Oederlin-Areal, Urbanes Wohnen am Wasser
Obersiggenthal und Ennetbaden
Städtebaulicher Wettbewerb, 2013, 1. Preis

Das Oederlin-Areal: Eindrücke zum Ort
Auf dem heutigen Oederlin-Areal – flussabwärts am Rand von Baden gelegen – verbinden sich eindrückliche Naturidylle und morbide Industrieromantik auf symbiotische Weise – fast fühlt man sich an die eindringliche Stimmung eines Tarkovsky-Films erinnert.
Dabei ist es weniger das einzelne Gebäude, das hängen bleibt, als vielmehr die Dichte des Ensembles, bei dem die Einzelhäuser zu einem zusammenhängenden Organismus verschmelzen.

Städtebauliche Absichten

a. Städtebau und Naturraum: Bebauung zeichnet flussräumliche Morphologie nach
Prägend für das Oederlin-Areal ist der Fluss- und Talraum der Limmat, der sich an diesem Ort durch eine flache S-Bewegung auszeichnet.
Die vorgeschlagene Bebauungsstruktur zeichnet diese Bewegung nach: Während sich der Bestand, ergänzt durch ein turmartiges Gebäude, als «Knie» in den Flussraum drückt, bildet die Neu- bebauung auf dem Westareal eine nach Süden hin offene «Kehle». Der Stadtraum zeichnet den Naturraum nach.
Die Bebauungsform mit «Knie» und «Kehle» kann formal mit «Strömungsformen» verglichen wer- den: In der Strömung treibende Wasserpflanzen oder geflösstes Holz.

b. Erschliessung: Fortführung bestehender Erschliessungen strukturieren das Areal
Zwei Elemente zeichnen die Erschliessungsstruktur des Oederlin-Areals aus: Zwei Rampen, wel- che das Areal mit der Hauptstrasse verbinden, sowie die arealinterne, flussparallel verlau- fende Fabrikstrasse.
Der Entwurf knüpft an dieser Erschliessungsstruktur an, indem auf dem Westareal eine drit- te Rampe vorgeschlagen und die Fabrikstrasse fortgeführt wird. Die «dritte» Rampe ist zudem Ausgangspunkt für einen flussabwärts gehenden Uferweg.
Die neue Rampe dient nebst der Erschliessung mittels eines weiteren Durchblicks der Struk- turierung der Bebauung zur Hauptstrasse hin. Die weiter geführte Fabrikstrasse setzt die Dramaturgie räumlich gefasster und zum Fluss hin offener Situationen fort.
Diese einfache und in der Situation selbstverständliche Erschliessungsstruktur zoniert drei Bebauungsfelder auf dem Westareal.

c. Nutzung: Nutzungsmischung verzahnt Bestand und Neubauteile
Die heutige Situation auf dem Oederlin-Areal zeichnet sich durch eine vielfältige, durch- mischte (Zwischen-) Nutzung aus.
Das Konzept bestehend aus fünf Modulen ist dahingehend zu hinterfragen, ob auf dem westli- chen Arealteil ausschliesslich gewohnt werden soll oder ob auch da eine grössere Diversität denkbar ist.
Der Entwurf sieht eine Nutzungsverteilung vor, welche die heutige Durchmischung (der Zwi- schennutzung) ein Stück weit beibehält: Es soll sowohl im Bestand als auch auf dem Westareal gewohnt werden, umgekehrt sollen auch im Neubauteil – insbesondere um den ehemaligen Fabrik- hof – Gewerbenutzungen angeboten werden. Der Wohnanteil nimmt nach Westen hin sukzessive zu.

Aussenraum
Der Zugang zum Wasser ist im Raum Baden vielgestaltig und situativ. Neben linearen, Fluss begleitenden Wegen und Promenaden finden sich topografische Situationen, wo die Bebauung hart ans Ufer tritt und der Bezug zum Wasser quer über Balkone, Terrassen und kleinen Plätzen hergestellt ist. Im Areal Oederlin erhält dieser Querbezug durch die mögliche Nutzung der vorgelagerten Inseln des Kanals zusätzliches Gewicht.
Das Oederlin Areal ist eingespannt zwischen Rebhang am Musegg und Limmatraum und gegenüber- liegendem Hinterhofwald. Der landschaftsräumliche Transekt beginnt beim Wald und geht über den Rebhang Musegg, zum Goldwand-Hain, der den Wohngebäuden im Norden Halt verleiht. Die Badstrasse hat ein asymmetrisches Profil: im Norden mit einer zweireihigen Baumreihe, im Sü- den ein Trottoir mit Solitärbäumen und eingeschnittenen Öffnungen für die nach unten füh- renden Rampen zum Platzsystem auf mittlerem Niveau mit Ausblicken zum Fluss. Die Kanalinseln direkt am Wasser sind durch Stege mit dem Areal verbunden.

Wohnungen und Hochhaus

Wohnungen
Wohneigentum und Mietwohnungen sind im städtebaulichen Layout klar zoniert respektive in separaten Bauten zusammengefasst. Ausnahme bildet dabei das Gebäude 2, in dem es sowohl Eigentums- wie auch Mietwohnungen gibt. Die Mietwohnungen befinden sich oberhalb des Fabrik- platzes, wo allenfalls über die vorgeschlagene Restaurantnutzung im «Flachbau 2» Emissionen entstehen können. Aufgrund ihrer Lage bieten sich diese Wohnungen für einen Verbleib im Ei- gentum der Oederlin AG an. Die Eigentumswohnungen sind an privilegierten Lage mit Blick aufs Wasser: in den Gebäuden 1 und 2 sowie beiden Wohntürmen (A2 und Gebäude 257).
Das Projekt bietet im weiteren eine grosse Differenzierung der Wohnraumangebote. Sie rei- chen von Geschosswohnungen (Gebäude 1 und 2, Gebäude 257) über Maisonetten (Turm Baufeld A2 und Sockelgeschosse Gebäude 1 und 2) bis hin zu loftartigem Wohnen (Flachbauten 1 und 2). Während die Mehrzahl der Wohnung südorientiert ist und damit direkte Blicke auf die Limmat bietet, sind die Wohnungen in den beiden Türmen ost-west-orientiert und geben so spektakulä- re Blicke in die Weiten der Talachse frei.

Hochhaus
Die weitere, detaillierte Untersuchung hat gezeigt, dass ein städtebaulicher Akzent im «Flussknie» in Form eine höheren Gebäudes richtig ist und sich in den denkmalgeschützten Bestand zu integrieren vermag.
Die nun vorgeschlagene polygonale Grundform verweist zudem auf die formale Ausgestaltung der Gebäude 1 und 2 auf dem Baufeld A1, während umgekehrt die Flachbauten 1 und 2 am Bestand der Produktionshallen anknüpfen. Über diese Massnahmen werden Bestand und Neubauteile zu einer neuen Einheit verwoben.
Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit wurde das Hochhaus in seinem Flächenverhältnis optimiert und weist nun eine Geschossfläche von rund 450 m2 auf.

Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Lukas Burkhart, Sébastien Ressnig, Pascal Steiner

Bauherrschaft
Oederlin-West Immobilien AG, Rieden bei Baden

Landschaftsarchitekt: Schmid Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich