und rund zehn Metern in den oberen drei Geschossen weisen aufgrund des wechselseitigen Rücksprungs einen «doppelten Horizont» auf, der einen Bezug zu den Traufen der umgebenden Bebauung herstellt. Dieser Absicht folgt auch ein Wechsel in der Farbigkeit zwischen unteren und oberen Geschossen. In der Länge werden die Baukörper zudem über leicht vortretende Risalite und Balkontürme gegliedert und rhythmisiert.
Zwischen den Ost-West-orientierten Bauten verlaufen jeweils schmale, S-förmige Wege, die sich zwischen Kreuzwiesen und Heidwiesen spannen. Sie haben eine dreifache Funktion: Erstens dienen sie der wechselseitigen Erschliessung der Häuser, zweitens geben sie in der Querung zwischen zwei Häusern Zugang zu den Binnenräumen und drittens schaffen sie eine Durchwegung des Quartiers in nordsüdlicher Richtung. Sie führen damit die vorhandene quartierstypische Sekundärerschliessung fort und gewähren eine Vernetzung mit den umgebenden Siedlungen. Mit dem Wechsel von einer Gebäudeseite zur anderen sind sie zudem Teil der beschriebenen Aussenraumdramaturgie.
Der Heidwiesen wird zur Begegnungszone umgebaut. Die Neugestaltung und Aufwertung der Heidwiesen trägt zu einer Verbesserung des eher «ungenügenden» öffentlichen Freiraums im Quartier bei. Die Strassenkante zum Areal Herzogenmühle wird dabei aufgelöst, indem intarsienartige, chaussierte Plätze begrünte und asphaltierte Flächen verklammern. Auf diesen Plätzen werden verschiedene Einrichtungen für den Aufenthalt älterer Menschen, Jugendlicher, Familien und Kinder angeboten. Im Bereich des mittigen Baukörpers weitet sich die befestigte Fläche zum Haus hin aus, das den Platzraum über seine spezifische Gebäudeform umklammert. Hier befindet sich im direkten Anschluss der Gemeinschaftsraum der Siedlung.
Das Bepflanzungskonzept mit Baumgruppen auf einer Blumenwiese sieht vor, im Norden jeweils die Wegeintritte vom Heidwiesen zu besetzen. Im südlichen Abschluss sind die Baumgruppen jeweils gegenüberliegend zu den Wegen den Gebäudeecken zugeordnet. Entlang des Glattstegweges und der Schürigstrasse ergänzen einzelne Baumpflanzungen die Situation. Die Bereiche über der Tiefgarage werden nicht mit Bäumen bepflanzt.
Die Tiefgaragenzufahrt befindet sich am Glattstegweg und wird ins Gebäude integriert. Die Veloabstellplätze werden zu zwei Dritteln im Gebäude untergebracht und auf sämtliche Hauseingänge verteilt. Das verbleibende Drittel wird dezentral und ungedeckt auf die einzelnen Zugänge verteilt und mit den Besucherparkplätzen kombiniert.

