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Universitätsspital

Oberhaus

Städtebau, Baukörper und Architektur
Das Projekt für den Neubau Oberhaus mit 30 Wohneinheiten für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sieht einen einfachen, kompakten Baukörper vor. Das Volumen gliedert sich in einen Wohnhausteil mit etwas schmalerem Kopfbau sowie ein gegenüber der Topografie leicht erhöhtes Gartenparterre. Der Garten ist seitlich zum Landwirtschaftsland offen und wird südlich durch eine Pergola abgeschlossen. Der Solitär ist dreiseitig von Landwirtschaftsland umgeben. Über den nördlichen Kopfbau wird das Haus im Siedlungsgefüge verankert und erschlossen. Hier weist das Gebäude vier Geschosse auf, hangaufwärts im Bereich des Wohnens sind es drei. Wohnhaus und Kopfbau verfügen über eine, durchgehende Traufe: Alle Funktionen finden unter einem Dach Platz.
Der Zugang für Bewohner, Besucher und Fahrzeuge erfolgt über das westliche Ringstück des Waldhausweges. Eine spätere Anbindung an den östlichen, geraden Abschnitt des Waldhausweges ist wünschenswert und im Projekt vorgesehen. Der Haupteingang befindet sich an der Nordfassade des Kopfbaus und ist von beiden Zugängen her direkt und einfach auffindbar. Die Zufahrt zur Tiefgarage biegt direkt ab der Zufahrt des Waldhausweges auf der Westseite des Gebäudes ab. Die Anlieferung mit Wendemöglichkeit befindet sich abgewandt auf der Ostseite. Daran angelagert finden sich auch die Besucherparkplätze.
Der Neubau mit einer Holzverkleidung besitzt eine zurückhaltende Farbigkeit. Sie referenziert einerseits auf die periphere Lage im Landwirtschaftsland und ländliche Bauten im weiteren Kontext, andererseits wird darüber ein Ausdruck gesucht, der dem Wohnen verpflichtet ist und nicht an ein «Spital» oder Heim erinnert. Prägende Elemente der Fassadenarchitektur sind die erkerartigen Fenster der Zimmer sowie durch Lisenen gehaltene Lauben.

Innere Organisation, Betrieb und Beschäftigung
Die plastische Gliederung und Geschossigkeit widerspiegelt die innere Organisation. Im viergeschossigen Kopfbau befinden sich Mehrzweckraum, Verwaltung und Therapie sowie die integrierte Beschäftigung und die Freizeiträume. Im dreigeschossigen Teil sind die drei Wohngruppen auf je einem Geschoss untergebracht. Die unterste Wohngruppe verfügt auf der Ost- und Westseite über ein Hochparterre. Die drei Wohngruppen haben auf der Südseite über eine Laube direkten Zugang zum Garten.
Der Haupteingang befindet sich gut auffindbar auf der Nordseite des viergeschossigen Kopfbaus. Daran angeschlossen erstreckt sich eine Eingangshalle in die Tiefe. Seitlich des Eingangs ist ein Empfang vorgesehen. Gegenüber öffnet sich über eine innere Verglasung der Mehrzweckraum. Am Ende der Halle liegen der Lift sowie der Eintritt ins Treppenhaus.
Das räumlich grosszügige Treppenhaus liegt zwischen dem Wohnteil und den Beschäftigungs-, Verwaltungs- und Therapieräumen im Kopfbau und trennt so die beiden Sphären. Es spannt sich in Verbindung mit den einsehbaren Freizeiträumen auf allen Geschossen zwischen der Ost- und Westfassade auf, wo jeweils Lauben vorgelagert sind. Die räumliche Grosszügigkeit in Verbindung mit den Freizeit- und Aussenräumen macht das Treppenhaus zu mehr als einem Erschliessungsraum: Es dient der Begegnung und dem Aufenthalt.
In den Obergeschossen sind die beiden Eingänge zu den Kleinwohngruppen über ein offenes Auge getrennt, was die Adressierung, Auffindbarkeit und Orientierung erleichtert. Gegenüber befindet sich der Zugang zu den Beschäftigungs-, Verwaltungs- und Therapieräumen im Kopfbau. Über den zweiseitig öffnenden Lift ist ein direkter Zugang möglich.
Im ersten Obergeschoss des Kopfbaus sind der Therapieraum und die Physiotherapie untergebracht. Im Weiteren befinden sich davon getrennt die Verwaltung sowie die Räume der Nachtbetreuung mit direktem Zugang zum Treppenhaus. Im zweiten Obergeschoss liegen zwei der sechs Beschäftigungsräume sowie die Einzelförderung. Im dritten Geschoss besetzen die vier weiteren Beschäftigungsräume die Nordfassade. Über das Nordlicht sind sie über den Tag gleichmässig natürlich belichtet. Der Pausenraum lässt sich mit dem Freizeitraum verbinden. Die Garderoben und Toiletten sind auf das zweite und dritte Geschoss aufgeteilt.

Wohnen und Kontemplation
Im dreigeschossigen Wohnteil liegt auf jedem Geschoss eine Wohngruppe. Sie verfügen über jeweils zwei Eingänge vom Treppenhaus aus. Ein Auge trennt die beiden Eingänge zu den Kleinwohngruppen und schafft vertikale, räumliche Verbindungen und Übersicht.
Die beiden Kleinwohngruppen sind identisch aufgebaut und liegen «Rücken an Rücken», das heisst die eine ist primär ost-, die andere primär westorientiert. Sie bieten damit Blicke in die Weite des seitlich anschliessenden Landwirtschaftslandes. Im Süden erfolgt der Zusammenschluss mit dem Time-out-Zimmer und dem Multifunktions-Stübli. Eine davor gesetzte, gemeinsame Laube mit Treppe gibt allen Bewohnern direkten Zugang zum Garten. Für Bewohner im Rollstuhl besteht in den untersten Wohngruppen ein ebenerdiger, hindernisfreier Gartenzugang.
Im Innern, zwischen den Kleinwohngruppen liegen die gemeinsamen dienenden Räume: die Bäder, die Stauräume und das Dienstzimmer. Das Dienstzimmer befindet sich in Nähe zu Eingang, Küche und Wohnraum, sodass dem Personal jederzeit gute Übersicht gewährt bleibt.
Die fünf Zimmer jeder Kleinwohngruppe werden in zwei Bereiche geteilt: einen «vorderen» Bereich mit zwei Zimmern und einen «hinteren» mit drei Zimmern. Jedem dieser Bereiche ist ein breiter Erschliessungsraum vorgelagert, der sich zum Wohnraum, der dazwischen liegt, abschliessen lässt. Der Erschliessungsraum vor der südlichen Zimmergruppe weitet sich und ist nach Süden hin geöffnet. Er erweitert das Wohnraumangebot, schafft einen Bezug vom Wohnraum zum Garten und dient dem Aufenthalt und Rückzug. Die klar strukturierte Organisation der Wohngruppen sucht eine bewusste Annäherung an «konventionelles» Wohnen, um Alltäglichkeit und Normalität zu evozieren.
Der mittige Wohnraum weist eine einfache, klare Gliederung in einen Ess- und Kochbereich in Eingangsnähe sowie einen grosszügigen Aufenthaltsbereich auf. Dem Wohnraum ist jeweils über die gesamte Länge eine Laube vorgelagert, die eine ausgeglichene, ruhige Lichtsituation schafft.
Die Zimmer weisen eine Breite von 3.2 Metern auf. Über das Bad neben dem Eingang wird ein schützender Vorbereich geschaffen. Prägendes Element der Zimmer ist das Fenster, das als eigener «Raum» ausgebildet ist. Im Grundriss zeichnen sich diese Fenster durch einer Erkerbildung aus, welche die Zimmer nach Süden hin orientiert und dem Aussenbezug im Zusammenwirken mit dem fassadenseitigen Einbauschrank Tiefe gibt. Die Ausdrehung zusammen mit der Schrägstellung der zimmerseitigen Badwand macht den Raum zudem «weich». Im Schnitt betrachtet wird die Fassadenöffnung abgestuft, welche die Fensternische zur Sitzbank macht und im Sturzbereich den Raum nach oben weitet. Das «Fenster als Raum» inszeniert einerseits den Aussenbezug, andererseits schafft es Geborgenheit für die Bewohner.

