Die Wohnüberbauung Guggach liegt im Sattel von Zürich- und Käferberg an der städtebaulichen Nahtstelle zwischen Zürcher Innenstadt und Nordstadt. Diese zentrale städtische Lage wird durch die Konzentration der Volumina in zwei sieben- und achtgeschossige Spangen, zwischen Wald und Strasse thematisiert. Das Projekt betont im architektonischen Ausdruck und in der Gestaltung des Aussenraumes seinen urbanen Charakter.
Die mit dunklen Farben hinterlegten Gussglasfassaden vermitteln mit dem Hintergrund der ansteigenden Waldflanke, gleichzeitig zeigen sie in wechselnder Wirkung zwischen Schwere und Entmaterialisierung artifizielle Qualitäten. Der Aussenraum wird bestimmt durch grossflächige Wasserspiegel, die über Momente der Reflexion die Fassaden in die Aussenraumbildung miteinbeziehen.
Die Wohnungen bauen im Grundriss auf einer Kreuzfigur auf, welche die Nord-Süd-Orientierung der Gebäudekörper zu einer Allseitigkeit erweitern, so dass auch Morgen- und Abendlicht in den Wohnraum fallen. Über den Grundriss, die Fassadenwicklung und -materialisierung sowie die Aussenraumgestaltung entsteht ein hohes Mass an Kohärenz zwischen Städtebau, Wohnform und architektonischem Ausdruck.
Das Gebäudeensemble an der Steinwies-/Irisstrasse in Zürich-Hottingen besteht aus drei Häusern mit je eigenem Kontextbezug und spiegelt so die heterogene Bebauungsstruktur der Umgebung wider. Die denkmalgeschützte Backsteinvilla ist ein typischer Bau des Quartiers. Das Atelierhaus, in den Garten der Villa gesetzt, bezieht sich inhaltlich und formal auf die frühmodernen Versuchshäuser am Zürichberg – wie etwa die Doldertalhäuser. Das Wohnhaus besitzt schliesslich einen nochmals anderen Charakter.
Dieses sucht die Nähe zu den mächtigen Bäumen an den Flanken des Grundstücks. Ausgangspunkt der formalen Entwicklung bildeten deshalb nicht die umgebenden, strassenständigen Bauten, deren Volumen und klassisches Formvokabular, sondern eine Recherche zu Naturformen und zu den formalen Qualitäten der Ruine. Dabei wurden Gesteinsformationen wie Basalt hinsichtlich ihrer Strukturmerkmale untersucht und entwerferisch produktiv gemacht.
Die Plastizität des Baukörpers durchwirkt auch den Innenraum. Die Grundrisse bauen auf polygonalen Kammern auf, die sich im Bereich des Wohnens zu einer offenen Raumfigur verbinden. Dieser Figur ist ein Wegthema hinterlegt, dessen Fluchtpunkt jeweils der Kamin an der Gebäudestirn bildet.
Der ehemals ländliche Stadtteil Affoltern am nördlichen Rand der Stadt Zürich entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem gut erschlossenen Quartier von Zürich. Mit der Dichte von Arealüberbauungen mit fünf bis sieben Geschossen bilden die Bauten des Quartiers Ruggächern eine Art urbane Stadtkante zum «Nordmeer», den nördlich angrenzenden Freiräumen um den Katzensee und dem weitgehend intakten Dorfkern von Unteraffoltern. Das vorgeschlagene Projekt sucht eine selbstbewusste Grösse, um einerseits als wichtiges öffentliches Gebäude die gewünschte Präsenz und Zentrumsfunktion auszustrahlen und um andererseits, zusammen mit den anderen grossmassstäblichen Bauten des Quartiers Ruggächern, den Abschluss der urbanen Stadtkante zu manifestieren. Indem das neue Schulhaus die Parzellenmitte besetzt und von öffentlichen Plätzen und Grünräumen umgeben ist, wird diese Absicht unterstrichen und das Haus kann allseitig eine seiner Bedeutung entsprechende Präsenz aufbauen. Das ausladende zeichenhafte Dach unterstreicht die Bedeutung des Schulhauses und soll identitätsstiftend wirken. Konzeptuell wurde das Gebäude im Schnitt entwickelt und ist als Haus mit drei Niveaus mit je spezifischer, das heisst aus der Nutzung entwickelter Raumstruktur organisiert. Das dreiseitig offene Erdgeschoss mit Turnhalle, Mehrzwecksaal und Bibliothek wird als eine der Topografie folgende «Platzsequenz» in Kontinuität mit den Plätzen im Aussenraum verstanden. Darüber spannt das Betreuungs- und Erschliessungsgeschoss mit dem grossen Terrassendeck. Im Dachgeschoss schliesslich sind die gut belichteten Klassenzimmer als Cluster-Einheiten organisiert. Die kompakte Organisation ermöglicht kurze Wege und interessante Ein- und Durchblicke in Räume unterschiedlichster Grösse und Stimmung.
Das Speich-Areal befindet sich in einer besonderen städtebaulichen Lage zwischen Blockrandquartier und einer heterogenen Bebauung am Wipkingerplatz, der Hardbrücke und dem Flussraum, welche nach einem städtebaulich janusköpfigen Baukörper verlangte. Das Gebäude reagiert darauf mit einer expressiven, eigenständigen Gestalt, insbesondere einer Kopfausbildung zum Wipkingerplatz, welche den Ort neu besetzt. Auf der Strassenseite heben plastische Verschränkungen die klassische Dreiteilung von Sockel, Mittelteil und Attika auf und steigern die Ausdruckskraft des Baukörpers. Auf der Flussseite wird über Terrassierungen des Gartens, der Ausbildung der Hofgebäude als Gebäudesockel sowie bepflanzten Balkonen und Dachterrassen ein nochmals anderer Charakter erzeugt, der an vertikale oder hängende Garten erinnert. Die Fassadenbekleidung mit Keramik – in Anlehnung an die ortstypischen, ockerfarbenen Backsteine – kontrapunktiert und entmaterialisiert je nach Lichtreflexionen die Massigkeit und Schwere des Körpers.
Der geforderten Nutzungsflexibilität im Programm folgend wurde das Haus konsequent strukturell entflochten. Dazu gehören der Skelettbau in Stahlbeton, der Leichtbau im Innern und stellenweise abgehängte Decken, welche die offen geführten Installationen verkleiden. Die Wohnräume loten in dieser Disposition das räumliche Potential des «plan libre» aus.
Das Quartier Fluntern ist durch eine homogene, städtebauliche Körnung von „Punktbauten in Gärten“ geprägt, die über eine repräsentative Gestalt und strassenseitige Eingänge verfügen. Ausgehend davon wurden 13 kompakte Solitärbauten mit eindeutiger Strassenfassade realisiert, die trotz einer deutlich höheren Bebauungsdichte typologisch und stimmungsmässig an den Bestand anknüpfen.
Die einzelnen Gebäude weisen im Wesentlichen eine dreieckige Grundrissform auf, wodurch kabinettartige Aussenräume im Innern der Siedlung geschaffen werden. Entgegen des hohen Wiederholungsfaktors wird durch das Drehen und Spiegeln von gleichen Häusern der Ausdruck von repetitiven, schematischen Baukörpern vermieden. Es entsteht vielmehr eine Komposition aus unterschiedlichen, sich geradezu organisch aufeinander beziehenden Volumen. Durch das mehrfache Knicken der Fassaden werden quartiersübliche Fassadenlängen erzeugt und die eigentliche Grösse der Volumen wird erheblich unterspielt. Das Ergebnis ist ein formbildendes Gleichgewicht zwischen Bauvolumen und Aussenraum.
Die Wohnungen entwickeln sich jeweils als Raumkontinuum um einen zentralen Kern mit Bädern und Toiletten und einer zum Wohnen offenen Küche. Durch das Vermeiden von Korridoren entstehen geräumige, unterschiedlich möblierbare Wohnräume und grosszügige Eingangsbereiche. Dank vielseitiger Erschliessungs- und Zirkulationsmöglichkeiten vermitteln die Wohnungen trotz knapper Fläche den Eindruck räumliche Grosszügigkeit.
Die Häuser suchen einen Ausdruck, der die Homogenität des Quartiers fortsetzt und der Siedlung zugleich eine eigene Identität verleiht. Einerseits werden daher bestehende Motive und Stimmungen aufgenommen und zu einem neuen, eigenständigen Ausdruck verdichtet. Anderseits wird das städtebauliche Thema der freistehenden Einzelhäuser mit kabinettartigen Gartenräumen reflektiert und verfeinert.
Strategischer Ansatz und Betrieb
Aus den objekt- und betriebspezifischen Anforderungen ergeben sich eine Reihe von Prämissen, die gewissermasser vor der ortsbaulichen und architektonischen Formulierung für das Projekt von Relevanz sind. Zunächst ist das die selbstverständliche Aufrechterhaltung des Heimbetriebes während der Bauphase. Diese Prämisse hat zwei Dimensionen: einerseits soll der Altbau während den Bauarbeiten der Erweiterung einwandfrei funktionieren, andererseits soll beim anschliessenden Umbau des Altbaus oder einem späteren Ersatz auch der Neubauteil autonom funktionieren. Das Projekt trägt mit einer entsprechenden Nutzungsverteilung, insbesondere den gemeinschaftlichen Erdgeschossnutzungen und der Erschliessung (Bettenlift), beiden Anforderungen Rechnung.
Eine weitere Prämisse wird in einer betrieblichen Einheit zwischen Altbau und Erweiterung gesehen, die eine hohe betriebliche Effizienz und Flexibilität ergibt. Das Projekt sieht deshalb keinen vom Altbau losgelösten Solitär sondern einen Anbau vor. Damit lassen sich die Abteilungsgrössen individuell respektive entsprechend den Anforderungen der Heimleitung einstellen und zwar zwischen kleinen Wohngruppen mit 5 bis 6 Zimmern und «grossen» Abteilungen mit 15 bis 17 Zimmern. Das Heim lässt sich so mit einem minimalen Personaleinsatz betreiben und determiniert keine weiterführenden Betriebskonzepte. Die Abteilungen sind jeweils geschossweise organisiert, was eine gute Übersichtlichkeit gewährleistet.
Ebenfalls von grosser Bedeutung hinsichtlich der strategischen Ausrichtung ist der Umgang mit dem Altbau. So besitzt der Altbau aufgrund seiner eindrücklichen Geschichte zweifellos eine grosse Bedeutung für die Identität des Heimes wie auch des Ortes. Andererseits genügt er in seiner räumlichen Struktur, die weitgehend in Abhängigkeit zur Tragstruktur steht, keineswegs mehr heutigen Ansprüchen an ein zeitgemässes Altersheim. Effektive Anpassungen würden Eingriffe verlangen, die einen Erhalt schon mittelristig in Frage stellen. Das Projekt sieht deshalb vor, den Altbau in seiner räumlichen Struktur zu belassen und einzig die im Programm erwähnten haustechnischen Erneuerungen gegebenenfalls anzugehen. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: entweder wird der Altbau unmittelbar nach Fertigstellung der Erweiterung ersetzt, oder er bleibt in seiner heutigen Form für weitere 10 bis 20 Jahre bestehen und mit minimalsten Mitteln unterhalten. Im Projekt ist auch das erste Szenario mitgedacht und entworfen worden, sodass sich auch im Falle eines kompletten Ersatzneubaus eine gute ortsbauliche und architektonische Lösung ergibt. Erste Schätzungen haben gezeigt, dass dieses Szenario in wirtschaftlicher Hinsicht Sinn machen würde.
Eine letzte Prämisse betrifft schliesslich den «Charakter» des Heims. Absicht des Projektes ist hierzu eine Art «Allrounder-Heim», das schwach determiniert und flexibel ist. Dabei geht es im Projekt nicht um eine betriebliche Spezialisierung oder Optimierung beispielsweise bezüglich Demenz-Kranken. Vielmehr soll das Heim offen sein für Menschen unterschiedlichen Alters und Gesundheitszustandes. Die Gliederung in Einheiten mit 5 bis 6 Zimmern erlaubt aber die Abtrennung einiger Zimmer für spezielle Anforderungen.
Ort und Baukörper
Die Situation am Rande des Weilers Weieren ist einzigartig. Bestimmend ist dabei der dreiseitige Anschluss an Landwirtschaftsland, welches die Parzelle gewissermassen freistellt und für das Altersheim eine sehr gute Besonnung und interessante Bezüge in die Weite ergibt. Das Volumen des Erweiterungsbaus besitzt eine einfache Gliederung, welche einerseits eine gewisse «Robustheit» in dieser offenen Situation besitzt und darüber auch in der Fernwirkung eine Klarheit aufweist, andererseits aber auch Aussenräume fasst, welche in dieser «exponierten» Lage Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner schaffen. Diesbezüglich ist auch eine vom Gebäudekörper losgelöste Gartenlaube von Bedeutung, die einen intimen Gartenraum mit dem Haus aufspannt. Die Gliederung des Baukörpers verrät zudem etwas über seine innere Organisation: das Gebäude kann nämlich auch als Konglomerat von drei Einzelhäuser gelesen werden, die jeweils eine Wohngruppe mit 5 bis 6 Zimmern pro Geschoss beherbergen.
Ähnlich dem Altbau besitzt auch der Erweiterungsbau keine Vor- und Rückseite, sondern entwickelt allseitig ein Gesicht. Hierbei sind insbesondere ausladende Vordächer von Bedeutung. Die Dreigeschossigkeit erzeugt ein interessantes Spannungsverhältnis mit dem Altbau, ohne diesen zu konkurrenzieren. Drei Geschosse erscheinen aber auch in betrieblicher Hinsicht notwendig. Die Erweiterung ist aussen mit Holz materialisiert, was wiederum zu erwähntem Verhältnis beiträgt: es wird ein ambivalenter Ausdruck zwischen «Eigenständigkeit» und einem «Nebengebäude» im Sinne eines Ökonomieteils angestrebt.