Häuser und Wohnungen
Der vorgeschlagene Wohnungstyp ist aus der städtebaulichen Setzung entwickelt und unterstreicht die Schlankheit der Gebäudezeilen. Er vereint die Qualitäten des Ost-West-orientierten Durchwohnens mit den Vorzügen eines abschliessbaren Wohnzimmers, das bezüglich der Wohnform und Belegung der Wohnungen unterschiedliche Möglichkeiten eröffnet. Das leichte Vortreten der Wohnzimmer in flachen Risaliten erlaubt in jeder Wohnung neben der primären Ost-West-Orientierung auch einen Blick nach Norden und Süden in die Tiefe des Aussenraums und ins angrenzende Quartier.
Die Hauszugänge befinden sich jeweils wechselseitig an den Längsseiten der Zeilen und verleihen den Gebäuden eine Allseitigkeit. Von den Eingangshallen, wo sich die Veloräume, Bastelräume sowie die zumietbaren Zimmer befinden, gelangt man in die Treppenhäuser, welche jeweils zwei respektive drei Wohnungen pro Geschoss erschliessen. Durch die Situierung der zumietbaren Zimmer und 1-Zimmer-Studios im Erdgeschoss wird eine höhere Flexibilität in der Vermietung erreicht, als wenn diese einem Geschoss und einer bestimmten Wohnung zugeordnet würden. Sie sind für alle Wohnungen gleichwertig zugänglich. Die Wohnungen im Erdgeschoss befinden sich wie für das Quartier typisch auf einem Hochparterre. Durch abgesenkte respektive überhohe Bereiche des Wohnraumes werden baurechtlich das «Zürcher Untergeschoss» sowie die Konformität mit der SIA500 sichergestellt.
Die Wohnungen haben durchgängige, zweiseitig orientierte Wohn-Essbereiche mit Sichtbezügen in beide Aussenräume. Das Wohnzimmer ist bei fast allen Wohnungen abschliessbar und eröffnet bezüglich Wohnform und Belegung unterschiedliche Möglichkeiten. Der in den ersten drei Geschossen eingezogene Balkon zoniert den Wohnraum, sodass neben dem Essen und Kochen auch hier ein Wohnbereich mit kleinem Sofa eingerichtet werden kann. Der durchgehende Wohnraum wird durch eine Spreizung des Treppenhauses und die äquivalente Schrägstellung einer Innenwand analog den Aussenräumen fein moduliert als Hauptraum der Wohnung ausgezeichnet.
Die einfachen Grundrisse weisen offene und grosszügige Räume auf und besitzen einen hohen Nutzwert. Alle Wohnungen verfügen über ein abgeschlossenes Entrée mit Garderobe sowie je nach Wohnungsgrösse über unterschiedlich grosse Stauräume. Die privaten Aussenräume sind in den ersten drei Geschossen eingezogen und bieten Schutz vor Einblick. In den oberen drei Geschossen sind die Balkone vorgestellt und zweiseitig offen.
Die altersspezifischen Wohnungen sind um vier Treppenhäuser in den zwei westlichen Häusern gruppiert und werden über den Zugangsweg mit einander verbunden. Es befinden sich keine Familien- über Alterswohnungen und umgekehrt. Die 5-Zimmer-Wohnungen liegen in den Knoten, wo eine ausreichende Fassadenabwicklung respektive Belichtung der Zimmer gegeben ist.

Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Mit dem architektonischen Ausdruck werden, dem städtebaulichen Konzept folgend, die Themen der steinerschen Gartenstadt reflektiert. Die schlanken Gebäudekörper verfügen über ein dünnhäutiges Fassadenkleid in dezenter Buntheit und werden mit flachen Risaliten und leicht wirkenden Balkontürmen gegliedert und rhythmisiert.
Die modulierten Gebäudekörper werden mit einem dünnen Fassadenkleid aus durchgefärbten Eternitplatten verkleidet. Der Farb- und Formatwechsel des Eternits gliedert die sechsgeschossigen Baukörper in der Höhe. Das eierschalenfarbene Eternit der unteren Geschosse baut Bezüge zur dezenten Farbigkeit der verputzen Bestandsbauten auf. Die hellen Holzmetallfenster in eloxiertem Aluminium verfügen über eine einfache Kreuzteilung und einen Sturz, sodass die Wandfläche betont wird. Das hinterlüftete Fassadensystem weist eine hohe Beständigkeit auf.
Die Tragstruktur wird als konventioneller Massivbau in Ortbeton und Backstein erstellt. Die Grundrisse bauen über alle Geschosse auf dem gleichen Layout auf, sodass eine durchgehende vertikale Lastabtragung gegeben ist. Auch die Schächte sind in der Vertikalen aufeinander abgestimmt. Die Fassade aus vorfabrizierten Holzelementen unterstreicht den Charakter der schlanken Bauten, verbessert die Grauenergiebilanz und hilft den Minergie-P-Standard zu erreichen. Die Materialien des Innenausbaus sind zweckmässig und robust. Bei der Konstruktion wurde auf eine weitgehende Systemtrennung geachtet, sodass Bauteile entsprechend ihrer Lebensdauer einfach ersetzt werden können.
Mit dem architektonischen Ausdruck wie auch der vorgeschlagenen städtebaulichen Setzung der neuen Siedlung werden die Themen der Gartenstadt Steiners reflektiert und in einer zeitgemässen Architektur und Dichte weiterentwickelt. Die Siedlung verwebt sich in selbstverständlicher Art mit dem städtebaulichen Kontext und spiegelt in eigenständiger Weise die Themen der Gartenstadtidee wider.

