Die Südtirolersiedlungen sind ein bedeutendes Zeugnis aus der Geschichte des europäischen Faschismus. Sie sind baulicher Ausdruck einer der größten Umsiedlungen der jüngeren Geschichte und haben deshalb einen hohen denkmalpflegerischen Wert. Darüber hinaus weisen sie unabhängig ihrer Geschichte besondere Qualitäten auf. Die Analyse des Bestandes hat gezeigt: Es ist gut, wie es ist. Ein Abriss und Totalersatz sind aus Gründen der Denkmalpflege, der Nachhaltigkeit, aber vorrangig auch der gewachsenen Sozialstruktur weder legitim noch opportun. Der Projektvorschlag setzt deshalb auf den Erhalt und ein Weiterbauen in der Grammatik des Bestandes. Für den Erhalt des Bestandes spricht vorrangig die gewachsene Sozialstruktur. Die Menschen leben gerne an der Achgasse, kennen sich, tauschen sich aus und sind auf günstige Mieten angewiesen. Die Wiese ist für sie gerade so gut wie der private Balkon. Nachhaltigkeit muss umfassend definiert werden und betrifft hier wesentlich soziale Aspekte.
Alt- und Neubau sollen eine neue Einheit bilden. Das städtebauliche und architektonische Projekt sucht deshalb keine Neuprägung der Situation, sondern eine Stärkung des Bestandes. Die ergänzenden Neubauten sind mit der charakteristischen Mittelwand, den Satteldächern und Gauben typologisch mit den Altbauten verwandt.
Ein Erhalt und Weiterbau der Südtirolersiedlung an der Rheinstraße hat das Potential zu einem Pilotprojekt, das einerseits einem historisch bedeutsamen Bestand gerecht wird, andererseits sorgfältig nachverdichtet und damit aus der «Wachstumsschleife» des immer Neuen und Besseren ausbricht. Sie wird Ausdruck einer neuen Kultur der Suffizienz.
Im Gegensatz zur Ausschreibung sah unser Projekt vor, alle bestehenden Gebäude auf dem Gelände zu erhalten, was letztendlich zum Ausschluss des Entwurfs führte.