Garten und Wohnen im Aussenraum
Dem Aufenthalt im Freien kommt im Alltag der Bewohner hohe Bedeutung zu. Das wiederspiegelt sich in den fünf Lauben des Hauses wie auch in der Bedeutung des Gartens, der Teil der Architektur ist. Als Leervolumen zwischen Wohnhaus und Pergola ist er gleichwertiges Gegenstück zum Gebäude.
Der Garten ist als Parterre vom weiträumigen Landwirtschaftsland ausgeschieden. Die östliche und westliche Kante wird durch Stauden- und Strauchpflanzungen gefasst. Sie gewährleisten die Weglaufsicherheit. Obstbäume auf dem Landwirtschaftsland geben eine zweite räumliche Fassung. Mittig des Parterres, umgeben von Wegen, liegt ein Rasenspiegel mit einer farbigen Blumenbepflanzung. Die niedrige Bepflanzung verhindert das Gefühl von Enge und die klare Zonierung des Gartens dient der Orientierung.
Den südlichen Abschluss macht eine Wandschale mit aufgesetzter Pergola. Die Pergola spendet Schatten und hat mit einem Aussenkamin, einer Gartenküche und Spielangeboten die Funktion eines Aussenwohnraums.
Die Anordnung des Gartens im Süden, umgeben von Landwirtschafts- und Freihaltezone, gewährleistet einen stillen und ruhigen Rückzugsort für die Bewohner und ist von der Zufahrt und dem restlichen Spitalbetrieb abgeschieden.

Konstruktion und Materialisierung
Das Gebäude ist in einer konventionellen Massivbauweise mit tragendem Mauerwerk vorgesehen. Die Fassaden werden in vorfabrizierter Holzelementbauweise konstruiert und weisen so grosse Dämmstärken auf. Die äussere Bekleidung besteht aus einer hinterlüfteten, druckimprägnierten Vertikalschalung in Holz, die über Massivholzlisenen gegliedert wird. Die Holz-Metallfenster wie auch die Blecharbeiten am Dachrand werden farbig einbrennlackiert. Im Innern sollen wenige, robuste und wohnliche Materialien zum Einsatz kommen.

Neuer Gehren

Städtebau
Das ausgedehnte Grundstück für das Alterszentrum «Neuer Gehren» sticht durch seine besondere Lage und Geometrie hervor: ein breites Stück des bebaubaren Landes grenzt an die lärmbelastete aber prominente Seestrasse nach Südwesten und liegt zwischen beschaulichen Mehrfamilienhäusern; ein schmaler Streifen greift bis in die dritte Reihe der bestehenden Baustruktur und endet im Nordosten entlang des dörflichen Spitzli-Weges. Diese schwierige Ausgangslage gilt es im Projekt zu lösen.
Der Vorschlag sieht einen dreiflügeligen Baukörper mit vier Geschossen vor, der die Geometrie des Grundstückes eigenständig interpretiert und dabei verschiedenartige, lärmgeschützte Aussenräume bildet. Mit dieser einfachen Disposition gelingt es, die programmatischen und wirtschaftlichen Ansprüche in eine prägnante Form zu übersetzen, und das Alterszentrum der Massstäblichkeit der umliegenden Häuser anzugleichen.
Die neue Anlage reflektiert die Besonderheit der städtebaulichen Situation, indem jeder Gebäudeflügel in eine andere, spezifische Richtung orientiert ist: ein Flügel nach Südwesten zum Zürichsee, ein zweiter zum Rebhang mit Blick auf das markante Turmgut und ein dritter zum Dorfkern von Erlenbach. Eine solche geografische Verortung schafft Orientierung und ist identitätsbildend.

