Südtirolersiedlung

Die Südtirolersiedlungen sind ein bedeutendes Zeugnis aus der Geschichte des europäischen Faschismus. Sie sind baulicher Ausdruck einer der größten Umsiedlungen der jüngeren Geschichte und haben deshalb einen hohen denkmalpflegerischen Wert. Darüber hinaus weisen sie unabhängig ihrer Geschichte besondere Qualitäten auf. Die Analyse des Bestandes hat gezeigt: Es ist gut, wie es ist. Ein Abriss und Totalersatz sind aus Gründen der Denkmalpflege, der Nachhaltigkeit, aber vorrangig auch der gewachsenen Sozialstruktur weder legitim noch opportun. Der Projektvorschlag setzt deshalb auf den Erhalt und ein Weiterbauen in der Grammatik des Bestandes. Für den Erhalt des Bestandes spricht vorrangig die gewachsene Sozialstruktur. Die Menschen leben gerne an der Achgasse, kennen sich, tauschen sich aus und sind auf günstige Mieten angewiesen. Die Wiese ist für sie gerade so gut wie der private Balkon. Nachhaltigkeit muss umfassend definiert werden und betrifft hier wesentlich soziale Aspekte.
Alt- und Neubau sollen eine neue Einheit bilden. Das städtebauliche und architektonische Projekt sucht deshalb keine Neuprägung der Situation, sondern eine Stärkung des Bestandes. Die ergänzenden Neubauten sind mit der charakteristischen Mittelwand, den Satteldächern und Gauben typologisch mit den Altbauten verwandt.
Ein Erhalt und Weiterbau der Südtirolersiedlung an der Rheinstraße hat das Potential zu einem Pilotprojekt, das einerseits einem historisch bedeutsamen Bestand gerecht wird, andererseits sorgfältig nachverdichtet und damit aus der «Wachstumsschleife» des immer Neuen und Besseren ausbricht. Sie wird Ausdruck einer neuen Kultur der Suffizienz.
Im Gegensatz zur Ausschreibung sah unser Projekt vor, alle bestehenden Gebäude auf dem Gelände zu erhalten, was letztendlich zum Ausschluss des Entwurfs führte.

Neues Theater

Promulins

Paral·lel

Luchswiesen

Zeughäuser

Spichermatt

Tulpenweg

Kunstmuseum Bern

Höngg

Alpenstrasse

Tobias-Mayer-Quartier

Oase

Boldern

Quadras

Erlibacherhof

Lochergut

Neuwiesen

Die städtebauliche Idee sieht eine Reihung von vier Baukörpern vor, die ausgehend vom westlich gelegenen Zeilenbau auf dem Diener-Areal eine rhythmische Folge von alternierend einer niederen Zeile mit vier Geschossen und einem höheren Gebäude mit sieben Geschossen aufbaut. Mit dieser Folge wird eine differenzierte Silhouettenbildung entlang der Luegislandstrasse respektive dem Ueberlandpark geschaffen sowie gute Belichtungssituationen in den Wohnungen und Aussenräumen geboten. Über eine feine Paarbildung zwischen je einem niederen und einem hohen Haus werden zudem unterschiedliche Aussenräume etabliert: Zwei etwas schmalere und stirnseitig offene Höfe eignen sich für private Gärten, welche von den erdgeschossigen Maisonetten genutzt werden, während der zentrale breitere Aussenraum gemeinschaftliche Flächen aufnimmt. Unter den über Heckenkörper und Einfriedungen gefassten, privat genutzten Gartenräumen finden jeweils effiziente Tiefgaragen Platz. Der mittlere, gemeinschaftliche Hof ist frei von Unterbauung – hier können hochstämmige, grosse Bäume wachsen und wichtige Bestandsbäume erhalten werden.
Das differenzierte Wohnraumangebot setzt auf zwei Typologien. In den bodennahen Zeilen finden sich vorrangig zwei übereinander liegende Maisonetten. Diese sind mit 4 ½-Eco- bis 5 ½-Zimmerwohnungen prädestiniert für Familien. Weitere solche Maisonetten finden sich auch partiell in den ersten zwei Geschossen der hohen Gebäude. Die überwiegende Mehrzahl bilden jedoch die Geschosswohnungen der oberen Geschosse in allen Grössen und unterschiedlichen Zuschnitten. Sämtliche Grundrisstypen sind aus den Fügungsprinzipien der Holz-bauweise und der Medienerschliessung entwickelt.
Ein wesentlicher Parameter einer wirtschaftlichen Realisierung gründet im Boden: Die Beschaffenheit des Baugrundes bedingt eine Pfahlfundation. Diese wird unter zwei Prämissen ökonomisch und ökologisch optimiert: Zum einen reduziert der reine, konstruktive Holzbau vergleichsweise geringe Lasten auf die Fundation. Anderer-seits kann durch die Unterbringung die Abstellräume in den Maiso-nettewohnungen die Untergeschossfläche beträchtlich minimiert werden. Daraus resultiert weniger Aushub.
Die Konstruktion, Materialisierung und der Ausdruck der Ersatzneubauten folgt dezidiert der Absicht, dem Abschnitt an der Autobahn-einhausung und dem zukünftigen Ueberlandpark ein Gepräge zu geben, das die ererbten gartenstädtischen Qualitäten mit einen hybrideren und komplexeren Stadtbild verbindet. Dieser Ausdruck sucht ein Gleichgewicht zwischen physischer Präsenz und Fragilität, die insbesondere im tektonischen Aufbau der Fassaden artikuliert wird. Jedem Bauteil wird ein bestimmtes Mass an Autonomie zu-gestanden und so der additive Aufbau und verkleidende Charakter der Holzbauarchitektur herausgearbeitet. Die hängenden Balkone, Laubengänge und Treppen tragen einen wesentlichen Beitrag zum Charakter, der Gliederung und Rhythmisierung der knapp achzig Meter langen Gebäudezeilen bei. Indem diese Konstruktionen den Stadtboden nicht berühren, nehmen sie Bezug zur Ebene des Ueberlandparks und lassen die Häuser schlanker, leichter und aneigenbarer erscheinen.

Kirchgasse

Rankstrasse