Architektur und betriebliches Konzept
Der Neubau weist eine einfache innere Organisation der Nutzungen auf: im Erdgeschoss befinden sich sämtliche gemeinschaftlichen Nutzungen, die in einer offenen, fliessenden Räumlichkeit untereinander verbunden sind. Durch ihre Lage um einen gefassten Gartenraum ergibt sich eine starker Bezug von Innen und Aussen, welcher den Bewohnern insbesondere in den warmen Jahreszeiten zugute kommt. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die drei Alterswohnungen, die mit ihrer Ausrichtung nach Osten über eine gewisse Unabhängigkeit verfügen. Im Osten befinden sich den auch deren Zugänge über einen eigenen Vorgarten. Alt- und Neubau sind im Erdgeschoss über flache Rampen intern verbunden, die aus einer Mehrhöhe im neuen Erdgeschossteil resultieren (im Altbau lediglich 2.40m!).
Mit dem Neubau wird auch ein neuer, öffentlich formulierter Eingang geschaffen und zwar im mittleren, ähnlich einem Risalit vorspringenden Gebäudeteil vom Zugangsweg aus. Daran anschliessend befindet sich eine Lobby mit Cheminee. An die Lobby angelagert ist mit einer öffenbaren Verbindung der Essraum, von wo aus die Bewohner über die Bar/ den Kiosk weiter in die Cafeteria gelangen, wo ein weiteres Chemniee Wohnqualitäten verspricht. Ebenfalls von der Lobby abgehend findet man die Verbindung in den Altbau. Die Küche befindet sich direkt neben dem Essraum ebenfalls im Erdgeschoss, ist darum gut belichtet und betrieblich gut gelegen. Die Anlieferung der Küche erfolgt über das Untergeschoss respektive eine aussen liegende Treppe mit Treppenlift. Der Neubau funktioniert auch im Falle eines Umbaus oder Ersatzes des Altbau vollumfänglich. Im Erdgeschoss des Altbaus werden die Nutzungen neu verteilt.
Die beiden Obergeschosse des Neubaus sind identisch organisiert. Nach Süden und Osten orientiert (Säntis) befinden sich je zwei Zimmerschichten, die zusammen mit seitlich respektive rückwärtig gelegenem Wohn- und Kochbereich Wohngruppen ergeben (jeweils ein Zimmer hat die Grösse eines Doppelzimmers). Die offene Erschliessungszone lässt unterschiedliche Betriebskonzepte und Abteilungsgrössen zu. Beide Wohngruppen eines Geschosses verfügen nebst dem Wohnbereich auch über einen eigenen Aussenraum nach Süden. Im Altbau wird an der räumlichen Organisation nichts verändert. Sie bildet dementsprechend eine dritte «Wohngruppe».
Die Architektur soll in ihrer räumlichen Entwicklung und Materialisierung eine hohe Wohnlichkeit vermitteln und die Bewohner mehr an eine Pension oder Gaststube und auf keinen Fall an ein Spital erinnern. Der Erschliessungbereich lädt zu «Spaziergängen» und Begegnungen im Haus ein und Fenster mit tiefen Brüstungen sollen auch sitzenden oder liegenden Bewohnern Ausblicke und Licht gewähren.
Aussenraum
Mit dem Neubau wird auch der Aussenraum neu gestaltet. Dazu wird die «Aufschüttung» um Altbau mit dem Aushubmaterial des Neubaus südseitig ergänzt, sodass eine schwellenlose Verbindung von Innen- und Aussenraum gegeben ist. Bestimmendes Element im Aussenraum ist eine Laube, die ähnlich dem bestehenden Pavillon und zusammen mit dem Gebäude einen gefassten Gartenraum aufspannt und den Bewohnern einen von der Sonne und Wind geschützten Aufenthalt im Freien gewährt. Vor dem Altbau erweitern zwei Reihen mit geschnittenen Linden die Laube. Im weiteren gliedern grosse Einzelbäume, ein Wasserbecken sowie ein Hochbeet (wo die Bewohnern «gärtnern» können) den Aussenraum.
Konstruktion und Materialisierung
Das kompakte Volumen des Neubaus wird in einer einfachen und ökonomischen Stützen-Platten-Struktur aus Ortbeton realisiert. Diese Tragstruktur folgt dem Grundsatz der Systemtrennung und ist für zukünftige Anpassungen im Grundrisslayout flexibel. Die Fassade besteht aus vorgefertigten Holzelementen mit guter Wärmedämmung. Die Innenwände werden in ökonomischer Leichtbauweise konstruiert (bspw. Gipsständerwände). Die Materialien des Innenausbau sollen einfach, robust und zweckmässig sein. Parkettböden versprechen eine hohe Wohnqualität und Behaglichkeit.
Die hohe Kompaktheit des Volumens sowie ausreichende Dämmstärken entsprechen dem Minergiestandard und versprechen einen energieffizienten Betrieb. Die Ausrichtung der Wohnräume gewährt zudem eine gute Nutung der solaren Energiegewinne.
Der Ort: Ein Rasenteppich mit Baumskulpturen
Was beim Betreten der Badeanstalt Mythenquai im Vergleich zu anderen Zürcher Badis überrascht, ist die Ausdehnung eines «wegefreien» Rasenteppichs, der mit teilweise monumentalen Baumskulpturen bestanden ist. Während andere Badeanlagen von einem Wegnetz durchquert werden, bilden hier die Wege einen beinahe «unsichtbaren Saum», welcher diese eindrückliche, nur leicht modulierte Rasenfläche zusammen mit feinen Holzarchitekturen rahmt. Dass dabei praktisch keine Bewegungslinien vorgegeben sind, ist eine spezifische Qualität des Ortes. Sie soll mit dem Projekt gestärkt werden, beispielsweise in dem die heutige, trennende Anlieferung zum Kiosk rückgebaut wird. Minimale Eingriffe im Baumbestand dienen ebenfalls mehr der Klärung der heutigen Situation als einer Neuinterpretation. So werden zur Stärkung der objekthaften Baumgruppen und zur Schaffung neuer Durchsichten einzelne Bäume entfernt und andernorts durch Neupflanzungen ersetzt. In Verbindung damit steht eine Aufwertung des bewachsenen Uferbereichs im Südosten in Verbindung, wo ein neuer Aufenthaltsort mit Möblierungen und Grillstellen angeboten wird.
Die architektonische Form: Sandstrand, Bordwalk und Kiosk
Das Projekt verbindet das Kioskgebäude mit einem «Bordwalk» sowie dem bestehenden Sandstrand — ein einmaliges Element in Zürich — zu einer architekto-nischen Form. Der Bordwalk aus hellem Ortbeton schafft dabei eine klare Beziehung zwischen Badeanstalt und See, indem er am Übergang von Land zu Wasser zum Promenieren einlädt und die heutige, unscharfe Kante zwischen Rasen und Sand ersetzt. Seitlich schliesst er mit zwei breiten «Wassertreppen» ab, «umklammert» dabei den Sandstrand und stärkt ihn in seinem artifiziellen, gewissermassen implantierten Charakter. Auf der Landseite weitet sich der Bordwalk an einer Stelle zu einem Platz für das Kioskgebäude auf. Die Anlage von Bordwalk, Strand und Kiosk ist auch im Winter eine attraktive Sequenz der Seeuferpromenade.
Das Kioskgebäude kommt an ungefähr gleicher Lage wie das bestehende zu liegen und besitzt weiterhin das Privileg der Nähe zum See. Seine Form entwickelt sich ausgehend von wenigen Prämissen. Zunächst definiert ein schirmartiges, allseitig ausladendes Dach den Ort. Die Raumabschlüsse zwischen Bodenplatte (Bordwalk) und Dach bestehen aus klaren und verspiegelten Gläsern, die real respektive fiktiv einladende Durchsichten ergeben und so die Präsenz des schwebenden Daches stärken. Die «Explosionsgeometrie» im Grundriss, welche auf konzentrischen und akonzentrischen Kreissegmenten aufbaut, erzeugt ein allseitig öffentliches Gebäude, das nach sämtlichen Expositionen ein «Gesicht» entwickelt und Zugänge sowohl von der See- wie auch von der Badiseite anbietet. Die Raumstruktur erlaubt ideale Betriebsabläufe, wobei die dienenden Räume mehrheitlich im Innern liegen. Der Aussenbereich des Restaurants befindet sich im Nordosten des Pavillons und profitiert so gleichermassen von Schatten, See und Bezug zur Badi. Die Dachuntersicht ist mit fein profiliertem Holzwerk verkleidet und wie die Fensterrahmen weiss gestrichen. Es nimmt darin Bezug auf die bestehenden Architekturen der 1950er-Jahre und entwickelt darüber hinaus einen eigenständigen, maritimen Charakter.
Eine grosse Herausforderung stellt die Anlieferung des neuen Kioskes dar. Eine Querung des «Rasenteppichs» sowie das in der Ausschreibung vorgeschlagene «Ingenieurbauwerk» am Mythenquai scheinen überproportional und unangemessen. Vorgeschlagen wird deshalb alternativ eine Anlieferung von Süden über die Stichstrasse zwischen Landiwiese (ebenfalls im Besitz der Stadt) und Strandbad. Die baulichen Massnahmen beschränken sich bei dieser Variante auf eine Ausweitung der Einmündung in den Mythenquai (Wartepositionen vor Velo-/Fussweg bzw. Strasse) sowie einen Wendeplatz bei der Einfahrt ins Badigelände. Der Wendeplatz klärt über seine funktionale Bedeutung hinaus den Zugang zur Badi in der Wintersaison respektive die Fortsetzung des Seeuferweges («Auffindbarkeit»). Anlieferungen ausserhalb der Öffnungszeiten können direkt bis zum Kioskgebäude über die befestigte Chaussierung und den «Bordwalk» erfolgen. Nachlieferungen während dem Badebetrieb werden vom Betreiber mit einem Elektrogabelstapler (Dockstation im Anlieferungsraum) bei der Einfahrt abgeholt.
Der Hörraum: Audiokunst
Das künstlerische Projekt greift die Idee des Weglassens und der Durchsichten auf und sucht nach einer möglichst «immateriellen» Umsetzung. Dabei geht das Konzept zur Produktion eines Klang- oder Hörstückes vom Strandbad als akustischem Ort, als Hörraum, aus. Die ausgeprägte Erfahrung des Hörens in einem Freibad soll um ein subtiles Werk, das zu sorgfältigem Hinhören und Verweilen einlädt, erweitert werden. Dazu entsteht ein Audiostück, das in mehrteiligen Fragmenten an einigen ausgewählten Orten innerhalb oder in den Randzonen der Anlage installiert wird. Das Audiostück kann sich somit auf die spezifischen historischen, atmosphärischen oder gesellschaftlichen Gegebenheiten des Strandbads beziehen und diese reflektieren. Entsprechend der inhaltlichen Anlage des Werkes und der spezifischen Umgebungen in denen dieses installiert wird, soll dabei auch auf die unterschiedlichen saisonalen oder wetterbedingten Nutzungen des Bades eingegangen werden.
Das Wohnhaus Avellana befindet sich in der Kernzone von Schwamendingen, wo sich zusammenhängende, dörfliche Strukturen bis heute erhalten haben. Im Projektperimeter steht ein ehemaliger Bauernhof, der einen Wohn- und einen Ökonomieteil unter einem Dach zusammenfasst. Der grössere Teil des Grundstückes war unbebaut und wurde als Garten genutzt. Dieser Garten lag rückwärtig, in der zweiten Reihe versteckt hinter Strassen zugewandten, alten Gebäudestrukturen.
Das Projekt nimmt in der Volumetrie wie im architektonischen Ausdruck den Garten zu seinem inhaltlichen Ausgangspunkt. Die Gestalt des Baukörpers thematisiert zudem die zwei unterschiedlichen Seiten des Bach- und Gartenraumes und weckt Assoziationen mit spontan gewachsenen Strukturen. Der Neubau ist vollständig in Holz konstruiert und verkleidet.
Die Grundrisse der Wohnungen verfügen über einen gemeinsamen Aufbau, weisen aber alle unterschiedliche Zuschnitte auf. Die Formgebung folgt einem situativ bestimmten Raumkonzept, das einem offenen und informellen Charakter verpflichtet ist.
Quartier und Landschaftsraum
Das Quartier Sandfelsen — im oberen, östlichen Teil der Gemeinde Erlenbach gelegen — zeichnet sich durch eine feinkörnige Bebauungsstruktur mit Einfamilien-, Reihen- sowie einzelnen Mehrfamilienhäusern in mehrheitlich zweigeschossiger Bauweise aus. Das Grundstück befindet sich von der Sandfelsenstrasse her kommend in der «zweiten Reihe» hinter einem bestehenden, ins Geviert eingeschobenen Einfamilienhausgrundstück und liegt in einer leichten, sich nach Norden hin öffnenden topographischen Mulde. Aufgrund dieser Ausgangslage besteht kein Anteil an der begehrten Aussicht, dafür profitiert das Grundstück von seiner unmittelbaren Lage am Landschaftsraum und dem Panoramaweg. Die Ausgangslage verlangt aber auch nach einem qualitätsvoll gestalteten Aussenraum in Form von siedlungseigenen Gärten.
Baukörper und Aussenraum
Das Projekt schlägt die Setzung von fünf gleichartigen und ausschliesslich zweigeschossigen Baukörpern vor, die im Westen in ihrer Ausrichtung an der bestehenden Siedlungsstruktur anschliessen und nach Osten und Norden leicht ausdrehen. Mit der Wahl einer Arealüberbauung (max. 2 Geschosse ohne Attika) und der Gliederung des geforderten Volumens in fünf Körpern integriert sich die Siedlung gut ins umgebene Siedlungsgefüge; die maximale Gebäudelänge beträgt höchstens 18 Meter. Die versetzte Lage sowie die Verdrehungen unter den fünf Gebäudevolumen entspannen die relative Dichte der Siedlung, erlauben diagonale Durchsichten und einen Bezug aus allen Wohnungen in die weitere Umgebung. Die über die Gebäudekanten auskragenden Terrassen mit ihren gerundeten Ecken stärken durch eine «Weichzeichnung» der Volumen diese Strategie der Kontextualisierung.