Aussenraum und Erschliessung
Das neue Alterszentrum wird gemäss den Vorgaben über die Zufahrt Im Spitzli erschlossen. Eine Rampe zur Tiefgarage für Anlieferungs- und Abholverkehr— eingeschlossen in einem Heckenkörper — zweigt gleich zu Beginn der Zufahrt ab und befreit die Vorfahrt von Durchgangsverkehr. Die Vorfahrt und die Haupteingänge des «Neuen Gehrens» liegen im grosszügigen und lärmgeschützten Südosthof der Anlage. Der Haupteingang ist eingezogen und dadurch witterungsgeschützt. Für die Alterswohnungen in den Obergeschossen wird zusammen mit dem Restauranteingang eine vom Altersheim unabhängiger Eingang angeboten. Vor dem Restaurant lädt die grosse windgeschützte Aussensitzfläche mit Wasserbecken zum Verweilen ein. Dichte Heckenkörper fassen und gliedern den Raum. Auf einer vorgelagerten Fläche kann den Enkelkindern beim Spielen zugesehen werden.
Der Aussenraum des «Neuen Gehrens» ist als dicht bepflanzte Parkanlage konzipiert, die auf gekurvten, befestigten Wegen begangen werden kann. Das Wegsystem besteht aus dem geforderten Fussweg, der von der Erlengutstrasse durch das Alterszentrum über die Vorfahrt zum Spitzliweg führt, sowie aus Rundwegen um die Gebäudeflügel. Die Rundwege führen am Streichelzoo, dem Kinderspielplatz, der Gartenterrasse und an Schatten spendenden Parkbäumen vorbei und laden die zukünftigen Bewohner zum Spazieren ein. Die Asphaltwege werden von schmalen Betonbändern begleitet, die sich stellenweise zu Sitzplätzen aufweiten. Die Spazierwege sind über sekundäre Ausgänge aus dem Alterszentrum direkt betretbar und zudem mit dem öffentlichen Strassen- und Wegenetz von Erlenbach verknüpft. So sind auch kurze oder ausgedehntere Rundgänge direkt vom Haus aus möglich. Neben den grosskronigen Parkbäumen, die den Neubau umspielen, erzeugen entlang von Seestrasse und Spitzliweg Blütensträucher jahreszeitliche Veränderungen auf Augenhöhe. Eine artenreiche, pflegeextensive Blumenwiese bildet den Teppich.

Architektur und Betrieb
Im Erdgeschoss — entlang des beschriebenen Wegesystems — sind die öffentlicheren Nutzungen wie Restaurant, Küche, Empfang, Verwaltung sowie die Büros der Pro Senectute und der Spitex untergebracht. Die Räume der externen Nutzungen können also auch direkt von aussen betreten werden. Ausserdem befindet sich ein Teil der Alterswohnungen mit separaten Eingängen im Erdgeschoss. Sie profitieren an dieser Lage vom direkten Bezug zur Parkanlage. Eine vorgelagerte Sitzmauer mit eingelassenen Stufen bildet eine einfache Begrenzung des privateren Bereichs.
In den Obergeschossen sind die Gebäudeflügel als zweibündige Anlagen konzipiert. Die Alterswohnungen und Studios sind über einen spannungsvollen Erschliessungsraum erschlossen, der jeweils am Ende zum grosszügigen, gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsraum mit je zwei Eckloggien öffnet. Die Aufteilung der Privaträume in drei Gebäudeflügeln ermöglicht die geforderte Gruppierung von jeweils rund zehn Zimmern zu einem Pflegebereich.
Im Attika befinden sich lediglich das allgemeine Sitzungszimmer sowie der Beratungsraum, der dank seiner Lage genügend Rückzug und Diskretion gewährt. Im Erschliessungbereich, der auf eine gut gefasste, südausgerichtete Dachterrasse führt, sind zudem die Internetzugänge vorgesehen.
Die Treppenhäuser sind zusammen mit den Teamzimmern und den Wäschebereichen in den Gelenken der dreiflügeligen Anlage angeordnet und sorgen für einen übersichtlichen, effizienten und sicheren Betrieb im Alltag. Wichtige Nutzungen wie das Pflegebad, der Raum der Stille sowie der Gymnastik- und Fitnessraum sind von dieser zentralen Erschliessungshalle einfach aufzufinden. Darüber hinaus überblicken die Bewohner von hier den zentralen Südosthof und können das alltägliche Treiben auch von oben beobachten.
Neben der horizontalen Erschliessung sorgen vertikale Raumverbindungen für eine gute Orientierung und innenräumlichen Reichtum: Die zentrale, sich nach oben hin leicht öffnende Wendeltreppe durchstösst alle Geschossebenen und soll als Treff- und Angelpunkt der Anlage— neben anregenden optischen Verbindungen — die zukünftigen Bewohner zum Treppensteigen animieren. Der zweigeschossige Mehrzweckraum/Restaurant ist vom zweiten Geschoss über ein innen liegendes Fenster einsehbar, der Blick hinab erhält dadurch auch theatralische Qualitäten. Schliesslich ist auch der Raum der Stille als sakraler Ort dreigeschossig ausgebildet und durch eine Glasüberdachung in Zenitallicht getaucht.