Letzi

Brisgi

Entenbad

Frankfurterstrasse

Lauriedhof

Bundesplatz

Letzibach

Porto

Das vom portugiesischen Architekten Júlio de Brito entworfene und 1936 fertiggestellte Wohnhaus verschränkt im Sinne des «Art déco» eine moderne Bauweise (Stützen-/Plattenbau in Stahlbeton) mit der Wohnungstypologie des Bürgertums und dekorativen Elementen im Innenausbau. Im Bestand fällt auf, dass der Dienstbereich der Wohnung nicht wie üblich mit einem zweiten Treppenhaus direkt erschlossen ist.
Der Umbau greift insbesondere im ehemaligen Dienstbereich der Wohnung ein, sieht aber gleichzeitig ein Verschleifen der Eingriffe in den Bestand vor. Raumfolgen mit Entrée, Salon, Flur und Esszimmer wurden beibehalten und durch die Neuplatzierung einiger Türen einerseits teilweise überkreuzt, andererseits wurden zu den orthogonalen Blickachsen neu auch Raumtiefen über die Diagonale gelegt.
Die Wohnung öffnet sich über die Fenster nach Norden und nach Süden. Entsprechend sind die Räume bei Tag entweder sehr hell oder nur wenig belichtet. Über die Verwendung von matten bis brillanten Materialien wird dieses Licht – ähnlich wie in den Stillleben von Willem Claeszoon Heda – diffus gestreut oder geschärft. Die Farbgebung der einzelnen Zimmer differenziert sich aus dem gekammerten Grundriss heraus und eröffnet durch diese kolorierte innenräumliche Staffelung eine weitere Tiefendehnung.

Das Weisse Haus

Beim Weissen Haus in Männedorf, einem kleinen Neubau für eine Familie, sind es die Begriffe Landschaft, Horizont und Himmel, die als Metaphern den Innenraum beschreiben. Das Haus hat lediglich zwei Geschosse, ein unteres, gartenbezogenes und ein oberes mit Blick in die Ferne über den Zürichsee. Die Räume auf beiden Geschossen weisen unterschiedliche Raumhöhen auf und werden durch eine horizontal durchlaufende Geschossplatte getrennt – gewissermassen den Horizont des Hauses. Die Überhöhen im unteren Geschoss bestehen aufgrund von Höhenversätzen in der Bodenplatte. Über einzelne Stufen werden sie zu einer inneren Topografie oder eben Landschaft verbunden. Die Wohnräume des oberen Geschosses erhalten ihre Raumhöhe über die Ausbildung einer Dachsilhouette. Je nach Bedeutung des Raumes weisen sie unterschiedliche «Himmel» auf, was auch in den Materialisierungen der Decken seine Ausprägung findet.