Auch auf der Ebene des Aussenraumes wird eine Fortschreibung umgebender Muster angestrebt. Die Freiräume in der geplanten Siedlung sollen mehrheitlich für private Gärten genutzt werden. Der direkte Bezug zum nahe gelegenen Landwirtschaftsland spiegelt sich in der Verwendung einheimischer Pflanzen wieder. Obstbaumsolitäre an den Hauseingängen sowie als Trennung der Mietergärten sind locker über das Sandfelsenquartier verteilt. Niedere, geschnittene Hecken verschiedener Arten grenzen die privaten Aussenräume klar vom durchgehenden, netzartigen Wegsystem und den gemeinschaftlichen Freiräumen ab. Die gemeinschaftlichen Freiräume konzentrieren sich an den Arealecken, einmal «intim» gefasst, andere Male zum Landschafts- oder Strassenraum hin offen. Entsprechend ihrer Orientierung sind sie multifunktional bespielbar: als einfache Aufenthaltsräume mit Sicht auf die Felder für ältere Siedlungsbewohner, als «versteckte Treffpunkte» oder Spielplätze für Kinder…
Häuser und Wohnungen
Durch die Gliederung des Raumprogramms in fünf Volumen entstehen übersichtliche Hauseinheiten von lediglich vier bis fünf Wohnungen. Sämtliche Wohnungen werden direkt von Aussen erschlossen, das heisst jeder Bewohner hat seinen eigenen Eingang und Vorgarten. Das schafft einen hohen Identifikationswert der Mieter- und Mieterinnen mit ihrem Haus und der Siedlung («Adressbildung»). Die Gebäude entwickeln daraus eine Art Hybrid zwischen Geschosswohnungsbau, Reihenhaus und Maisonette-Typologie. Insgesamt werden 23 Wohnungen angeboten, ohne dabei auf «nicht anrechenbare Geschossflächen» im Untergeschoss zurückzugreifen.
Die kleineren Wohnungen (2 1/2- und 3 1/2-Zi) sind grundsätzlich als Geschosswohnungen im Erdgeschoss angeordnet und erlauben potentiell älteren MieterInnen Zugang zu Wohnung und Garten ohne Treppensteigen. Die grösseren Wohnungen für Familien (4 1/2- und 5 1/2-Zi) sind dagegen mehrheitlich als Maisonette-Wohnungen organisiert, was die Wohnungen weitläufig und grosszügig erscheinen lässt. Die Hauptwohnfläche befindet sich in der Regel im ersten Obergeschoss. Im Erdgeschoss ist mit dem Entree jeweils eine Dusche/WC sowie ein grösseres «Gartenzimmer» verbunden, das auch diesen Wohnungen Zugang zu einem eigenen Garten bietet. Damit verfügen alle Wohnungen sowohl über Terrassen als auch einen privaten Gartenteil. Obschon Treppenhäuser und Lifte fehlen, besitzen die Wohnungen einen internen Abgang in den Keller. Die Wohnungsgrundrisse verfügen über zwei bis drei Expositionen, wobei sich die Wohnräume immer über Eck öffnen und sich räumlich auf die Terrassen und in den Aussenraum erweitern. Die diagonale Ausrichtung der Wohnräume korrespondiert mit der städtebaulichen Setzung der Gebäudekörper und ergibt Ausblicke in die weitere Umgebung. Die Wohnungen sind damit auch gut natürlich belichtet und profitieren von verschiedenen Tageslichtstimmungen. Dank der Vermeidung von Korridoren ergeben sich grosse Wohnräume, die jeweils durch die Küche gegliedert werden. Einzelne Zimmer sind über Schiebetüren zum Wohnraum öffenbar und lassen sich damit vielfältig nutzen. Die Abstellräume messen 5 bis 6 m2 und verfügen über einen Waschmaschinenanschluss.
Das gewählte Erschliessungsmodell ohne gemeinschaftliche Treppenhäuser und Lifte erscheint in einem zweigeschossigen Haus aus den beschriebenen Gründen sinnvoll und ist nicht zuletzt ökonomisch interessant. Es steht auch nicht im Widerspruch zum behindertengerechten Bauen, da Maisonette-Wohnungen grundsätzlich zulässig sind und im vorliegenden Fall auch nicht den ausschliesslich angebotenen Wohnungstyp darstellen; von den geforderten 20 Wohnungen sind 10 als Geschosswohnungen im EG organisiert. Zudem lassen sich im Bedarfsfall die Maisonette-Typen mit einem Treppenlift ausstatten (Treppenbreite ist 1 Meter), was selbst im theoretischen Fall, wenn alle Wohnungen einen solchen bräuchten, günstiger kommt als der Bau von Treppenhäusern mit Liften. Wichtiger als das ökonomische Argument sind aber tatsächlich die Angemessenheit der Lösung am Ort sowie die potentiellen Qualitäten einer Wohnform, welche direkte Übergänge von privat zu gemeinschaftlich und von Innen zu Aussen bietet.
Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Die Bauten des Quartiers Sandfelsen sind von unterschiedlichen Architektursprachen geprägt. Das Projekt sucht einen eigenständigen und zeitgenössischen Ausdruck, welcher mit der direkten Umgebung der Gärten korrespondiert. Die «Weichzeichnung» der Gebäudekanten mittels auskragenden und gerundeten Terrassen vermittelt zwischen Innen und Aussen und zwischen der Architektur und dem organischem Ausdruck der Vegetation. Ihren artifiziellen Charakter behaupten die Körper durch den Kontrast von rauhen, «erdnahen» Putzfeldern und den Brüstungen in glattem, hellem Aluminiumblech, das die wechselnden Farben der Vegetation reflektiert. Im Erdgeschoss bildet die Bodenplatte und die Brüstungen in ockerfarbenem Sichtbeton ein Relief im Übergang vom Haus zum Garten.
Die Tragstruktur wird als konventioneller Massivbau in Ortbeton und Backstein erstellt. Die Lastabtragung erfolgt vertikal. Die Fassadenverkleidung (Alubleche und Putz auf Trägerplatte) wird durchgehend hinterlüftet. Die Materialien des Innenausbaus sind zweckmässig und robust. Bei der Konstruktion wurde auf eine weitgehende Systemtrennung geachtet, sodass Bauteile entsprechend ihrer Lebensdauer einfach ersetzt werden können.
Kostengünstige Realisierbarkeit
Das Projekt ist auf eine kostengünstige Realisierbarkeit ausgerichtet. Zunächst zeichnet es sich durch eine hohe Kompaktheit der Gebäudekörper aus. Auch das vorgeschlagene Erschliessungsprinzip mit wohnungsinternen Treppen sowie eine nur teilweise Unterkellerung sind ökonomisch sinnvoll. Die Tiefgarage wird an einem Ort konzentriert. Der Aushub wird an Ort für die notwendigen Terrainanpasungen verwendet und muss nicht abtransportiert werden.
Weiter werden einfache Konstruktionsweisen und Materialisierungen vorgeschlagen: das Projekt wird als konventioneller Massivbau realisiert, in der Schweiz noch immer die günstigste Konstruktionsweise im Wohnungsbau. Die hinterlüftete Fassade ist mit einer verputzten Aussendämmung preislich konkurrenzfähig, in der Dauerhaftigkeit dieser aber überlegen. Die Fenster werden als konventionelle, dauerhafte Holzmetallfenster ausgeführt.
Das genossenschaftliche Wohnquartier Am Katzenbach wird in Längsrichtung von zwei Strassen durchzogen und ist dadurch städtebaulich in drei unterschiedliche Streifen gegliedert. Während die Setzung der Häuser der Etappen I und II Blickbezüge quer zu den Quartierstrassen anbietet, orientiert sich die Bebauung der Etappe III an den aus eher kleinen Parzellenstrukturen resultierenden Punktbauten mit Privatgärten.
Die Wohnhäuser der Etappen IV und V bilden schliesslich eine Stadtkante zum Katzenbachpark im Norden aus. Sie bestehen aus einer Folge von stereometrisch verwandten Körpern, welche sich an die unterschiedlichen Grundstückstiefen anpassen und ausgehend von innenräumlichen Gesetzmässigkeiten ihre Gestalt finden. In den Wohnungen entwickeln sich die Raumfiguren des Wohnens zwischen diesen polygonalen Aussenformen, den Eckloggien und den rechteckigen Zimmern. Die Eckloggien sind nach Süden orientiert und stellen gleichzeitig einen Bezug zum Park her.
Von der Strasse werden immer wieder Durchblicke zwischen den Häusern in den Park ermöglicht, die sich in der Wahrnehmung des Passanten unterschiedlich öffnen und schliessen. Mit der dunklen Fassadenverkleidung aus rotbraun glasierten Keramikplatten setzten sich die Gebäude vom Grün des Parks ab.
Das Quartier Seebach hat seine Wurzeln in der Ideenwelt der Gartenstadt. Die Ersatzneubauten der Wohnüberbauung Am Katzenbach knüpfen wiederum da an. Die fünf Baukörper weisen lediglich drei Geschosse auf, sind in ihren Grunddimensionen kompakt und suchen eine Fortschreibung der bestehenden Bebauungsstruktur. Durch die leicht geknickten Fassaden werden die Dimensionen der Baukörper gebrochen und rücken in ihren Abmessungen in die Nähe der umliegenden Einfamilien- und Reihenhäuser. Die Fortschreibung betrifft auch den Charakter der Aussenräume, welche am «Gartenteppich» der umliegenden Grundstücke anknüpfen und privat genutzt werden.
Aufgrund der Anordnung der Wohnungen sowie der Fassadenabwicklung verfügen die Wohnungen über zwei oder sogar drei Expositionen. Durch die räumliche Organisation der Wohnungen werden Korridore vermieden und grosse Wohnräume geschaffen. Die nicht orthogonalen Grundrissgeometrien erzeugen eine spannungsvolle, fliessende Räumlichkeit, welche durch die Zimmervolumen in einen Eingangs, Küchen- und Wohnbereich gegliedert wird.
Die Häuser sind mit einer hinterlüfteten, in gebrochenem Weiss beschichteten Wellblechfassade bekleidet. Das Relief der Fassadenhaut erzeugt weiche Licht- und Schattenverläufe, die in ihrerin rerForm derrd.ungahrscheinlich nicht. Weichzeichnung in Beziehung zur umgebenden Vegetation treten. Die ausgreifenden Rundbalkone werden über die Brüstungsbänder ins Gebäudevolumen eingebunden. Im Erdgeschoss schaffen Bodenplatte und Sockel in Sichtbeton den Übergang vom Haus zum Garten. Drei Sockelreliefs des Künstlers Christian Hörler thematisieren die Darstellung des Paradiesgartens.
Areal und Stadtraum
Fünfzehn Jahre nachdem das von Diener und Diener entworfene städtebauliche Konzept im Entwicklungsrichtplan der Stadt Baden festgesetzt wurde, hat sich das ehemalige Werkareal der ABB stark verändert: aus der einst abgeschlossenen «Industriestadt» entwickelte sich einer der urbansten und dichtesten Räume Badens. Nebst einer Vielzahl von ABB-Tochterfirmen und -ablegern siedelten sich auch verschiedene KMU hier an. Aus dem industriell-gewerblich geprägten Quartier ist ein Dienstleistungsviertel entstanden.Stadträumlich bestehen die Qualitäten des ehemaligen Werkareals weiterhin: sie äussern sich im pragmatischen, orthogonalen Raster der Gesamtanlage, in scheinbar zufälligen Leerräumen, die heute als vielfältige Aussenräume funktionieren und im durchgehenden Asphaltboden ohne Absätze und Trottoirs, worauf die grossen Baukörper ohne Sockelausbildungen stehen. Die Brown-Boveri-Strasse und der Kreuzweg sind die einzigen durchgehenden Erschliessungsachsen für Autofahrer, Velofahrer und Fussgänger im Areal. Sie sind im Stadtplan – vergleichbar einem römischen Stadtgrundriss – als sich kreuzende Achsen erkennbar.
Baukörper und Höhenentwicklung
Die vorgeschlagenen Hochhäuser fügen sich selbstbewusst ins bestehende orthogonale Raster des ehemaligen Werkareals ein. Ihre Stellung und Eingangssituation bindet die Häuser direkt an das beschriebene Achsenkreuz von Brown-Boveri-Strasse und Kreuzweg an, hebt damit ihre Bedeutung für Baden Nord hervor und ergibt eine einfache Adressbildung bei allfälliger Fremdvermietung.
Die beiden Körper sind in Volumen und Geometrie affin. Die einfachen Grundrissgeometrien der je leicht verzogenen Rechtecke steigern die plastische Präsenz der Körper, reagieren auf geringe Verdrehungen im Stadtgrundriss (Hochhaus Ost) oder sorgen für aussenräumliche Dekompressionen (Hochhaus Nord) – in vergleichbarer Weise wie dies der PowerTower über leichte Brechungen der Volumetrie erreicht. Während die gerichtete Grundrissfigur des Hochhauses Ost seine städtebauliche Stellung am Ende des Kreuzweges und die Parallelität zum Gleisstrang thematisiert, verhält sich das Hochhaus Nord zentrisch und erzeugt so eine stadträumliche Verdichtung in der dreiseitig von Bauten besetzten Situation. Diesen Absichten folgt auch die Höhenentwicklung der beiden Häuser: das Hochhaus Ost (rund 65m) erhebt sich deutlich über die umliegenden Bauten, akzentuiert den östlichen Abschluss des Areals und verweist übergeordnet auf die Talrichtung. Das gedrungenere Hochhaus Nord (rund 50m) hingegen verdichtet die bestehende Situation mit dem Konnex-Bau (35m) und dem Powertower (27m). Die Gebäudehöhen erzeugen einen vertretbaren Schattenwurf auf areal-externen Gebieten. In der Fernwirkung ergänzen die beiden Häuser spannungsvoll, gleichzeitig aber unaufgeregt die Stadtsilhouette. Die Höhenstaffelung erzeugt – etwa von der Burg oder dem Schartenfels aus gesehen – eine perspektivische Tiefenwirkung in Talrichtung.
Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Die beiden Hochhäuser entsprechen sich in Konstruktion und Materialisierung. Gesucht wurde ein für «Filialbauten» angemessener architektonischer Ausdruck: eine effiziente «Dienstleistungsmaschine» in elegant-mondänem Kleid. Vorgeschlagen wird eine kostengünstige, einschalig-gläserne Curtain-Wall-Fassade mit einer Fenstergliederung im geforderten Raster von 1.35 m. Der Repetition und Kleinteiligkeit des Bürorasters und der Geschossigkeit wirkt eine zweite Ordnung entgegen: die Fassadenhaut ist in ein Relief aus «Platten» gegliedert, die jeweils elementweise um 20cm nach aussen vorspringen. Damit wird ein übergeordneter Massstab eingeführt, der dem Bürohaus eine einprägsame, spezifische und widerständige Physiognomie verleit, die auch in der Fernsicht ihre Wirkung entfaltet.
Im Weiteren finden das innovative Nachhaltigkeitskonzept respektive die Gebäudetechnik ihren Ausdruck in der Fassade. Die beim dezentralen Lüftungs-system an den Geschossstirnen eingesetzten «Airboxen» (vgl. Energie- und Gebäudetechnikkonzept) zeichnen sich als ornamentales «Pailettenmotiv an der Fassade ab und der aufgrund flächig versetzter Photovoltaikelemente schräg geschnittene «Dachhut» erzeugt eine stille Expressivität. Der gläsern-kristalline Charakter der Gebäude bezieht sich auf die neueren Bauten der Umgebung (Hotz, Diener & Diener) und die Transformation des Areals zum Dienstleistungsquartier.
Innenraum und Nutzung
Die beiden Hochhäuser werden je über ein schmales, lang gestrecktes Foyer erschlossen, das sich im Bereich des Kerns in die Grundrisstiefe erweitert und über zwei Geschosse reicht. Neben dem Kern gliedert primär die Entfluchtung der Unter- und Obergeschosse das Erdgeschoss. An das Foyer angegliedert finden sich neben der Empfangsloge einzelne, repräsentative Sitzungs- oder Konferenzräume, die intern wie auch extern verwendet werden können (Kundenkontakte). Jeweils rückseitig befinden sich die Anlieferungen, die mit den Anlieferungen angren-zender Gebäude zusammengefasst werden.
Der Weg zu den Obergeschossen führt über straff organisierte Erschliessungskerne, wo beispielsweise Entfluchtungsschleusen auch als Vorräume für Toilettenanlagen fungieren; das Haustechnikkonzept minimiert zudem die Schachtquerschnitte. Die einzelnen Bürogeschosse weisen demnach eine gute Flächeneffizienz auf (NF zu GF durchschnittlich 76%).
Die leicht asymmetrische Setzung der Erschliessungskerne im Grundriss erlaubt verschiedene Raumzonierungen und Clusterbildungen in übersichtlichen und angenehmen Grössen, auch bei einer maximalen Belegung von 98 Arbeitsplätzen pro Geschoss. Die Vorsprünge der Fassadengliederung unterstützen solche Zonierungen (gewissermassen Andockstellen) – sie werden so auch innen-räumlich wirksam. Die asymmetrische Kernposition erlaubt zudem an den Kern anschliessende Aussparungen in den Geschossdecken. Sie bieten die Möglichkeit, innenliegende, mehrgeschossige Hallen zu schaffen. Solche Kommunikations-räume verfügen über eine interne Treppe und fördern erwiesenermassen den Informationsfluss und damit die Produktivität des Unternehmens. Infrastruktur-räume wie Teeküchen können daran angegliedert werden (Schacht). Da wo solche Räume nicht benötigt werden, werden die Deckenaussparungen in Leichtbauweise geschlossen.
Die in den Grundrissplänen gezeigten Innenausbauten und Möblierungen zeigen die Möglichkeiten und die Flexibilität der Bürogeschosse. Im Sinne eines möglichst breiten Spektrums wird dabei auch aufgezeigt, wie in den obersten Geschossen möblierte 2 1/2 – bis 3-Zimmer-Business-Apartments mit entsprechenden Serviceleistungen angeboten werden könnten. Solche Alternativen zum Hotelaufenthalt haben sich als erfolgreiche Angebote erwiesen.
Untergeschosse und Parkierung
Im Hochhaus Nord sind drei, im Hochaus Ost zwei Untergeschosse vorgesehen. Die Untergeschosse des Hochhauses Ost dienen ausschliesslich der Lagerung von Mobiliar und der Aufnahme von Gebäudetechnik. Es besteht keine unterirdische Verbindung zum dreigeschossigen Parkierung unter dem Brown Boveri Platz (600 PP), da dieses nicht ausschliesslich dem Hochhaus reserviert bleiben soll. Zudem macht eine Ein-/Ausfahrt an der vorgesehenen Stelle vor dem Hochhaus keinen Sinn. Die drei Untergeschosse des Hochhauses Nord dienen nebst der Technik der Parkierung. Anstelle einer maximalen Parkplatzzahl (201 PP) schlägt das Projekt ein kompaktes und damit wirtschaftliches Parking vor.
Brown Boveri Platz
Freiraumverwebungen
Mit der Verschiebung der angestammten Produktionsstätten und der einhergehenden Verlagerung zum Dienstleistungsstandort entwickelte sich die lange abgeschlossene Welt von Baden Nord zu einem offenen und lebendigen Quartier der Stadt. Der Einzug von neuen Firmen, von Wohn- und Konsum-nutzungen hat das Gesicht des ABB-Areals vollständig verändert. Das Aufbrechen der Arealgrenzen ist entlang der Hauptstrassen Brugger- und Haselstrasse ersichtlich. Der Strassenraum mäandriert in die angrenzenden Freiräume wie alter Friedhof am Martinsberg, Trafoplatz oder Schmiedeplatz und verwebt die Stadt mit dem ABB-Areal zu einem neuen Ganzen. Der Brown Boveri Platz führt diese Entwicklung weiter, öffnet sich zur Haselstrasse und sucht bewusst die Nähe zu Zentrum und Bahnhof.
Grundfläche und Setzungen
Baden Nord kann als grosse, bespielbare Asphaltfläche gelesen werden. Asphalt ist als Material äusserst robust und dennoch flexibel genug, um notwendige Ver-änderungen schnell umsetzen zu können. Die Asphaltfläche von Baden Nord wird von Volumen besetzt, welche schnell entstehen, sich verändern oder auch wieder vergehen können. Das vorgeschlagene Baumfeld reiht sich in den Kanon der Gebäude- und Baumvolumen ein und bildet einen selbstbewussten räumlichen Akzent innerhalb der Asphaltfläche. Die Asphaltfläche des ABB-Areals wird auch auf der Detailebene konsequent bis an den Strassenraum weiterentwickelt, so wird die Treppe zur Haselstrasse mit Stahlwangen und Auftritten aus Asphalt ausgeführt.
Topographie und Maschine
Die vorgefundene Topographie macht den Brown Boveri Platz einzigartig. Auch wenn die anstehenden Gefälle nicht übermässig stark erscheinen, so ergeben sich durch die Dimension des Platzes zwischen höchstem und tiefstem Punkt doch Höhenunterschiede bis zu 1.75 Metern. Der Platz wirkt demnach als schiefe Ebene. Die schiefe Ebene gehört in der Lehre der Physik wie der Flaschenzug oder die Schraube zu den einfachen Maschinen und erweist somit dem ehemaligen Produktionsstandort ABB seine Referenz. Der Umgang mit Topographie und Gefälle wird durch die Einführung einer virtuellen, horizontalen Ebene bei den Pflanz-trögen thematisiert. Direkt über der Tiefgarage gelegen benötigen die Bäume genügend Erdvolumen, um gedeihen zu können. Auf dem Platz werden deshalb in einem einfachen Raster 35 Betontröge angeordnet, welche als Grundkonstante dieselbe OK-Kote von 385.30 und das gleiche Volumen von 7,2 m3 Inhalt aufweisen. Die geneigte Asphaltebene hat zur Folge, dass der am höchsten gelegene Pflanzentrog bei einer Seitenlänge von 4.00 Metern eine sichtbare Höhe von 0.45 m aufweist, der am tiefsten gelegene Trog jedoch 1.65 Meter hoch ist und sich die Seitenlänge auf 2.09 Meter reduziert. Das Volumen von 7.2 m3 bleibt erhalten. Die Betonelemente werden als vorfabrizierte, scharfkantige und oberflächlich gespitzte Elemente ausgeführt.
Quelle
Innerhalb des Baumfeldes ist eine Quelle bodenbündig eingelassen, aus welcher unregelmässig Wasser tritt. Bedingt durch die Gefälle der schiefen Ebene sucht sich das Wasser einen Weg zwischen den Pflanzelementen hindurch bis zum tiefsten Punkt des Platzes. Hier wird es gefasst und «entschwindet» unter die Asphaltfläche. Wind, Blätter oder auch Kinderschuhe lassen das Wasser immer neue Richtungen finden auf seinem Weg über den Platz.
Zeichenhaftikeit
Das Baumfeld besteht aus mehrstämmigen Judasbäumen (Cercis siliquastrum) und bildet das verwunschene Gegenstück zur präzisen Behandlung der Horizonte und Ebenen. Im Frühjahr erscheinen vor dem Laubaustrieb tausende von rosa Blüten direkt aus dem Holz der Bäume und lassen Bilder von Japans Kirschblüten vor dem geistigen Auge erscheinen. Im Sommer treiben die herzförmigen Blätter, um sich im Herbst goldgelb zu färben. Im Winter erinnern die langen Schoten an südliche Gefilde und wecken die Sehnsucht auf den kommenden Frühling.
Tragwerkskonzept
Einfaches und bewährtes Tragwerk
Beide Hochhäuser Nord und Ost werden als Skelettbauten in Massivbauweise erstellt. Sie umfassen je 3 Untergeschosse sowie 14 bzw. 18 Erd- und Obergeschosse bei einer Grundfläche von jeweils rund 1000 m2. Die Gebäude werden mit einer vorgehängten Fassade aussen gedämmt, sodass das gesamte Tragwerk monolithisch und ohne aufwendige Anschlüsse von aussen liegenden Tragelementen erstellt werden kann. Das gewählte Tragwerkskonzept ist äusserst einfach, klar und bewährt. Es ermöglicht eine sichere und wirtschaftliche Umsetzung.
Durchlaufende Tragelemente
Die vertikale Lastabtragung erfolgt über den Lift- und Treppenhauskern, über Stützen in der Fassadenebene sowie einzelnen Stützenscheiben im Gebäudeinnern. Sämtliche vertikalen Tragelemente laufen systematisch über alle Geschosse bis zur Bodenplatte durch. Die infolge der Fassadenversprünge erforderlichen, geschossweise geringen Versätze der Stützen können von den Geschossdecken aufgenommen werden. Vorgesehen sind Schleuderbetonstützen mit einem Durchmesser von 40 cm in der Fassadenebene und Wandscheiben in Ortbeton von 25cm x 1.0m im Gebäudeinnern.
Schlaff armierte Geschossdecken
Die vertikalen Tragelemente sind so angeordnet, dass regelmässige Deckenfelder von rund 8.0m Spannweite entstehen. Die Geschossdecken tragen als schlaff bewehrte Flachdecken in Ortbeton mit einer konstanten Stärke von 32cm. Die Verteilleitungen der dezentralen Frischluftversorgung, welche in einem regelmässigen Raster zentrisch in die Decke eingelegt werden, bewirken eine Gewichtsreduktion von rund 7% ohne Einbusse an Tragfähigkeit und Steifigkeit. Dank des in der Fassadenebene kleiner gewählten Stützenabstands können die Decken ohne Randüber- bzw. -unterzug ausgeführt werden.
Aussteifender Kern und Fundation
Die Treppenhaus- und Liftkerne aus Ortbeton dienen neben der vertikalen Lastabtragung auch zur Stabilisierung der Hochhäuser gegen Wind und Erdbeben. Sie laufen über alle Geschosse durch, haben nach unten zunehmende Stärken (0.25 bis 0.40m) und sind in den 2 bzw. 3 Untergeschossen eingespannt. Die Untergeschosse werden mit ihren umlaufenden Stahlbetonwänden als steife Kisten ausgebildet. Die Fundationskote beider Hochhäuser liegt im tragfähigen Limmatschotter. Angesichts der hohen Fundationslasten ist voraussichtlich dennoch eine Pfahlfundation erforderlich.
Rechenzentrum
Das Hochhaus Ost überlappt in seiner nordwestlichen Gebäudeecke das bestehende, unterirdische Rechenzentrum. Vorgesehen ist in diesem Bereich die Abfangung von drei Fassadenstützen durch vorgespannte, 2 geschossige Stahlbeton-Wandscheiben im Erd- und 1. Obergeschoss, sodass das Hochhaus über dem Rechenzentrum auskragend ausgebildet werden kann. Diese Irregularität im Tragwerk wird zudem für die räumliche Ausformulierung der Eingangshalle verwendet. Für die weitere Bearbeitung ist dennoch zu prüfen, ob eine Durchdringung des Rechenzentrums bzw. ein bereichsweiser Rückbau möglich sind.
Energie- und Gebäudetechnikkonzept
Nachhaltigkeit – ein systemischer Ansatz
Nachhaltigkeit umfasst bekanntlich nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Aspekte. Ein nachhaltiges Gebäudekonzept misst sich deshalb nicht nur an seinen Energiekennwerten, sondern muss ebenso zu einer komfortablen Arbeitsumwelt beitragen und ökonomisch zweckmässig sein. Kurz: die zahlreichen Faktoren eines solchen Systems müssen zu einander abgewogen und in ein Gleichgewicht gebracht werden.