Wohnungen
Die Dimensionen der Studios bilden das Grundmass aller privaten Räume der Bewohner. Auf diese Weise sind Umbauten beziehungsweise Nutzungsänderungen verhältnismässig einfach zu realisieren. So ist es denkbar, einen Cluster mit Alterswohnungen in einen zusätzlichen Pflegebereich umzubauen oder den Wohnungsspiegel/-grösse entsprechend der Nachfrage anzupassen. Aufgrund dieser Flexibiltät resp. des modularen Ansatzes bilden sich die 2.5- bis 3.5-Zimmerwohnungen über den Zusammenschluss von Einzimmerstudios.
Die Wohnungen und Studios sind als helle, altersgerechte, wohnliche und rollstuhlgängige Räume mit Loggien konzipiert, welche die Bewohner individuell einrichten können. Der offene Grundriss des Studios wird über Loggia und Bad gegliedert. In der Raumnische dazwischen liegt der Schlafbereich geschützt vor direkten Einblicken vom Eingang und sorgt für eine angemessene Privatsphäre der Bewohner. In den Studios privatisieren Einbauschränke vor den Loggien den Schlafbereich zusätzlich. In den grösseren Wohnungen wird die Privatsphäre dadurch geschützt, indem die Schlafräume in den am Eingangsbereich angrenzenden Raumschichten angeordnet sind.

Materialität
Mit den aussen liegenden, grossen Wohnzimmerfenstern wird die Fassade rhythmisiert und gleichzeitig auf eine beschauliche Wahrnehmungsebene geholt. Horizontale, verputzte Bänder binden den ausgreifenden Gebäudekörper zusammen und reagieren auf die Gliederung der Wohnzimmerfenster. Die Loggien sind mit gestrichenem Holz ausgefuttert und bilden zusammen mit den Holzfenstern ein privates Aussenzimmer.

Tragstruktur
Die primäre Gebäudetragstruktur, ausgebildet als konventioneller Massivbau, verspricht eine wirtschaftliche und ökonomische Erstellung. Die Aktivierung der Zimmertrennwände als tragende Elemente spielt die Fassaden für einen maximalen Lichteinfluss in die Zimmer frei. Gleichzeitig übernehmen sie als Wandscheiben den Lastabtrag auf einzelnen Stützen im Erdgeschoss oder als Konsolen den notwendigen Lasttransfer über den im Erdgeschoss zurückspringenden Fassaden.
Die Zimmertrennwände und die abschliessenden Wandelemente zum Korridor hin übernehmen zusammen mit den Erschliessungskernen auch die Stabilisierung des Gebäudes gegenüber horizontalen Einwirkungen aus Wind oder Erdbeben.
Die geringen Deckenspannweiten in den Obergeschossen sorgen für eine relativ geringe statische Ausnutzung der tragenden Wände, so dass diese kostengünstig in Mauerwerk erstellt werden können. Die zu betonierenden Bauteile können weitgehend mit nachhaltigem Recyclingbeton erstellt werden.