Haus Rettich-Stahel

Zollhaus

Das Gesicht des Quartieres und das Gleismeer
Der Kreis 5 wird wesentlich geprägt durch eine Blockrandbebauungsstruktur aus dem 19. Jahrhundert. Entlang des Gleisfelds wird der homogene Stadtkörper allerdings beschnitten oder aufgebrochen. Durch die bereits jurierten Projekte auf den schmalen Grundstücken in Richtung Hauptbahnhof wird das Gesicht des Kreis 5, im Gegensatz zur gegenüberliegenden Europaallee, auch zukünftig von ganz unterschiedlichen Identitäten und Nutzungen geprägt bleiben. Charakteristisch ist eine Aufreihung von architektonisch hochwertigen Bauten, die ihre Identität aus den ganz unterschiedlichen Nutzungen ableiten. In diesem Sinn soll „Teatro del Mondo“ zeigen, dass nach einem exklusiven Bürohaus und gehobenem Mietwohnungsbau auch genossenschaftliches Wohnen zur Identität von Zürich gehört. Da die Gleise links und rechts der Langstrasse auch in Zukunft stellenweise auf den heute bestehenden Fluchten bleiben, werden die neuen Bauten an der Zollstrasse dem Stadtkörper vorgelagerte Volumen bilden. Die vorgeschlagene Architektur verdeutlicht diese autonome Stellung zwischen Stadt und Gleisen.

Im Teatro del Mondo
Das sich zur Langstrasse öffnende Theater liegt im Bauch der Gleisterrasse gleichsam als Fundament des Hauses. In seiner architektonischen Ausformulierung sucht es lustvolle Bezüge zu bekannten Vorbildern. Angrenzend und dem Theater angegliedert befindet sich das Restaurant.

Gewerberäume an der Zollstrasse
Der Gebäudesockel öffnet sich zur Zollstrasse mit einem durchgehenden Glasband. Die Dienstleistungs- und Gewerberäume erhalten eine maximale Präsenz und prägen die Stimmung auf dem Strassenniveau.

Der Dachgarten
Über den tragenden Stützen werden Hügel aus Pflanzsubstrat aufgeschüttet. Eine intensiv begrünte Landschaft mit Sitzplätzen und Bereichen für Nutzgärten geben dem Haus auch von oben sein ganz eigenes Gepräge. Über die Wendeltreppe und den Lift ist der Dachgarten für die Bewohner jederzeit zugänglich.

Hallenwohnen
Die gewünschten grossen Hallenwohnungen sind ähnlich wie die Regeltypen geschnitten. Um den späteren Ausbau nicht einzuschränken, sondern im Gegenteil zu animieren, wird ein Teil der Wohnung mit einer Raumhöhe von 4.50 Metern vorgeschlagen. Dem Einziehen von Zwischenböden und Aneignen durch die Bewohner steht nichts im Weg.

Die Wohnung
Sämtliche Wohnungen werden als Überlagerung eines Hallentypus mit dem eines „Durchwohnens“ vorgeschlagen. Charakteristisch sind drei Raumzonen: die Räume zum Laubensteg als Eingangsbereich mit Küche und Zimmer, die Wohnhalle mit Nebenräumen in der Wohnungsmitte, und die Wohnraumerweiterung mit weiteren Privatzimmern gegen Norden. Alle Wohnungen sind so geschnitten, dass die Wohnraumerweiterung als zusätzliches Zimmer abgetrennt werden kann und die Halle die gesamte Wohnraumnutzung übernimmt. Durch diese potentiell höhere Belegung kann der Wohnflächenverbrauch pro Person auf 28.7 Quadratmeter gesenkt werden.