Bezogen auf die Hochhäuser Baden Nord wird dazu ein systemischer Ansatz gewählt, der den Betrachtungsperimeter über das einzelne Gebäude hinaus erweitert. Hierfür steht beispiels-weise die Absicht, den Strombedarf mit CO2-neutralem Labelstrom zu decken, der nicht notwendigerweise im Gebäude oder Areal produziert werden muss. Damit ist aber auch das Zusammenwirken von Ökonomie und Ökologie gemeint: so sollen beispielsweise die verhältnismässig tiefen Investitionskosten der einschaligen Fassadenkonstruktion, die Finanzierung einer Photovoltaikanlage auf den Dächern der beiden Hochhäuser erleichtern.
Wärmeversorgung – autark und exergetisch minimal
Der Heizenergiebedarf der beiden Minergie-Hochhäuser soll weitgehend autark gedeckt werden, so dass die fossil (evtl. langfristig mit Holz) erzeugte Nahwärme aus der Energiezentrale wenn überhaupt lediglich zur Spitzendeckung und als Redundanz genutzt wird. Neben der passiven Nutzung der anfallenden Solarwärme während der Heizperiode wird insbesondere die anfallende Abwärme (Arbeitshilfen, Beleuchtung etc.) aus der Abluft und aus dem Abwasser (z. B. FEKA-System) aktiv genutzt. Diese relativ hochwertigen Energiequellen (>20°C Quelltemperatur) gepaart mit einer Niedertemperaturheizung (<32°C) erlauben einen sehr effizienten Wärmepumpeneinsatz (COP > 7).
Die Nasszellen werden grundsätzlich nur mit Kaltwasser versorgt. Lediglich optional (Mieterausbau) wird die Möglichkeit eines Kleinboilers pro Nasszelle vorgesehen. Damit werden nicht nur kostenintensive Installationen (Warmwasser- und Zirkulationsleitungen) eingespart, sondern auch die laufenden Energieverluste durch Zirkulationssysteme vermieden.
Kälteversorgung – natürlich und einfach
Der Kühlenergiebedarf, welcher in modernen Bürogebäuden im Minergie-Standard auch energetisch eher als der Wärmebedarf massgebend ist, soll weitgehend mit freier Kühlung generiert werden. Zur Spitzendeckung bei sehr hohen Aussentemperaturen oder langen Hitzeperioden können die für den Heizbetrieb vorgesehenen Wärmepumpen als Kältemaschinen betrieben werden.
Mittels Hybridkühltürmen (Taupunktemperatur <21°C) auf dem Dach soll das natürliche Kühlpotenzial der Aussenluft adiabat bestmöglich genutzt werden. Die grossflächigen Decken ermöglichen auch im Kühlfall eine effiziente Hochtemperatur-Kühlung (>18°C) und gleichzeitig einen hohen Komfort mit angenehmen Raumlufttemperaturen (Zielwert <26°C).
Stromversorgung – CO2-frei und effizient
Der Strombedarf soll mittels CO2-frei erzeugter Elektrizität aus dem öffentlichen Netz (Labelstrom) und über Photovoltaikelemente auf dem Dach teilweise autark gedeckt werden. Die aktive Nutzung der solaren Energie ist in der weiteren Planung im Bezug auf deren Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Sie ist für die Funktionalität der Hochhäuser zwar nicht zwingend aber allenfalls als sichtbares Element der Nachhaltigkeit auch bei nicht gegebener Wirtschaftlichkeit interessant.
Der massgebende interne Strombedarf soll mit der Berücksichtigung möglichst effizienter Bürogeräte sowie einer hohen Tageslichtnutzung und entsprechend gesteuertem Kunstlicht (Stehleuchten in den Büros, Deckenleuchten in Sitzungsbereichen) minimiert werden.
Es soll ein IT-Konzept mit bewusst zentralisierten Rechnereinheiten, d.h. nicht in den Arbeitsflächen anfallende Wärmelasten der CPU's, Transformatoren etc. und einer Virtualisierung der notwendigen Serverleistungen umgesetzt werden, die stark helfen den Gesamtstrombedarf minimal zu halten. Gleichzeitig wird damit der Kühlenergiebedarf entsprechend reduziert und der Raumkomfort nicht nur thermisch sondern auch akustisch (keine PC-Ventilatoren) stark verbessert.
Luftversorgung – schlank und bedarfsgerecht
Der Frischluftbedarf soll auf dem hygienisch erforderlichen Mass (25-36 m3/h und Person) gehalten und mit modularen CO2-Sensoren in der Abluft bedarfsgerecht variiert werden (stetig oder stufengesteuerte Ventilatoren). Die Zuluft wird zur Vermeidung flächenintensiver Zentralen und Steigzonen mit dezentralen Luftaufbereitungsgeräten im Fassadenbereich situiert (z. B. Airboxen mit je 100 m3/h). Die Abluft wird mittels modularen Stichrohren ab dem möglichen Einzelbüroperimeter auf die Abluftkanäle in der abgehängten Decke der Innenzonen und von da über einen zentralen im Vertikalschacht angeordneten Ventilator über Dach geführt.
Das Erdgeschoss (Foyer, Haupteingang) sowie die Untergeschosse (Parking, Lager, Technik etc.) werden mittels zentraler Lufterneuerungsanlagen versorgt. Deren Aussenluft- und Fortluftgitter sind in der Fassade des Erdgeschosses situiert. Die Fortluft des Parking wird mittels vertikalen Stelen über die Treppenhäuser in die notwendige Höhe geführt. Dies vermeidet flächenintensive Vertikalschächte in den beiden Hochhäusern.
Luftversorgung – schädliche Immissionen
Die externen Belastungen des Schienenverkehrs (Bremsstaub PM10) sowie der Abgase der Energiezentrale gilt es im speziellen zu beachten. Die Staubelastung durch den Schienenverkehr führt gemäss den Angaben der SBB zu einer Zusatzbelastung von 7-10% an stark befahrenen Eisenbahnstrecken bezogen auf den schweizerischen Mittelwert. Die zusätzlichen Staubbelastungen im Gebäudeinnern an Bahntrassen ist sehr klein, weil die Partikel gross sind und durch grobe Filter gut zurückgehalten werden. Die Auswechslung der Filter muss einmal im Jahr erfolgen.
Die Abgase der Energiezentrale stellen keine Probleme für die dezentrale Luftansaugung dar, da die lokale Strömungssituation dafür sorgt, dass die dem Heizwerk zugewendete Fassade nicht durch Abgase der Feuerung beaufschlagt wird.
Wärme-/Kälteabgabe und Akustik – integriert
Die Wärme- und Kälteabgabe erfolgt über thermisch aktivierte Decken mit raumnahen und deshalb exergetisch optimierten Temperaturen von ca. 18/21°C im Kühlfall und ca. 30/25°C im Heizfall. Die modularen, dem möglichen Büroraster entsprechenden und auf ca. 50% der Deckenflächen situierten externen Heiz- und Kühldeckensegel dienen nicht nur dem thermischen Haushalt, sondern sind insbesondere auch für die angenehme Raumakustik (geringe Nachhallzeiten) zuständig.
Nebst den thermisch und akustisch integrierten Funktionen lassen sich zusätzlich auch Kunstlichtelemente (z. B. LED-Deckenleuchten in Sitzungszimmern) integrieren und erlauben eine sehr hohe Nutzungsflexibilität.
Brandschutz – maximale Nutzungsflexibilität
Die Treppenhäuser werden mit den erforderlichen Überdrucklüftungen (separate Steigzonen) ab dem Dach erschlossen, um die Rauchfreiheit der Fluchtwege im Brandfall jederzeit zu gewähren. Für ein gutes Sicherheitsempfinden der Mitarbeiten sind alle Geschosse ganzflächig mit Sprinklersystemen ausgerüstet. Die Sprinklerung bringt zudem Vereinfachungen im Fassadenbereich (Brandüberschlag) und erlaubt vertikale offene Verbindungen über zwei und mehr Geschosse (Kommunikationsräume). Das Sprinklersystem wird als innovatives Hochdruckzerstäubersystem ausgelegt, was vergleichsweise kleine Rohrquerschnitte erlaubt.
Die Wohnsiedlung Brüggliäcker befindet sich am Übergang von Oerlikon zu Schwamendingen, an der Nahtstelle von kleinteiligem Einfamilienhausquartier und den Zeilenbauten der Steinerschen Gartenstadt. Die dreigeschossigen Baukörper übernehmen die Höhe der umliegenden Häuser und verweben sich durch in die Tiefe gestaffelte Aussenräume mit dem Grünraum der Umgebung. Die Figur der Baukörper lässt sich in ihren tatsächlichen Dimensionen von keinem Standpunkt aus erfassen, und es entsteht eine dem Quartier entsprechende Massstäblichkeit und Intimität.
Die Wohnungsgrundrisse entwickeln sich aus wechselseitigen Aussenraumbezügen. Die langen Wohnungen spannen sich mit den offen gegliederten Wohn- und Essräumen zwischen den beiden Gartenräumen auf und sind zweiseitig, die Kopfwohnungen dreiseitig orientiert. Mit den beidseitig vorgelagerten Laubenräumen besteht eine hohe Porosität zwischen Innen- und Aussenraum. Die Wohnungen verfügen über flach determinierte Nutzflächen und ermöglichen dadurch vielfältige Wohnformen.
EINGELADENER IDEENWETTBEWERB
LIMMATFELD BAUFELD F
DIETIKON, JULI 2008
Städtebauliche Absichten
Das Baufeld F befindet sich im Zentrum des neuen Dietikoner Stadtquartiers Limmatfeld. Der aufgebrochene Blockrand des Baufeld F besteht aus vier Körpern, die wiederum in einzelne Stadthäuser unterteilt werden. Die im Projekt bearbeiteten Module 1 und 6 sind «Mittelpartien», das heisst Stadthäuser zwischen zwei Brandmauern, wie sie den Regelfall in jeder historischen europäischen Stadt darstellen. Das Modul 7 verfügt über eine belichtete Stirnfassade in relativer Nähe zum nächsten Gebäudekörper und ist damit eine Art Spezialfall auf dem Baufeld F.
Entsprechend den Vorgaben des Gestaltungsplanes sind alle drei Module ab dem Niveau E00 für Wohnnutzungen entwickelt worden. Im Erdgeschoss (Niveau E99) befinden sich neben eingezogenen Eingängen, jeweils seitlich angelagerten, abschliessbaren Fahrradräumen und den geforderten Nebenräumen (Kellerabteile à 8m2, Waschküchen) einzelne, kleinere Gewerberäume (Ateliers, Büros, kleine Läden, um 50-60m2).
Die Wohnungsgrundrisse aller Module verhalten sich sowohl bezüglich Ausrichtung auf die Strassenräume als auch die Himmelsrichtungen indifferent; es wird weder im traditionellen Sinn eine Wertung von Strassen- und Hoffassade vorgenommen, noch im Sinne der Moderne auf eine eindeutige Zuordnung von Nutzung und Ausrichtung gesetzt. Dementsprechend sind die Wohngeschosse von Modul 1 und 6 punktsymmetrisch aufgebaut. Eine Differenzierung der unterschiedlichen Aussenbezüge (Strassenräume, Südausrichtung) wird durch feine Justierungen und Manipulationen an Grundriss und Fassade erreicht.
Drei Wohnkonzepte
Für jedes der drei Module wurde ein eigenständiges Konzept erarbeitet (das heisst auch für die verwandten Module 1 und 6), um hinsichtlich der Varianz der anzubietenden Wohnungen ein Maximum zu erreichen. Das Modul 1 mit der maximalen Gebäudetiefe von 18m (respektive der maximalen GF) ist dabei für Wohneigentum vorgesehen, das kleinere Modul 6 für Mietwohnungen und das Modul 7, in seiner Form gleichsam ein Spezialfall auf dem Baufeld F, für alternative Wohnformen, die auch ein Arbeiten zu Hause ermöglichen.
Sämtliche Wohnungen sind in ihrer Grösse marktgängig und in verschiedener Art flexibel nutzbar und ausbaufähig. Für eine gute Wirtschaftlichkeit wurde auf eine durchgehende Statik, übereinander liegende Wohnungstrennwände und Installationsschächte sowie einfache und gängige Konstruktionsweisen geachtet. Die Treppenhäuser sind knapp bemessen, um eine gutes Verhältnis von HNF zu GF zu erzielen. Der Glasanteil an den Fassaden ist im Verhältnis zu den relativ grossen Gebäudetiefen bemessen.
Alle Wohnungen verfügen über einen aussen liegenden Sonnenschutz. Mit den gewählten Dämmstärken werden die Minergie-Anforderungen ohne Mehraufwände bei den Fenstern erreicht.
Modul 1
Für das Modul 1 mit einer maximalen Gebäudetiefe (18m) und damit der grösseren Geschossfläche wurden Eigentumswohnungen entwickelt. Durch die azentrische Setzung des Treppenhauses und eine punktsymmetrische Grundrisstypologie wird eine Gewichtung der Wohnungsgrössen geschaffen, welche auf ein spezifisches Publikum zielt: Familien für die grosse Wohnung mit 5 1⁄2-Zimmern sowie ältere Leute für die 2 1⁄2-Zimmer-Wohnung. Die Familienwohnung entspricht mit ihrem räumlichen Angebot, was eine Familie mit 2 Kindern an einem Ort wie Dietikon erwartet: grosszügige und offene Wohn-, Ess- und Kochräume, eine ausreichende Anzahl an Zimmern (min. ein «freies» Zimmern neben den eigentlichen Schlafräumen) sowie grosszügiger Stauraum. Die Wohnräume haben maximalen Südanteil, spannen sich als offene Raumfigur mit einem polyvalent nutzbaren Zimmer aber auch an die Strassenfassade und gewähren so ein «Durchwohnen» des tiefen Grundrisses. Die Zimmer weisen unterschiedliche Grade an Privatheit auf und lassen sich so verschieden nutzen.
Die Alterswohnungen sind mit einer analogen, offen Wohnraumfigur typologisch gleich aufgebaut. Durch die strassenseitigen Wohnräume besitzen sie einen stärkeren Bezug zum «Leben auf der Strasse». Die Küchen und Badräume sind entsprechend der Wohnungsgrösse knapper bemessen.
In der beschriebenen Grundtypologie sind zwei Zimmer schaltbar, sodass weitere Wohnungsgrössen und -typen, nämlich 4 1⁄2- und 3 1⁄2-Zimmer-Wohnungen, angeboten werden können (125 und 78 m2). Damit werden auch Familien mit kleinerem Budget sowie Singles oder Paare angesprochen.
Modul 6
Für das Modul 6 mit einer etwas kleineren Geschossfläche als im Modul 1 wurden Mietwohnungen entwickelt. Die Grundrisstypologie baut wiederum auf einer punktsymmetrischen Logik auf, wobei hier beim Grundtyp zwei gleich grosse 3 1⁄2-Zimmer-Wohnungen angeboten werden. Die Grundrisse weisen eine gekammerte Raumstruktur auf, wo sämtliche Räume über eine innen liegende, nutzbare Halle erschlossen werden. Durch die diagonale Anordnung von Wohn- und Ess- respektive Kochräumen wird auch hier ein «Durchwohnen» mit verschiedenen Aussenraumbezügen angeboten. Die Wohnungszuschnitte mit jeweils ähnlich grossen, frei nutzbaren Zimmern zielen auf eine breiteres Publikum als beim Modul 1: sie funktionieren sowohl als Wohnungen für Familien mit 1 bis 2 Kindern, als auch für Paare und ältere Leute.
Wiederum sind einzelne Zimmer schaltbar, sodass auch 4 1⁄2- und 2 1⁄2-Zimmer-Wohnungen gebaut werden können, die Familien mit höheren Ansprüchen gerecht werden respektive für Alleinstehende interessant sind. Die Neben- und Badräume sind knapper als im Modul 1 bemessen und entsprechen damit dem Mietstandard der Wohnungen.
Durch die leichte Azentrizität des Grundrisses im Volumen sind Strassen- und Hoffassade unterschiedlich artikuliert und machen die an sich gleichen Wohnungen dennoch verschieden. So ist der Wohnraum einmal als Erker und einmal mit vorgelagerter Balkongallerie ausgebildet. Der Mieter entscheidet sich entsprechend seinen Vorlieben für eine eher hof- oder strassenseitig ausgerichtete Wohnung.
Modul 7
Für das Modul 7, innerhalb des Baufeldes F ein Spezialfall, wird ein dreispänniger Typus mit loftartigen Wohnungen angeboten, deren Zimmerzahl je nach Bedarf (Leichtbau-Trennwände) von 2 bis 5 Zimmern variieren kann. Die Wohnungen sind damit maximal flexibel und können sowohl von Familien als auch von Alleinstehenden oder Paaren, welche zu Hause arbeiten wollen, genutzt werden. Zwei der drei Wohnungen auf einem Geschoss sind nahezu identisch und zeichnen sich durch einen komplett offenen Grundriss aus, der im Grundausbau lediglich durch einen Badkörper, eine offene Küche sowie einen grosszügigen, eingezogenen Aussenraum zoniert wird. Die dritte Wohnung ersteckt sich jeweils über zwei Geschosse und verfügt auf der Nordseite (Licht!) über einen zweigeschossigen Atelierraum. Die Grössen dieser Wohnungen können ebenfalls variieren, indem von der hofseitigen Geschosswohnung ein bis zwei Zimmer zugeschaltet werden (es sind damit 2 1⁄2- bis 4 1⁄2-Zimmer-Maisonettewohnungen möglich). Für die total drei Maisonette-Wohnungen wird auch ein Teil der Ebene 99 (EG) genutzt. Alle Maisonette-Wohnungen verfügen über eine zweigeschossige, südseitige Loggia.
Entsprechend dem inneren Aufbau des Gebäudes wird eine «strukturelle» Fassade vorgeschlagen, die von einem regelmässigen Achsmass ausgeht und im Ausdruck entfernt an amerikanische Warehouses erinnert.
Der Perimeter umfasst eine Areal, das sich in nord-südlicher Richtung ausdehnt und allseitig von Strassen und Wegen umfasst ist. Am südlichen Ende besteht ein unmittelbarer Anschluss an das alte Dorfzentrum von Zinzikon und darüber hinaus an Oberwinterthur und den S-Bahnhof. Entsprechend dieser Ausrichtung wurde vorgeschlagen, das Areal in einen südlichen, zentrumsnahen Schulbereich und einen nördlichen Wohnbereich zu gliedern.
Aufgrund der unterschiedlichen Bedeutung von Schul- und Wohnbauten sieht das Projekt vor, in deren städtebaulichen Setzung und volumetrischen Entwicklung keine unmittelbare Entsprechung zu suchen. Die Schulnutzungen werden in einem solitärartigen, zweigeschossigen Volumen zusammengefasst, das sich aus der Mitte raumgreifend bis an die Strassen entwickelt. Dabei werden die Grundstücksecken freigestellt und das Schulareal nach aussen geöffnet.
Dem gegenüber entwickeln sich die Wohnbauten mehr in die Höhe und in Zeilenform. Durch die versetzte Platzierung von drei Körpern in west-östlichlicher Richtung schaffen die Aussenräume eine Offenheit, die jeder Wohnung grosszügig Freiraum und eine gute Belichtung gewährt.
Das zweigeschossige Schulgebäude weist einen einfachen Aufbau auf: Im Obergeschoss befinden sich sämtliche Klassenzimmer und Gruppenräume («Klassengeschoss»), die sich nach Aussen hin als «Piano nobile» mit einer vorgelagerten, überhohen und umlaufenden Balkonschicht zeigen. Der Balkon erweitert die Klassenzimmer räumlich in den Aussenraum, schafft einen architektonischen Sonnen- und Fassadenschutz und gewährleistet eine einfache Entfluchtung nach aussen. Damit können auch die Erschliessungbereiche möbliert und genutzt werden – so auch grosszügige, natürlich belichtete und verschieden nutzbare «innere» Hallen.
Die volumetrische Gliederung in drei raumgreifende Gebäudearme zoniert das Klassengeschoss (zusammen mit der Heizanlage) in drei clusterartige Klassenbereiche, die verschiedene Organisationsformen des Schulbetriebs ermöglichen. Im Erdgeschoss befinden sich alle anderen, stärker öffentlich ausgerichteten Nutzungen (wie beispielsweise die separat zugänglichen Horträume). Das westwärts leicht abfallende Terrain wird für einen überhohen Singsaal und die Turnhalle genutzt (ebenfalls separat erschlossen).
Durch die Auszeichnung des Obergeschosses mit einer Balkonschicht und einem auskragenden Dachrand erscheint die Architektur als pavillionartiger Bau, der zwischen den städtischen und landschaftlichen Qualitäten der Umgebung vermittelt und auf seine periphere Lage antwortet.
Städtebauliches Konzept und Volumetrie
Das Projekt für ein Forschungszentrum und Studentenunterkünfte sieht vor, die von Architekt Paul W. Tittel entworfene städtebauliche Logik fortzuschreiben. In einer Parallelstellung des Forschungszentrums zum Hauptgebäude wird die Orthogonalität der Anlage aufgenommen und die Übereckansicht vom See ergänzt. Die räumliche Nähe schafft Zusammenhalt, eine enge Verknüpfung mit den bestehenden Instituten und gewährt eine einfache Auffindbarkeit und Erschliessung des geplanten Forschungszentrums. Der Haupteingang des Neubaus befindet sich in unmittelbarer Nähe zum südlichen Eingang des Hauptbaus, der so eine Aufwertung erfährt.
Der flache, dreigeschossige Baukörper des Forschungszentrums (2 Vollgeschosse, 1 Dachgeschoss) ist leicht höher als der Hauptbau und schreibt so die Höhenentwicklung der Erweiterung von Burgdorf + Burren fort, ohne vom See her auffällig zu erscheinen. Demgegenüber setzt sich das Volumen der Studentenunterkünfte in seinen Dimensionen vom Forschungszentrum und dem Campus deutlich ab. Die Platzierung am östlichen Rand des Perimeters sowie eine leichte Ausdrehung thematisieren einen fragilen Zusammenhalt dieser neuen Nutzung mit den eigentlichen Campusbauten. Durch die Setzung der Neubauten an den Rändern des Perimeters verbleibt im Zentrum ausreichend Raum für spätere Erweiterungen. Er soll in der Zwischenzeit als Park genutzt werden, der in seiner Ausgestaltung eine Verbindung zur Seeuferlandschaft herstellt (durchfliessende Landschaft).
Konzept Landschaft und Freiraum
Der Campus und insbesondere auch die neuen Gebäude liegen in ganz besonderer Lage an der Schnittstelle von Land und See. Dieser Umstand wird in der Umgebungsgestaltung thematisiert: Die Gebäude schieben sich von den befestigten Erschliessungsflächen in die feuchten Riedwiese hinein. Diese gemähte ebene Wiesenlandschaft wird von neu angelegten Wassergräben durchzogen, die von blühenden Iris und wogendem Schilf und anderen Sumpfpflanzen begleitet werden und die Flächen linear strukturieren. Den Gräben wird auch das Regenwasser der versiegelten Beläge und Dächer zugeführt. Die vernässten Wiesen werden von Holzstegen überquert, welche die Gebäude erschliessen, aber insbesondere auch die Schönheit der Landschaft inszenieren. Im Kreuzungspunkt der Stege bietet ein Holzdeck Aufenhaltsort für Pausen und Freizeit und setzt einen Widerpart zum Inseli. Ein wegbegleitender Wassergraben wird als Staudengarten für Sumpfpflanzen angelegt. Kleine, frei verteilte Baumgruppen, die sich zum Siedlungsrand hin verdichten, überspielen das lineare System der Gräben. Weiden, Erlen und Birken prägen das Bild der Riedlandschaft mit.
Das System der Betonbeläge der vorangegangenen Bauetappen wird weitergespielt, indem die Erschliessungsflächen mit grossformatigen Platten ausgelegt und mit malerischen Solitärbäumen bepflanzt werden. Die Hochschule und die studentischen Wohnungen werden durch einen linearen Kiesplatz miteinander verbunden, der auch Infrastrukturen wie den Veloständern, Bänken, etc. Raum gibt. Eine transparente, bewachsene Rankkonstruktion bildet die Schnittstelle zwischen den Einfamilienhäusern und dem Campus.
Etappierung und Erweiterungsmöglichkeiten
Aufgrund der städtebaulichen Setzung von Forschungszentrum (direkter Anschluss an bestehenden Campus) und Studentenunterkunft (am östlichen Rand des Perimeters zum Kinderzoo) wird das Curti-Areal durch die erste Ausbauetappe minimal besetzt: im freien Zentrum wird ein Park angelegt, welcher sich konzeptionell mit dem Seeuferstreifen verbindet.
Ein vorgezogener Bau der Studentenunterkünfte (Gebäudestruktur und Fassade) zur temporären Aufnahme von Schulräumen (Ersatz Pavillions) ist möglich und durch einen nachträglichen Ausbau der Skelettstruktur einfach realisierbar. Aufgrund des Gebäudeaufbaus mit vorfabrizierten Elementen ist zudem eine kurze Bauzeit zu erwarten. Anschliessend kann mit dem Bau des Forschungszentrums begonnen werden. Zum Schluss der ersten Ausbauetappe wird der Park angelegt.
In einer zweiten Ausbauetappe wird für Schulräumlichkeiten ein zweiter, unabhängiger Neubau zwischen Forschungszentrum und Studentenunterkünfte erstellt. Dabei wird der Park unter Beibehaltung eines Charakters in Richtung See verkleinert. Der Neubau ist als kompaktes, viergeschossiges Volumen vorgesehen, das wiederum den Campus in seiner bestehenden, orthogonalen Logik ergänzt. Die Gebäudehöhe setzt einen Akzent in der Anlage und macht den Bau auch vom Campus-Eingang her sichtbar. Bei Bedarf können auch die Studentenunterkünfte erweitert werden: vorgesehen ist eine Aufstockung um ein Geschoss in derselben konstruktiven Logik. Die Studentunterkünfte sind so konzipiert, dass sich die Dachelemente (je 12m2) abheben und nach der Aufstockung wieder verwenden lassen. Die in der Ausschreibung angegebenen Mikro-Pfähle (Bodenplatte mit Pfahlbanketten 20m) reichen bei einer leichten Gebäudestruktur für drei Geschosse aus (Gewicht 2-stöckig: 15 kN/m2, mit Aufstockung: 20 kN/m2).
In einer dritten Ausbauetappe werden die Studentenunterkünfte abgebrochen, um einem dritten, flachen (maximal zwei Geschosse) Neubau in der südöstlichen Grundstückecke Platz zu machen. Die drei Forschungsneubauten auf dem Curtiareal führen städtebaulich, insbesondere auch in der Höhenstaffelung die Campus-Idee weiter.
Architektur des Forschungszentrums
Das Volumen des Forschungszentrums ist ein dreigeschossiger Baukörper mit rechteckiger Grundrissfigur. Seinen spezifischen Ausdruck bezieht er aus einer leichten, umlaufenden Einfaltung der Fassade, welche in direkter Abhängigkeit zur Tragstruktur steht. Dabei handelt es sich um eine rationelle, nutzungsflexible Stützen-Platten-Struktur, deren paarweise Schrägstellung von Zwillingsstützen für eine ausreichende Erdbeben- und Windaussteifung sorgen. In Fortsetzung der beschriebenen Einfaltung entwickelt sich ein umlaufender, überhoher Dachabschluss, der das niedere Dachgeschoss respektive die Dachterrassen nach aussen hin verbirgt und nur an wenigen Stellen von Öffnungen durchbrochen wird. Die Einfaltung der Fassade verleiht dem Volumen eine gewisse «Weichheit» und schafft so einen architektonischen Übergang zu Vegetation und Landschaft. Die Materialisierung der Fassade besteht aus Festverglasungen mit Rahmen aus eloxiertem Aluminium, woraus auch sämtliche geschlossenen Teile geformt sind. Fundiert wird das Gebäude mit einem durchgehenden Untergeschoss (Flachfundation, 30cm Bodenplatte) nach dem Prinzip des Gewichtsausgleichs (Aushub = 60 kN/m2, Gebäude inkl. Bodenplatte = 55 kN/m2).
Hauptgeschosse des Forschungszentrums (Institute)
Die zwei Hauptgeschosse des Forschungszentrums werden über einen Haupteingang auf der Westseite, in unmittelbarer Nähe zum südlichen Eingang des Hauptbaus erschlossen. Damit entstehen kurze, weitgehend überdachte Verbindungswege. Vom Haupteingang betritt man ein Foyer, woran auch der Veranstaltungsraum liegt (vgl. Schema Schliesskonzept). Dahinter befinden sich quer zur Gebäuderichtung grosszügige, offene und auch für den Aufenthalt bestimmte Treppenanlagen (vgl. Schema Brandschutzkonzept und Entfluchtung).
Von da aus werden sämtliche Grossräume und Besprechungsräume der Institute in einer netzartig aufgebauten Grundriss- respektive Erschliessungsstruktur erreicht. Zwei in Längsrichtung liegende Lichthöfe sorgen für eine gute natürliche Belichtung der innenliegenden Grossräume. Über eine Stirnseite des nördlichen Hofes erhalten auch die Treppenanlagen natürliches Licht.
Entsprechend der Tragstruktur sind sämtliche nichttragenden Innenwände aus Glas vorgesehen. Sie machen das Gebäude maximal durchlässig, lichtdurchflutet und unterstützen eine gute Kommunikation zwischen den Instituten. Aufgrund der horizontalen Ausdehnung der Hauptgeschosse können zwei von drei Instituten auf je einem Geschoss untergebracht werden. Es bestehen direkte und kurze Wege zwischen den einzelnen Grossräumen. Aufgrund eines Fassadenrasters von 2.60m lassen sie sich flexibel unterteilen. Eine Raumtiefe von 8.00m ist aufgrund der mehrseitigen Belichtung und der allgemeinen Durchlässigkeit vertretbar.
Auf Institutsräume im Untergeschoss wurde aus ökonomischen Überlegungen (reduzierte Geschosshöhe) verzichtet. Im Untergeschoss befinden sich neben disponiblen Nebenräumen einzig die Computerarbeitsplätze (Belichtung über den Hofboden), der Kopierraum sowie Technik- und Serverräume. In den freien Flächen bietet sich die Möglichkeit einer Einstellhalle (Parkplätze für Dozenten und Personal).
Dachgeschoss des Forschungszentrums
Das Dachgeschoss wird in Leichtbauweise (Stahlbau) auf dem in Massivbauweise konstruierten Baukörper des Forschungszentrums erstellt. Durch seine vielgliedrige Abwicklung sperrt sich das Volumen des Dachgeschosses zwischen den umlaufenden Schild und die offenen Lichthöhe. Dabei werden verschiedene Aussenräume zoniert, die jeweils das Gegenstück zu den innenliegenden Spezialnutzungen bilden. Das sind einerseits die Cafeteria, welche auf dem Dach von der Nähe zum Himmel und der (gerahmten) Sicht auf den See profitiert, andererseits acht Dozentenwohnungen, welche fernab der Studentenwohngemeinschaften und des Forschungsbetriebs kontemplative Ruhe bieten. Als dritte Raumgruppe wird ein zusätzlicher Besprechungsraum sowie «Dachlabor» angeboten, welche die verbleibenden Dachaussenräume als Freiluftlaboratorium (Solartechnik) bedienen können. Aufgrund der Leichtbauweise ist es möglich, das Dachgeschoss an zukünftige Bedürfnisse anzupassen respektive um- und anzubauen. Die Leichtbauweise hat zudem nur unwesentlichen Einfluss auf die Fundation (Stichwort Gewichtsausgleich) des Forschungszentrums.
Architektur der Studentenunterkünfte
Der langgestreckte, flache Baukörper der Studentenunterkünfte weist eine einfache, stereometrische Volumetrie und eine serielle, wirtschaftlich erstellbare Gebäudestruktur auf. Der Leichtbau in Holz (vorfabrizierte Elemente, Decken z. B. Brettstapel [Brandschutz]) kann mit Mikropfählen fundiert werden und wird in Längsrichtung durch aussenliegende, paarweise schräggestellte Holzstützen ausgesteift. Diese Stützenreihen verleihen dem an sich einfachen Bau ein spezifisches Gepräge und schaffen eine, wenn auch entfernte, strukturelle Ähnlichkeit zum Forschungszentrum. Zudem definieren sie mit dem Laubengang und einer Balkonschicht einen Filter zum Aussenraum, der dem Innern eine gewisse Privatsphäre verleiht.
Der serielle Aufbau erlaubt unterschiedliche, frei wählbare Wohnungsgrössen mit 3 bis 6 Zimmern. Eine horizontale Organisation der Gruppen sowie eine Laubengangerschliessung spart Fläche und sorgt für eine gute Wirtschaftlichkeit des Projektes. Die Aufenthalts- und Kochräume reichen von Fassade zu Fassade und erzeugen verschiedene Aussenraumbezüge. Alle Zimmer und Badezimmer sind behindertengängig. Sämtliche Zimmer verfügen mit dem Laubengang und der Balkonschicht über einen minimalen Aussenraum. Die Überzahl der Zimmer hat zudem Anteil am Park und besitzt Seesicht (vgl. auch Etappierung und Erweiterungsmöglichkeiten).
Brandschutzkonzept und Entfluchtung
Zugunsten einer räumlich offenen, grosszügigen Erschliessung, wird auf eine konventionelle Brandabschnittbildung verzichtet. Die innenliegenden, offenen Treppenanlagen werden im Brandfall durch automatisch schliessende Brandschutztore von den Fluchtwegkorridoren getrennt. Die Entfluchtung erfolgt über die Fassade respektive vier aussenliegende, offene Treppentürme. Die Treppentürme sollen auch im regulären Betrieb nutzbar sein (Erschliessung Dachterrassen, Dozentenwohnungen und Cafeteria). Der Veranstaltungsraum verfügt über einen zusätzlichen Fluchtausgang direkt ins Freie. Das Brandschutzkonzept erfordert stellenweise eine Ausbildung der inneren Glaswände in EI60.
Haustechnikkonzept, Lüftung und Minergie
Das Haustechnikkonzept ist auf eine hohe Nutzungsflexibilität ausgelegt. Die Raumheizung und -kühlung erfolgt über Kühlsegel. Durch die große Strahlungsfläche und die gleichmäßige Temperaturverteilung wird ein hohes Maß an Komfort erreicht und eine sehr energieeffiziente Betriebsweise ermöglicht. Auf abgehängte Decken wird verzichtet da es möglich ist, Beleuchtung, Rauchmelder, Lautsprecher mit dem Kühlsegel gemeinsam in einer architektonisch überzeugenden Art und Weise zu kombinieren.
Das Gebäude wird mit einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung ausgerüstet. Diese dient der Sicherstellung des thermischen Komforts, des Schallschutzes und der Luftqualität. Die Frischluft wird in den Lichthöfen gefasst, erwärmt (Wärmerückgewinnung) und über die Steigzonen sowie den Hohlboden in die Räume verteilt. Die Steigrohre der Zuluft werden dezentral und offen disponiert, die Abluftkanale befinden sich in geschlossenen, zentralen Schächten.
Der Minergiestandard (gewichtete Energiekennzahl) wird mit dem gewählten Gebäudekonzept erreicht. Dies ist u.a. durch die folgende Punkte gegeben: kompaktes Gebäudevolumen (gutes Verhältnis von Energiebezugsfläche zu Hüllfläche), sehr gut gedämmte Gebäudehülle (U-Wert Fassade: ≤ 1 W/m2K [Mittelwert], U-Wert Dach: 0.15 W/m2K), Verwendung erneuerbarer Energien, Ausnutzung des Tageslicht.
Gebäudestruktur
Im Hinblick auf die optimale Wirtschaftlichkeit und Flexibilität in der Nutzung ist das Tragwerk als Stahlbeton-Skelettbau ausgelegt: Flachdecken in schlaff armiertem Ortbeton werden von vorfabrizierten Stützen im Raster bis 8.7m getragen. Die ebene Untersicht ohne Unterzüge und ohne sichtbare Stützenkopfverstärkungen ergibt eine grösstmögliche nutzbare lichte Geschosshöhe und maximale Flexibilität bei der Führung der Installationen der Gebäudetechnik. Die Stabilisierung des Bauwerks gegen Horizontalkräfte aus Wind und Erdbeben erfolgt durch die paarweise Schrägstellung der Zwillingsstützen. Zusätzliche aussteifende Wände (Kerne) sind nicht erforderlich, was die Geschosse horizontal maximal offen lässt.
Konstruktion und Materialisierung
Das Konstruktions- und Materialkonzept beruht auf einer hierarchischen Baustruktur, um bei den späteren baulichen Veränderungen und Anpassungen sowie auf die unterschiedlichen Lebenszyklen der Materialien reagieren zu können. Die Primärstruktur wird in konventioneller und kostenoptimierter Massivbauweise erstellt (Decken in Recyclingbeton, die Zwillings-Betonstützen sind vorfabriziert). Die Deckenstärken unterschreiten die Programmvorgaben (30 anstatt 50cm) und sind damit wirtschaftlich erstellbar.
Die repetitive und nichttragende Fassade als Sekundärstruktur, welche Aussen wie zu den Lichthöfen identisch behandelt ist, baut sich auf dem Raster von 2.6m auf. Dem Prinzip der Nutzungsflexibilität entsprechend stimmt dieses Rastermass mit den Modulmassen der Institutsräume überein und ermöglicht somit einen einfachen Fassadenanschluss der inneren Trennwände. Zwischen die festverglasten Fassadenelemente (jede dritte Achse) sind Lüftungsflügel (mit Gitter zur Auskühlung während der Sommerrnächte) vorgesehen. Aussenliegende Rafflamellenstoren sorgen für einen effektiven Sonnenschutz respektive schützen vor Überhitzung, lassen aber gleichzeitig die eintretende Lichtmenge regulieren.
Die Sekundärstruktur im Innern ist konsequent von der tragenden Struktur getrennt; die Innenwände und die Hohlbodenkonstruktion können jederzeit den sich ändernden Raumbedürfnissen angepasst werden da sie in Trockenbauweise erstellt werden.
Ökologie und Minergie
Um dem Grundsatz der Nachhaltigkeit und der ökologischen Bauweise zu entsprechen werden konsequent recyclierbare Baumaterialien, wo möglich auf natürlicher respektive mineralischer Basis, eingesetzt, welche eine hohe Bauteillebensdauer erreichen. Eine lange Gebrauchsdauer der Gebäudestruktur wird vor allem auch durch die hohe Flexibilität des Gebäudekonzeptes erreicht.
Der Minergiestandard (gewichtete Energiekennzahl) wird mit dem gewählten Gebäudekonzept erreicht. Dies ist u.a. durch die folgende Punkte gegeben:
1. kompaktes Gebäudevolumen:
gutes Verhältnis von Energiebezugsfläche zu Hüllfläche (A/EBF = 0.8)
2. sehr gut gedämmte Gebäudehülle:
U-Wert Fassade: ≤ 1 W/m2K (Mittelwert)
U-Wert Dach: 0.15 W/m2K
Aussenliegende Storen gewährleisten optimalen Schutz vor unerwünschter Überhitzung durch die Sonneneinstrahlung
3. effiziente Verwendung erneuerbarer Energien:
bspw. Grundwasser Wärmepumpe mit hoher Jahresarbeitszahl
Wärmrückgewinnung aus Abluft
4. Ausnutzung des Tageslichts:
durch den hohen Glasanteil sind sämtliche Nutzräume optimal zu den Fassaden und somit zum Tageslicht ausgerichtet
durch den hohen Anteil an natürlicher Belichtung ist der Energiebedarf für Beleuchtung tief und wird zudem mit verlustarmen Betriebsgeräten und energieeffizienten Leuchtmitteln ausgeführt.
Städtebau und Architektur
Um der neuen Fachhochschule als wichtigem öffentlichen Gebäude von Olten eine starke Präsenz zu geben, wird eine kraftvolle und spezifische Architektur mit einer elegant-feinem, beinahe textil-schillernden Fassade vorgeschlagen. Die eigenständige, rhombenähnliche Grossform schafft eine unverwechselbare Identität für die Schule und gibt gleichzeitig diesem eher indifferenten Stadtteil ein neues Gepräge, indem es sowohl sperrig wie auch situativ (bspw. mit der Definition präziser Stadträume zur Von Rollstrasse) auf den Kontext reagiert.
Vom Bahnhof aus gesehen schiebt sich der Baukörper entlang den Gleisen bis zur Aarauerstrasse vor, verjüngt sich dabei zunehmend und schliesst mit einer schmalen, stehenden Front ab. Diese städtebauliche Geste macht schon von weitem auf den öffentlichen Bau aufmerksam und leitet in die Schule und den Stadtteil hinter den Geleisen ein.
Die spezifische Aussenform wird durch den innenräumlichen Aufbau generiert: Der gewissermassen hierarchielose, strukturell gedachte Grundplan entwickelt sich aus der Verschränkung dreier Raumschichten, die eine Serie von vier Höfen umschliessen. Dieser einfache strukturelle Aufbau ist im Gebrauch maximal nutzungsflexibel und lässt auf selbstverständliche Art in einer Erweiterung fortschreiben.