Haustechnikkonzept
Der externe Energiebedarf des Alterszentrums soll durch ein aktives Schliessen der Prozesskreise mittels Wärmerückgewinnung aus der Abluft (Wärmequelle ca. 20-26°C), dem Abwasser (Wärmequelle ca. 23°C) und der allfälligen zusätzlichen Eigenstromversorgung mittels gut exponierter Hybridkollektoren auf den Dächern stark reduziert werden. Die externe Energieversorgung fokussiert sich auf die Stromversorgung des EW. Erdwärmesonden decken den zusätzlichen Anergiebedarf, diese werden im Sommer mittels sanfter Kühlung der Räume mittels Fussbodenheizung regeneriert. Der anergetische Anteil der Gesamtenergieversorgung wird mit diesem Konzept stark erhöht und gleichzeitig der exergetische Anteil entsprechend reduziert.
Für die gesamtheitliche Nachhaltigkeit ist nebst dem möglichst geringen Energiebedarf bzw. Exergiebedarf auch die ökonomische Nachhaltigkeit wichtig. Mit den hochwertigen Anergiequellen, den effizienten Wärmepumpen und optionalen Hybridkollektoren auf den zur Verfügung stehenden Dachflächen können diese Vorgaben erreicht werden. Die Gebäudetechnik wird soweit möglich und sinnvoll von der Tragstruktur gelöst. Die Sanitärinstallationen werden in Vorwandsystemen geführt. Die Steigzonen sind zugänglich, sämtliche eingesetzte Materialien entsprechen den Vorgaben von Minergie-ECO.

Schallschutz
Durch die vorgeschlagene Anordnung der Zimmer im von der Seestrasse ausgehenden Immissionsüberschreitungsbereich können die Schallschutzanforderungen über folgende drei Massnahmen eingehalten werden: Die betreffenden Fassadenflächen sind von der Strasse abgewandt, Loggien werden mit schallabsorbierenden Oberflächen ausgebildet und die Lüftungsflügel sind jeweils im Schattenbereich der Lärmquelle angeordnet.

Lindenbaum

Strategischer Ansatz und Betrieb
Aus den objekt- und betriebspezifischen Anforderungen ergeben sich eine Reihe von Prämissen, die gewissermasser vor der ortsbaulichen und architektonischen Formulierung für das Projekt von Relevanz sind. Zunächst ist das die selbstverständliche Aufrechterhaltung des Heimbetriebes während der Bauphase. Diese Prämisse hat zwei Dimensionen: einerseits soll der Altbau während den Bauarbeiten der Erweiterung einwandfrei funktionieren, andererseits soll beim anschliessenden Umbau des Altbaus oder einem späteren Ersatz auch der Neubauteil autonom funktionieren. Das Projekt trägt mit einer entsprechenden Nutzungsverteilung, insbesondere den gemeinschaftlichen Erdgeschossnutzungen und der Erschliessung (Bettenlift), beiden Anforderungen Rechnung.
Eine weitere Prämisse wird in einer betrieblichen Einheit zwischen Altbau und Erweiterung gesehen, die eine hohe betriebliche Effizienz und Flexibilität ergibt. Das Projekt sieht deshalb keinen vom Altbau losgelösten Solitär sondern einen Anbau vor. Damit lassen sich die Abteilungsgrössen individuell respektive entsprechend den Anforderungen der Heimleitung einstellen und zwar zwischen kleinen Wohngruppen mit 5 bis 6 Zimmern und «grossen» Abteilungen mit 15 bis 17 Zimmern. Das Heim lässt sich so mit einem minimalen Personaleinsatz betreiben und determiniert keine weiterführenden Betriebskonzepte. Die Abteilungen sind jeweils geschossweise organisiert, was eine gute Übersichtlichkeit gewährleistet.
Ebenfalls von grosser Bedeutung hinsichtlich der strategischen Ausrichtung ist der Umgang mit dem Altbau. So besitzt der Altbau aufgrund seiner eindrücklichen Geschichte zweifellos eine grosse Bedeutung für die Identität des Heimes wie auch des Ortes. Andererseits genügt er in seiner räumlichen Struktur, die weitgehend in Abhängigkeit zur Tragstruktur steht, keineswegs mehr heutigen Ansprüchen an ein zeitgemässes Altersheim. Effektive Anpassungen würden Eingriffe verlangen, die einen Erhalt schon mittelristig in Frage stellen. Das Projekt sieht deshalb vor, den Altbau in seiner räumlichen Struktur zu belassen und einzig die im Programm erwähnten haustechnischen Erneuerungen gegebenenfalls anzugehen. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: entweder wird der Altbau unmittelbar nach Fertigstellung der Erweiterung ersetzt, oder er bleibt in seiner heutigen Form für weitere 10 bis 20 Jahre bestehen und mit minimalsten Mitteln unterhalten. Im Projekt ist auch das erste Szenario mitgedacht und entworfen worden, sodass sich auch im Falle eines kompletten Ersatzneubaus eine gute ortsbauliche und architektonische Lösung ergibt. Erste Schätzungen haben gezeigt, dass dieses Szenario in wirtschaftlicher Hinsicht Sinn machen würde.
Eine letzte Prämisse betrifft schliesslich den «Charakter» des Heims. Absicht des Projektes ist hierzu eine Art «Allrounder-Heim», das schwach determiniert und flexibel ist. Dabei geht es im Projekt nicht um eine betriebliche Spezialisierung oder Optimierung beispielsweise bezüglich Demenz-Kranken. Vielmehr soll das Heim offen sein für Menschen unterschiedlichen Alters und Gesundheitszustandes. Die Gliederung in Einheiten mit 5 bis 6 Zimmern erlaubt aber die Abtrennung einiger Zimmer für spezielle Anforderungen.

