Wohnhaus Narzissenstrasse
Zürich-Oberstrass, 2018–
Studienauftrag auf Einladung, 2017, 1. Preis

Städtebau und Baukörper
Das Quartier Zürich-Oberstrass ist ein altes Zürcher Wohnquartier von hoher baulicher Qualität. Die unmittelbare Nachbarschaft der Narzissenstrasse zeichnet sich durch eine klein strukturierte Parzellierung und solitäre Baukörper aus. Die einfachen, verputzten Häuser sind prismatisch geschnitten, besitzen einzelne vorspringende Erker und Balkone und plastische Dachvolumen – mehrheitlich als Mansardendächer mit aufgesetztem Walm ausgebildet. Zwischen den Häusern und der Strasse bestehen schmale Vorgärten, rückwärtig finden sich intime Gartenräume mit alten Einzelbäumen.
Eine besondere Herausforderung der Aufgabe bestand in baurechtlicher Hinsicht. Die Mehrlängenregelung machte auf der schmalen Parzelle eine Volumenbildung schwierig, die sich gut in den Bestand einordnet, da bereits ab zwölf Metern Gebäudelänge zurückgestaffelt werden muss. Mit dem Projekt wird vorgeschlagen, anstelle der zukünftig zulässigen fünf Regelgeschosse nur vier Regelgeschosse zu realisieren. Damit reduziert sich der Grundabstand um einen Meter. Diese Massnahme hat zwei Vorteile: Erstens resultiert eine bessere städtebauliche Einordnung, indem der Neubau die Traufe der umliegenden Bauten übernimmt. Zweitens ergibt sich eine grössere Geschossfläche, welche erst Wohnungen mit den gewünschten Grössen zulässt.
Der vorgeschlagene Baukörper ist damit in den Grundabmessungen und der Gebäudehöhe den Häusern gegenüber der Narzissenstrasse ähnlich und ordnet sich selbstverständlich in den historischen Kontext ein. Zudem sieht das Projekt eine klassische Gliederung mit Sockel- und Dachausbildung vor. Anstelle einer Flachdachattika mit Vor- und Rücksprüngen wird ein Mansardendach vorgeschlagen, das ein einfacheres und kompakteres Dachvolumen ergibt. Zur Strasse verleiht ein Erker dem Neubau ein unverkennbares Gesicht.

Erschliessung und Aussenraum
Der Hauszugang wird wie im Bestand auf der Bergseite der Parzelle angelegt. Direkt daneben befindet sich die Tiefgarageneinfahrt, die über eine Mauer vom Hauszugang getrennt wird. Durch die bergseitige Einfahrt entsteht auf der Süd- und Westseite ein zusammenhängender Gartenraum, der von den beiden Hochparterrewohnungen genutzt werden kann. Für die oberen Wohnungen wird der Aussenraum zum Schaugarten. Zwischen Haus und Strasse wird ein quartierstypischer Vorgarten angelegt.

Grundriss und Wohnungen
Die Regelgeschosse sind als Zweispännertypologie angelegt. Beide Wohnungen sind dabei primär süd- und südwestorientiert. Gemeinsames Merkmal beider Wohnungen ist im Weiteren eine grosse Wohnhalle. Eine Wohnung ist als strassenbezogene Wohnung konzipiert, die andere als «Gartenwohnung».
In der strassenbezogenen Wohnung liegt die Wohnhalle längs zur Strasse und erfährt über einen Erker an der Narzissenstrasse eine räumliche Ausweitung. An der südwestlichen Kurzseite geht der Wohnraum über in den privaten Aussenraum, seitlich liegt die abgetrennte Küche. Über die Befensterung der Raumkanten besitzt die Wohnhalle Diagonalbezüge in die Achse der Narzissenstrasse. Unerwünschte Einblicke vom frontalen Gegenüber werden so vermieden.
In der «Gartenwohnung» entwickelt sich die Wohnhalle in die Tiefe des Gartens und öffnet sich allseitig in die Bäume. Ein Kamin an der Stirnwand bildet Flucht- und Endpunkt der Halle. Die Wohnhalle ist damit gleichsam ein grosser Wintergarten, im Sommer bei geöffneten Fenstern eine Terrasse in den Bäumen. Der Aussenraum und die Küche sind hier seitlich an der Halle angelagert. Das Haus weist damit zwei sehr spezifische Wohnungen auf, die sich je auf die unmittelbaren Aussenräume beziehen: Strasse und Garten.
Der Wohnungsspiegel wird einfach erreicht, indem zwischen den beiden Wohnungen ein Schaltzimmer besteht: so werden aus zwei 3-Zimmer-Wohnungen eine 2-Zimmer- und eine 4-Zimmer-Wohnung. Die beiden Toiletten der 3-Zimmer-Wohnung werden dabei zur Dusche der 4-Zimmer-Wohnung zusammengelegt.
Im Dachgeschoss befindet sich eine grosse 3-Zimmer-Wohnung. Sie besitzt aufgrund des Mansardendaches eine nochmals eigene Qualität und Stimmung. Auf der Gartenseite ist dem Wohnraum eine grosse Dachterrasse mit Aussenkamin vorgelagert. Vor dem Essbereich befindet sich eine weitere Terrasse. Die Wohnung wird direkt mit dem Lift erreicht. Insgesamt werden neuen Wohnungen angeboten.

Materialität und Ausdruck
Absicht hinter dem Fassadenentwurf ist eine zurückhaltende, diskrete Architektur, die eigenständig ist und gleichzeitig mit dem Kontext vermittelt. Aufgrund der vergleichsweise dichten Situation ist der Anteil an offenen und geschlossenen Fassadenteilen sorgfältig austariert: Sämtliche Fenster verfügen über Brüstungen. In den Wohnräumen sind diese tiefer als in den Nebenräumen, sodass auch im Sitzen Ausblicke bestehen.
Die Materialisierung der Fassaden ist durchwegs mineralisch. Dominant sind die quartierstypischen, farbigen Putzflächen, die über eine vertikal laufende Rillenstruktur ausgezeichnet werden. Die Brüstungen und Eckpfeiler als gliedernde Elemente im Fassadenaufbau sind in veredeltem Beton vorgesehen. Die Holz-Metall-Fenster sind aussen weiss lackiert und kontrastieren mit den dunkleren Geländer- und Handlaufelementen. Das Mansardendach ist mit mattem Blech bekleidet. Die Farbigkeit von Putz, Beton sowie Blech sind aufeinander abgestimmt und stärken so die Plastizität und Ruhe des Gebäudekörpers.

> Lageplan

Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Rabea Kalbermatten, Peter Schend, Flavio Nef

Mitarbeit Planung und Ausführung
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Architekt: Simon Cheung, Vanessa Mayer

Bauherrschaft
Schaeppi Familien AG, Zürich

Bauingenieur: Gauss & Merz AG, Geroldswil
HLS-Planer: Montical AG, Uster
Elektroplaner: Gutknecht Elektroplanung AG, Au
Bauphysiker: Raumanzug GmbH, Zürich