Situation und Erschliessung
Der neue, keilförmige Stadtraum an der Kreuzung Aarauerstrasse / Von Rollstrasse versteht sich als öffentlicher und urbaner Begegnungsort und bildet gleichsam den Auftakt in die räumlich reiche Innenwelt der «Denkfabrik» und Forschungsanstalt. Als aussenräumliche Entsprechung zu diesem urbanen Raum ist die offene und fein terrassierte, von Bäumen gegliederte Grünfläche im Südwestteil des Grundstücks gedacht, die der Gastronomie und Erholung dient. Der zweite Hauptzugang befindet sich zwischen diesen zwei Orten in der Verlängerung der Riggenbachstrasse. Eine querende Verbindung, welche entlang der westlichen Grundstücksgrenze und parallel zu den Geleisen durchs Areal führt, ist von Süden her bis zum Eingang für Warenlieferungen und als Personalzugang befahrbar. Dieser Weg ist leicht, bis auf die Höhe des Niveaus 1 abgesenkt, und garantiert die Entflechtung der Warentransporte von den Personenzugängen.
Nach dem Bau der ersten Etappe werden auf dem Areal insgesamt 264 gedeckte Parkplätze angeboten. Diese teilen sich wie folgt auf: 160 PP gedeckt im Neubau auf dem Niveau 0 mit der Zufahrt über eine flache Rampe ab der Aarauerstrasse; 17 PP in einem Geländesprung an der Westseite mit der Zufahrt über die Sälistrasse; und 87 PP im bestehenden Parking, neu mit Zufahrt von Süden über Sälistrasse. Beim Bau der zweiten Bauetappe würde die bestehende Parkgarage zu Gunsten eines grossen, zusammenhängenden Parkings aufgehoben.
Innenräumlicher Aufbau und Nutzungsflexibilität
Die Architektur der Fachhochschule baut sich aus einer inneren Logik auf: die Verschränkung dreier Raumschichten mit einer Tiefe von 11m (bestehend aus einer Zimmerschicht mit 8m und einer Erschliessungsschicht von 3m) in einem 30°-Winkel baut ein Volumen auf, welches nach Innen eine Serie von vier Höfen umschliesst, die für eine gleichmässige Belichtung der Grundrisse sorgen. Während bei Tag die Nord-Süd-Ausrichung der Höfe es ermöglicht, dass die Sonnen direkt bis in die untersten Geschoss scheint, und ein komplexes Licht-Schattenspiel Atmosphäre schafft, sind es bei Nacht die darin hängenden Leuchten, welche die Höfe zu leuchtenden Laternen werden lassen.
Zwei komplementäre Treppensysteme sorgen für eine optimale Erschliessung sowie einen regen Austausch zwischen den verschiedenen Fachbereichen. Dabei haben die offenen Treppen kommunikativen wie auch repräsentativen Charakter. Die geschlossenen Treppenhäuser dienen als Fluchttreppen (vgl. Brandschutz), und als direkte vertikale Erschliessungen während des täglichen Betriebs.
Die Hauptnutzungen, wie Unterrichtsräume und Gruppenräume auf den Obergeschossen sind in diesem Raumsystem konsequent gegen Osten und/oder zu den Lichthöfen angeordnet, das heisst auf der lärmabgewandten Seite. Die Arbeitsplätze von Lehrpersonen, Forschenden und Mitarbeitenden sind in direkter Beziehung zu den Unterrichtsorten ebenfalls auf den Obergeschossen organisiert und von Westen wie vom Innenhof zweiseitig belichtet. Die Studentenarbeitsplätze sind, nebst den separat ausgeschiedenen Bereichen in der Mediothek, gleichmässig über die drei Unterrichtsgeschosse in den attraktiven Randzonen der Erschliessungsräume verteilt, wo ungestörtes Arbeiten möglich ist.
Die Nutzungen wie Aula, Mediothek, Gastronomieräume und Hörsäle welche hohe Personenfrequenzen aufweisen sind im Erdgeschoss, dem Niveau 2 angeordnet und übernehmen dadurch eine wichtige Bindegliedfunktionen zwischen Öffentlichkeit und Lehranstalt.
Die skelettartige Gebäudestruktur aus Stützen und Platten mit Stützenabständen zwischen 9.20 und 9.80 m ist äusserst nutzungsneutral. Die klare Trennung von tragender und nichttragender Gebäudestruktur vereinfacht die räumliche Anpassung an neue Bedürfnisse.
Erweiterbarkeit
Die Erweiterung der Schule mit einer 2. Etappe zeigt zum einen die Möglichkeit der maximalen Verdichtung des Areals bei gleichzeitiger Steigerung der aussenräumlichen Qualitäten, und zum andern zeigt sie exemplarisch die Weiterentwicklung der modularen Baustruktur auf.
1. und 2. Etappe sollen aus räumlichen und betrieblichen Gründen zusammengebaut werden. Die daraus entstehende hierarchielose Räumlichkeit mit gleichwertiger horizontaler wie vertikaler Durchlässigkeit soll den Anforderungen einer zeitgemässen Forschungsanstalt entsprechen.
Gastronomie
Über die attraktive Lage des Gastronomiebereichs, direkt neben dem Eingang auf dem Niveau 2, können schöne Aussensitzplätze mit Ost-, Süd- und Westorientierung angeboten werden. Durch die gute Auffindbarkeit und seiner Ausstrahlung in die Umgebung wird die Gastronomie der wichtigen Bindegliedfunktion zwischen Schule und Öffentlichkeit gerecht.
Die zweigeschossige Anordnung (Gästebereich Niveau 2, Küche und Anlieferung Niveau 1) entflechtet die innerbetrieblichen Gastroabläufe vom Bistro-/Cafeteriabereich und dem Schulbetrieb und führt zu einer Attraktivitätssteigerung für die Gäste. Die Anlieferung der Küche erfolgt von Westen über das Niveau 1 resp. den Eingang 3. Hier sind die Räume für die Ver- und Entsorgung der Küche angeordnet. Die Küche, welche über einen separaten Lift und eine separate Treppe mit dem Gastrobereich verbunden ist, wird von einem Hof natürlich belichtet.
Gebäudestruktur
Im Hinblick auf die optimale Wirtschaftlichkeit und Flexibilität in der Nutzung ist das Tragwerk als Stahlbeton-Skelettbau ausgelegt: Flachdecken in schlaff armiertem Ortbeton werden von vorfabrizierten Stützen im Raster bis 9.80 m getragen. Die ebene Untersicht ohne Unterzüge und sichtbare Stützenkopfverstärkungen ergibt eine grösstmögliche nutzbare lichte Geschosshöhe und maximale Flexibilität bei der Führung der Installationen der Gebäudetechnik. Die Aula wird stützenfrei mit 15 m weit tragenden vorgespannten Stahlbetonunterzügen überspannt. Die Stabilisierung des Bauwerks gegen Horizontalkräfte aus Wind und Erdbeben erfolgt durch die duktil ausgebildeten Stahlbetonwände der vertikalen Steig- und Erschliessungzonen. Ihr Schwerpunkt ist fast zentrisch zum Gebäudegrundriss angeordnet, die Kerne laufen ohne wesentliche Steifigkeitsänderungen über alle Geschosse durch und sind in die als steife Kiste ausgebildeten Untergeschosse eingespannt. Dies ergibt ein grundsätzlich gutmütiges Verhalten bei Erdbeben.
Die beiden Gebäudeetappen werden statisch unabhängig ausgebildet und sind durch eine Fuge getrennt, jede Etappe für sich wird aber fugenlos erstellt. Das zweite Untergeschoss kommt ins Grundwasser zu liegen, es wird deshalb in Sperrbeton als weisse Wanne ausgebildet.
Konstruktion und Materialisierung
Das Konstruktions- und Materialkonzept beruht auf einer hierarchischen Baustruktur um auf spätere bauliche Veränderungen und Anpassungen sowie den unterschiedlichen Lebenszyklen der Materialien reagieren zu können.
Die Primärstruktur wird in konventioneller und kostenoptimierter Massivbauweise (Decken und Aussteifungskerne in Recyclingbeton, die Schleuderbetonstützen sind vorfabriziert) erstellt.
Die repetitive und nichttragende Fassade als Sekundärstruktur, welche Aussen wie zu den Lichthöfen identisch behandelt ist, baut sich auf dem Raster von 2.5m auf. Dem Prinzip der Nutzungsflexibilität entsprechend stimmt dieses Rastermass mit den Modulmassen der Unterrichtsräume überein und ermöglicht somit einen einfachen Fassadenanschluss der inneren Trennwände. Jedes Fassadenelement besteht aus einem festverglasten Element, einem Lüftungsflügel und dem aussenliegenden, aluminium-bedampften textilen Sonnenschutz. In der Westfassade sind aus lärmschutztechnischen Erfordernissen die Lüftungsflügel durch Festverglasungen ersetzt. Vertikale Dreikantprofile als Lisenen und dazwischen gespannte, abgewinkelte Abdeckungen, beides mit weiss eloxiertem Aluminiumblechen verkleidet, verleihen der an sich materialoptimierten Fassade eine fein-schillernde und textile Wirkung.
Die Sekundärstruktur im Innern ist konsequent von der tragenden Struktur getrennt; die Innenwände und die Hohlbodenkonstruktion können jederzeit den sich ändernden Raumbedürfnissen angepasst werden, da sie in Trockenbauweise erstellt werden.
Ökologie und Minergie
Um dem Grundsatz der Nachhaltigkeit und der ökologischen Bauweise zu entsprechen werden konsequent recyclierbare Baumaterialien, wo möglich auf natürlicher resp. mineralischer Basis, eingesetzt und eine hohe Bauteillebensdauer erreichen. Eine lange Gebrauchsdauer der Gebäudestruktur wird vor allem durch die hohe Flexibilität des Gebäudekonzeptes erreicht.
Der Minergiestandard (gewichtete Energiekennzahl) wird mit dem gewählten Gebäudekonzept um 30% unterschritten. Dies wird durch die folgenden Punkte erreicht: 1. kompaktes Gebäudevolumen: gutes Verhältnis von Energiebezugsfläche zu Hüllfläche (A/EBF = 0.8). 2. die sehr gut gedämmt Gebäudehülle: U-Wert Fassade: ≤ 1 W/m2K (Mittelwert), U-Wert Dach: 0.15 W/m2K, aussenliegende Storen gewährleisten optimalen Schutz vor unerwünschter Überhitzung durch die Sonneneinstrahlung. 3. die effiziente Verwendung erneuerbarer Energien: Grundwasser Wärmepumpe mit hoher Jahresarbeitszahl; Wärmrückgewinnung aus Abluft und aus der Abwärme der gewerblichen Kälte (Küche). 4. Ausnutzung des Tageslichts: Durch die schmale Bautiefe von 11m (inkl. Erschliessungsgang) sind sämtliche Nutzräume optimal zu den Fassaden und somit zum Tageslicht ausgerichtet.Durch den hohen Anteil an natürlicher Belichtung, ist der Energiebedarf für Beleuchtung tief und wird zudem mit verlustarmen Betriebsgeräten und energieeffizienten Leuchtmitteln ausgeführt.
Energieversorgung / Haustechnik
Das Haustechnikkonzept ist auf eine hohe Nutzungsflexibilität ausgelegt. Die Wärmeerzeugung erfolgt mit einer Grundwasser-Wärmepumpe. Dadurch wird eine hohe Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe erzielt. Überschüssige Raumabwärme (freie Kühlung im Sommer) sowie die Abwärme der gewerblichen Kälte wird für die Warmwassererzeugung genutzt.
Die Raumheizung und -kühlung erfolgt über Kühlsegel. Durch die große Strahlungsfläche und die gleichmäßige Temperaturverteilung wird ein hohes Maß an Komfort erreicht und eine sehr energieeffiziente Betriebsweise ermöglicht. Auf abgehängte Decken wird verzichtet da es möglich ist, Beleuchtung, Raumakustik, Sprinkler (nur in den Erschliessungszonen), Rauchmelder, Lautsprecher mit den Kühlsegeln gemeinsam in einer architektonisch überzeugenden Art und Weise zu kombinieren.
Das Gebäude wird mit einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung ausgerüstet. Diese dient der Sicherstellung des thermischen Komforts, des Schallschutzes und der Luftqualität. Die Frischluft wird in den Lichthöfen gefasst, erwärmt (Wärmerückgewinnung) und über die Steigzonen sowie den Hohlboden in die Räume verteilt.
Lärmschutzkonzept
Als räumlich-architektonische Reaktion auf die Lärmemmissionen der Eisenbahn ist ein Grundrisslayout, mit der Gangschicht gegen Westen und der Zimmerschicht gegen Osten resp. zu den Innenhöfen, entwickelt worden.
Mit dem Einsatz einer schalldämmenden Festverglasung (Rw ≥ 40 dB) gegen Westen werden die heute gemessenen dB-Wert um 37 dB auf 30-35 dB reduziert. Dies erlaubt die partielle Anordnung der Dozentenarbeitsbereich und Studentenarbeitsplätzen gegen Westen. Die schallmässig sensiblen Unterrichts- und Gruppenräume sind einerseits durch die konsequente Orientierung zu den Höfen (resp. nach Osten) und andererseits durch den Erschliessungsgang von den Immissionen der Eisenbahn abgeschirmt.
Brandschutzkonzept
Zugunsten einer räumlich offenen, grosszügigen Erschliessung, wird auf eine konventionelle Brandabschnittbildung verzichtet, was eine Ausstattung der Erschliessungzonen mit einer Sprinkleranlage erforderlich macht (VKF Norm, Atriumsregel). Gemäss dieser VKF-Norm erfordert die Summe der offen verbundenen Geschossflächen keine Sprinklerung der Nutzräume. In den Bereichen, wo Grossraumbüros (Lehrkräfte) eingebaut werden können, ist die Sprinklerung abstellbar.
Für die Entfluchtung sind fünf geschlossene Treppenanlagen, die im regulären Betrieb gleichzeitig als direkte vertikale Verbindungen funktionieren, so im Grundriss angeordnet, dass sie dem Fluchtwegflächen- und -längenbestimmungen der VKF entsprechen.
Die Grossräume wie Aula, Hörsäle und der Gastrobereich im Erdgeschoss verfügen über zusätzliche Fluchtausgänge welche direkt ins Freie führen.