Ort und Baukörper
Die Situation am Rande des Weilers Weieren ist einzigartig. Bestimmend ist dabei der dreiseitige Anschluss an Landwirtschaftsland, welches die Parzelle gewissermassen freistellt und für das Altersheim eine sehr gute Besonnung und interessante Bezüge in die Weite ergibt. Das Volumen des Erweiterungsbaus besitzt eine einfache Gliederung, welche einerseits eine gewisse «Robustheit» in dieser offenen Situation besitzt und darüber auch in der Fernwirkung eine Klarheit aufweist, andererseits aber auch Aussenräume fasst, welche in dieser «exponierten» Lage Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner schaffen. Diesbezüglich ist auch eine vom Gebäudekörper losgelöste Gartenlaube von Bedeutung, die einen intimen Gartenraum mit dem Haus aufspannt. Die Gliederung des Baukörpers verrät zudem etwas über seine innere Organisation: das Gebäude kann nämlich auch als Konglomerat von drei Einzelhäuser gelesen werden, die jeweils eine Wohngruppe mit 5 bis 6 Zimmern pro Geschoss beherbergen.
Ähnlich dem Altbau besitzt auch der Erweiterungsbau keine Vor- und Rückseite, sondern entwickelt allseitig ein Gesicht. Hierbei sind insbesondere ausladende Vordächer von Bedeutung. Die Dreigeschossigkeit erzeugt ein interessantes Spannungsverhältnis mit dem Altbau, ohne diesen zu konkurrenzieren. Drei Geschosse erscheinen aber auch in betrieblicher Hinsicht notwendig. Die Erweiterung ist aussen mit Holz materialisiert, was wiederum zu erwähntem Verhältnis beiträgt: es wird ein ambivalenter Ausdruck zwischen «Eigenständigkeit» und einem «Nebengebäude» im Sinne eines Ökonomieteils angestrebt.