Laubenstege zum Gleisfeld
Kernstück des Entwurfs und identitätsstiftende Adresse zugleich sind die Laubenstege. Sie verbinden die Gleisterrasse mit dem öffentlich genutzten Dachgarten und dienen zugleich als Zugang von sämtlichen Wohnungen und Gewerberäumen. Die gemeinschaftliche Identität des „Teatro del Mondo“ wird durch den Laubensteg im Stadtraum ikonografisch präsent. Neben den öffentlicheren Nutzungen im Aussenraum werden auf der Gleisterrasse und auf den Laubenstegen informell und individuell nutzbare Aussenräume für die Wohnungen angeboten. Zugleich dienen die Lauben auch als Lärmschutz für die dahinter liegenden Wohnungen. Die Laubenstege sind nach den geltenden Brandschutznormen als Flucht- und Rettungswege geplant und jederzeit frei und sicher benutzbar. Zwischen den Stützen und der Brüstung der Laubenstege gibt es jeweils leicht erhöhte Bereiche mit einem Tisch und Stühlen, welche gegebenenfalls am Boden befestigt sind. Da die Laubenstege an beiden Enden zu vertikalen Fluchtwegen führen, gelten keine Anforderungen an den Feuerwiderstand der Konstruktion und es dürfen brennbare Materialien verwendet werden.

Die Gleisterasse
Das identitätsstiftende Zentrum und die Bühne des „Teatro del Mondo“ wird die Gleisterrasse sein. Hier holt man die Post, bringt die Kinder in den Hort oder trifft sich im Gleiscafé. Die dem Haus vorgelagerten Laubenstege verleihen dem schmalen Terrassenraum eine menschliche Massstäblichkeit und räumliche Intimität. Mit der neuen VKF müssen der Kindergarten, die Büros, und auch das Restaurant nicht mehr mindestens zwei separate Fluchtwege aufweisen. Durch einen Fluchtkorridor im Gebäudeinnern kann die Gleisterrasse, abgesehen von den Bereichen um die Treppenabgänge, völlig von den Fluchtweganforderungen befreit werden.

Kindergarten und Kita
Als Reminiszenz an die bestehenden Schuppen zum Gleisfeld oder gleichsam als Schleppschiff besetzt der Pavillon mit der KITA die schmalste Stelle des Grundstücks. Mit einem Zugang über den Vorgarten an der Zollstrasse und einem mit dem Kindergarten gemeinsamen Aussenraum auf der Gleisterrasse ist er bestens erschlossen.

Architektonischer Ausdruck
Der städtebaulichen Konzeption folgend sucht das Haus einen Ausdruck, der sich ebenso dem Gleisfeld wie der Stadt zugehörig zeigt. Wie ein grosses Schiff, eine am Gleisquai vertäute Arche Noah soll das Haus ein autonomer Treffpunkt im Stadtgefüge werden, eine poetische Wohnmaschine für urbanes Leben. In Bezug auf das Gleisfeld sind die horizontale Bewegung und ein spezifischer aus der Funktion der Laubenstege abgeleiteter Ausdruck prägend. Die Deckenstirnen werden als umlaufende vorfabrizierte Betonbänder vorgeschlagen, um das Haus als Ganzes zusammen zu halten. Die geschlossenen Wandscheiben treten als Füllung zwischen den Decken leicht nach aussen und sind mit hinterlüfteten Aluminiumblechen verkleidet. Senfgelbe Holz-Metallfenster als vertikale Bänder komplettieren das Fassadenrelief.

Statische Struktur
Um die Baukosten tief zu halten und eine maximale Flexibilität in der Planung, aber auch für spätere Umbauten sicher zu stellen, soll das Haus mit der einfachst möglichen statischen Struktur projektiert werden. Betondecken mit vorfabrizierten Betonstützen in einem Achsmass von ca. 6 Metern bilden die Basis. Ausgesteift wird das Tragsystem durch wenige Scheiben im Bereich der Steigzonen. Sämtliche inneren Wände werden in Leichtbau erstellt. Die Konstruktionsart ist günstiger und platzsparender als der herkömmliche Massivbau. Die Aussenwände als Holzrahmenbau unterstützen die ökologische Bauweise.

Nachhaltigkeit und Ökologie
Bezüglich der Nachhaltigkeit ist die grosse Kompaktheit des beheizten Volumens entscheidend. Ebenso zu erwähnen sind die einfache statische Struktur, die durchgehenden Steigschächte sowie die Holzrahmenkonstruktion der Fassade. Die Wärmeabgabe über eine Bodenheizung lässt sich optimal mit einer Erdsonde kombinieren. Die von Minergie-P geforderte systematische Lufterneuerung wird über eine simple Abluftanlage erfüllt. Dabei sind in den Nasszellen Abluftanlagen installiert, die mit einer integrierten Wärmerückgewinnung die verbrauchte Raumluft über Dach abführen. Der entstehende Unterdruck wird mit nachströmender Frischluft ausgeglichen. Mit dieser Lüftung können nicht nur Investitions- und Wartungsaufwände massgeblich reduziert werden, sondern vor allem kann auf Steigzonen für die Zuluft und auf eine horizontale Verteilung in den Decken verzichtet werden.

Bergbach

Zwei Prämissen bestimmen das Wohnhaus an der Berglistrasse in Erlenbach. Die erste betrifft seinen Landschaftsbezug: Der Baukörper gliedert und umgreift unmittelbar angrenzende, differenzierte Gartenräume, weist hinaus in die Baumkronen des markanten, tief eingeschnittenen Dorfbach-Tobels und fasst nach Süden hin die Fernsicht auf den Zürichsee. Haus, Grundstücksform und Garten verbinden sich dabei zu einer Einheit.
Die zweite Prämisse betrifft den inneren Aufbau und die Idee für ein Wohnen bei dem sich die Grenzen zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Bereichen verwischen. Gelenk bildet dazu eine mittige Treppe, welche die Wohnebenen über halbgeschossige Versätze räumlich miteinander verbindet. Die individuellen Wohnbereiche erweitern und überschneiden sich im strassenseitigen und überhohen Gemeinschaftswohnraum.
Grosse und tief sitzende Eckfenster verbinden den Innen- mit dem Aussenraum und schaffen ein «Wohnen auf Terrassen» über der Landschaft. Kohärent dazu erfolgt die innere Erschliessung entlang der Fassade und von Zimmer zu Zimmer. Die Promenade endet auf zwei Dachterrassen – die eine zum Tobel, die andere zum See gerichtet.

Freihof

Das Wohnhaus an der Freihofstrasse führt als kompaktes, strassenständiges Haus mit rückwärtigem Garten die stadträumlichen Qualitäten des Quartiers fort. Mit dem Projekt wurde die Idee des „einfachen Bauens“ verfolgt. Dies betraf sowohl die Konstruktion als auch den Erstellungsprozess: Entstanden ist ein gemauertes Haus mit verputzten Wänden, ohne haustechnische Einlage und Dämmplatte.
Die einfachen Grundrisse sind kompakt organisiert und weisen einen hohen Gebrauchswert auf. Zentrum jeder Wohnung ist der abschliessbare Koch- und Essraum. Daran angelagert befinden sich die Individualräume mit durchgehend ähnlich grossen Flächen, wodurch sich nutzungsneutrale Räume für unterschiedliche Mieterprofile ergeben. Die Wohnungen besitzen dabei eine ganz eigene, irritierende Qualität zwischen Alt- und Neubau. Ihre Räume und Elemente zeichnen sich durch individuelle Charaktere aus, sie sind mal hell, mal schattig und ihre Fenster sowie Türen besitzen anthropomorphe Eigenschaften.
In Kohärenz zur städtebaulichen Absicht zeigt sich auch die Architektur zurückhaltend. Farbige Putzflächen, die in eine spannungsvolle Beziehung mit den plastisch ausformulierten Lauben aus vorfabrizierten Betonelementen treten, prägen den architektonischen Ausdruck. Gesucht wurde ein eigenständiger Charakter, der gleichzeitig einen Bezug zu den Bauten der unmittelbaren Umgebung herstellt. Die Reliefarbeiten des Künstlers Christian Hörler an den Vordächern der beiden Eingänge verleihen dem Haus zudem ein szenografisches Moment.

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