Schweizer Kunstpreis 2019
Anthropomorphe Form, Installation, 2019–2021
Wettbewerb, 2019, 1. Preis

Anthropomorphe Form

In unserem Statement zur Bewerbung für den Schweizer Kunstpreis 2019 haben wir die Frage aufgeworfen, wie Verbindungen zwischen Mensch und Architektur hergestellt werden können: Wie ist ein architektonischer Raum beschaffen, wie sind die architektonischen Elemente geformt, sodass eine Identifikation mit dem Bauwerk und dem Raum möglich ist und so etwas wie Identität entsteht?
Dazu haben wir Beispiele aus unserer Praxis gezeigt, bei denen diese Identifikation über architektonische Elemente wie Türen, Stützen und dergleichen geschieht, indem diese eine anthropomorphe Gestalt annehmen. Eine solche «anthropomorphe Form» kann sich nicht mehr nach einem idealen, harmonischen Menschbild richten, sondern muss sich an der Individualität, an den wirklichen Merkmalen des Menschen orientieren. Im Rahmen des Kunstpreises wollen wir eine Installation schaffen, welche diese Idee auf den Hallenraum der Ausstellung ausweitet und den Raum als Ganzes thematisiert und transformiert – eine im eigentlichen Sinn architektonische Intervention.
Konkret installieren wir ein textiles «Dach», das sich gleichsam als zweite Haut um den Besucher legt und dabei den Raum als Hintergrund für die Ausstellung kontinuierlich neu bildet. Das transluzide Textil ist an Seilen in fünf Achsen aufgehängt, wobei jedes Seil über einen Motor bewegt wird. Die Steuerung erfolgt über einen Algorithmus, welcher unterschiedliche Parameter der (menschlichen) Aktivität verarbeitet: den Geräuschpegel, die Anzahl der Besucher, die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen usw.
Das textile Dach wird so zu einem eigentlichen Organ der anwesenden Besucher, das in langsamen Bewegungen und fast unbemerkt immer wieder andere Räume bildet. Diese Räume nehmen einmal eine monumentale Gestalt an,
mal sind sie intim. In ihrem Charakter sind sie einmal «architektonisch», dann wieder «organisch»: archaisches Zeltdach oder mimetische Wolke. Mit den formellen und informellen Zuständen des architektonischen Raumes thematisieren wir unser Interesse für Kunst- und Naturformen, für die Maschine und Ruine sowie ihre potentiellen Überschneidungen.

Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Lukas Burkhart, Yosuke Nakamoto

Mitarbeit Planung und Ausführung
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Projektleitung: Lukas Burkhart, Architekten: Michael Stirnemann, Kevin Dröscher, Praktikanten: Yosuke Nakamoto, Anna Clocchiatti, Roxane Unterberger

Zusammenarbeit
Fabian Bircher, Zürich

Ingenieur: Davide Tanadini, Zürich
Produktion Textil: Robert Meyknecht, geo – Die Luftwerker, Lübeck

Publikation
www.swiss-architects.com, 13.6.2019
www.nzz.ch, 11.6.2019
www.hochparterre.ch, 11.6.2019