Architektur und betriebliches Konzept
Der Neubau weist eine einfache innere Organisation der Nutzungen auf: im Erdgeschoss befinden sich sämtliche gemeinschaftlichen Nutzungen, die in einer offenen, fliessenden Räumlichkeit untereinander verbunden sind. Durch ihre Lage um einen gefassten Gartenraum ergibt sich eine starker Bezug von Innen und Aussen, welcher den Bewohnern insbesondere in den warmen Jahreszeiten zugute kommt. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die drei Alterswohnungen, die mit ihrer Ausrichtung nach Osten über eine gewisse Unabhängigkeit verfügen. Im Osten befinden sich den auch deren Zugänge über einen eigenen Vorgarten. Alt- und Neubau sind im Erdgeschoss über flache Rampen intern verbunden, die aus einer Mehrhöhe im neuen Erdgeschossteil resultieren (im Altbau lediglich 2.40m!).
Mit dem Neubau wird auch ein neuer, öffentlich formulierter Eingang geschaffen und zwar im mittleren, ähnlich einem Risalit vorspringenden Gebäudeteil vom Zugangsweg aus. Daran anschliessend befindet sich eine Lobby mit Cheminee. An die Lobby angelagert ist mit einer öffenbaren Verbindung der Essraum, von wo aus die Bewohner über die Bar/ den Kiosk weiter in die Cafeteria gelangen, wo ein weiteres Chemniee Wohnqualitäten verspricht. Ebenfalls von der Lobby abgehend findet man die Verbindung in den Altbau. Die Küche befindet sich direkt neben dem Essraum ebenfalls im Erdgeschoss, ist darum gut belichtet und betrieblich gut gelegen. Die Anlieferung der Küche erfolgt über das Untergeschoss respektive eine aussen liegende Treppe mit Treppenlift. Der Neubau funktioniert auch im Falle eines Umbaus oder Ersatzes des Altbau vollumfänglich. Im Erdgeschoss des Altbaus werden die Nutzungen neu verteilt.
Die beiden Obergeschosse des Neubaus sind identisch organisiert. Nach Süden und Osten orientiert (Säntis) befinden sich je zwei Zimmerschichten, die zusammen mit seitlich respektive rückwärtig gelegenem Wohn- und Kochbereich Wohngruppen ergeben (jeweils ein Zimmer hat die Grösse eines Doppelzimmers). Die offene Erschliessungszone lässt unterschiedliche Betriebskonzepte und Abteilungsgrössen zu. Beide Wohngruppen eines Geschosses verfügen nebst dem Wohnbereich auch über einen eigenen Aussenraum nach Süden. Im Altbau wird an der räumlichen Organisation nichts verändert. Sie bildet dementsprechend eine dritte «Wohngruppe».
Die Architektur soll in ihrer räumlichen Entwicklung und Materialisierung eine hohe Wohnlichkeit vermitteln und die Bewohner mehr an eine Pension oder Gaststube und auf keinen Fall an ein Spital erinnern. Der Erschliessungbereich lädt zu «Spaziergängen» und Begegnungen im Haus ein und Fenster mit tiefen Brüstungen sollen auch sitzenden oder liegenden Bewohnern Ausblicke und Licht gewähren.

Aussenraum
Mit dem Neubau wird auch der Aussenraum neu gestaltet. Dazu wird die «Aufschüttung» um Altbau mit dem Aushubmaterial des Neubaus südseitig ergänzt, sodass eine schwellenlose Verbindung von Innen- und Aussenraum gegeben ist. Bestimmendes Element im Aussenraum ist eine Laube, die ähnlich dem bestehenden Pavillon und zusammen mit dem Gebäude einen gefassten Gartenraum aufspannt und den Bewohnern einen von der Sonne und Wind geschützten Aufenthalt im Freien gewährt. Vor dem Altbau erweitern zwei Reihen mit geschnittenen Linden die Laube. Im weiteren gliedern grosse Einzelbäume, ein Wasserbecken sowie ein Hochbeet (wo die Bewohnern «gärtnern» können) den Aussenraum.

Konstruktion und Materialisierung
Das kompakte Volumen des Neubaus wird in einer einfachen und ökonomischen Stützen-Platten-Struktur aus Ortbeton realisiert. Diese Tragstruktur folgt dem Grundsatz der Systemtrennung und ist für zukünftige Anpassungen im Grundrisslayout flexibel. Die Fassade besteht aus vorgefertigten Holzelementen mit guter Wärmedämmung. Die Innenwände werden in ökonomischer Leichtbauweise konstruiert (bspw. Gipsständerwände). Die Materialien des Innenausbau sollen einfach, robust und zweckmässig sein. Parkettböden versprechen eine hohe Wohnqualität und Behaglichkeit.
Die hohe Kompaktheit des Volumens sowie ausreichende Dämmstärken entsprechen dem Minergiestandard und versprechen einen energieffizienten Betrieb. Die Ausrichtung der Wohnräume gewährt zudem eine gute Nutung der solaren Energiegewinne.

Hinterforst