Wohnbebauung Baufeld WA 9
Clouth-Quartier, Köln
Projektwettbewerb, 2014, 2. Preis

Städtebau und Baukörper
Die vorgeschlagene Bebauung des Baufeldes WA9 folgt den städtebaulichen Leitgedanken des B-Planes, indem das Geviert der Baufelder WA10, WA11 und WA8 südlich mit einem Zeilenbau geschlossen wird. Der Neubau besetzt den bebaubaren Bereich über dieTiefe von 14 Metern und die vorgesehene Länge vollständig, wobei das Neubauvolumen zwei Befreiungen beansprucht: erstens sieht das Projekt vor, die bereits in der Auslobung formulierte GOK von 6.50 Metern zu beanspruchen (anstelle 5.60 Metern), zum anderen wird der Gebäudekörper um einen Metern näher an die Straße gesetzt. Diese Befreiung ist für das Projekt nicht zwingend, würde aber den straßenseitigen Vorgarten zugunsten eines großzügigeren, rückwärtigen Gartens angemessen verschmälern.
Das Neubauvolumen zeichnet sich durch zwei plastisch unterschiedlich ausformulierte Gebäudeseiten aus und reagiert so differenziert auf Straßen- und Gartenraum. Auf der Straßenseite weist das Projekt eine durchgehende Flucht auf, die durch eingezogene Südloggien im Obergeschoss und gedeckte Eingangsbereiche im Erdgeschoss mittels «vollen» und «leeren» Teilen rhythmisiert wird. Auf der Gartenseite gliedern einerseits leichte Versprünge im Grundriss wie auch Versätze in der Traufe den Baukörper und suggerieren eine Abtreppung zum Garten hin.
Wie im B-Plan vorgesehen werden zwanzig Reihenhäuser vorgeschlagen. Reihenhäuser haben gegenüber Geschosswohnungen den Vorteil, dass der südlich gelegene Zugangsbereich privatisiert bleibt und so an dieser privilegierten Stelle mehr Wohnräume und Individualzimmer möglich sind. Diese Zugangsbereiche dienen im Projekt nicht nur der Erschließung der Reihenhäuser, sondern bieten – geschützt durch niedere Vorgartenmauern und –zäune – Raum für Fahrräder und Entsorgung. Die im Volumen eingezogenen Eingänge bieten Schutz vor der Witterung.

Architektur und Wohnraum
Der Wohnaum der Reihenhäuser entwickelt sich aus einer Schnittidee. Diese sieht vor, anstelle einer konventionellen Gliederung in ein Wohn- und ein Schlafgeschoss die gemeinschaftlichen Wohnräume auf die beiden Geschosse zu verteilen und über einen Luftraum miteinander in Beziehung zu setzen. Umgekehrt finden sich auch auf beiden Geschossen Individualzimmer und Nebenräume. Der Vorteil dieser Disposition ist ein Wohnen, das sich sowohl auf die Straßen- und Südseite wie auch zum Garten hin orientiert. Der Luftraum verbindet die beiden Wohnbereiche und gibt vom Obergeschoss einen Blick in den Garten frei, umgekehrt erhält der nordseitige Wohnraum mit Küche und Essen auf Gartenniveau etwas Südlicht.
Mit der Schnittlösung in Verbindung stehen differenzierte Raumhöhen. So misst das auf dem auf Straßenniveau gelegene Entrée 2.80 Meter im Licht. Mit dem Übergang auf das minimale Hochparterre (30 Zentimeter über Straßenniveau) reduziert sich die Raumhöhe auf 2.50 Metern, bevor sie sich im Ess- und Kochraum – eine eigentliche Halle – auf minimal 4.20 Meter öffnet. Im Obergeschoss weisen sowohl die Wohnbereiche wie auch die Zimmer eine lichte Raumhöhe von 2.85 Metern auf.
Ebenfalls in Verbindung mit der Schnittlösung stehen die für den Entwurf zentralen Außenräume. Sie umfassen eine dem Wohnen vorgelagerte, über der Straße gelegene und damit geschützte Südloggia, eine dreiseitig gefasste, gartenseitige Dachterrasse sowie den eigentlichen Garten. Der Garten gliedert sich in einen gegenüber demTerrain leicht erhöhten und direkt von der Küche her zugänglichen Sitzplatz sowie den bepflanzten Gartenraum mit einerTiefe von 8.00 Metern. Die Verschiedenartigkeit und die unterschiedliche Lage dieser drei Außenräume bergen für alle Jahreszeiten und Nutzungsansprüche Qualitäten. Neben innenräumlichen Qualitäten erzeugen sie einen hohen Wohnwert.

Die Zimmer befinden sich wie bereits erwähnt ebenfalls auf beiden Geschossen, sind alle ungefähr gleich groß (14.1 bis 14.9 m2) und bieten so Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe. Es ist denkbar, dass sich in einer Familie die Kinder das Erdgeschoss teilen, während den Eltern das Obergeschoss vorbehalten bleibt. Es ist aber auch denkbar, dass das Obergeschoss einzig dem Wohnen und Arbeiten dient; in einzelnen Häusern lässt sich ein Südzimmer direkt dem Wohnen zuschlagen. Schließlich bestehen Bereiche, die nutzungsmässig nur schwach determiniert sind – wie beispielsweise die Gallerie über dem Luftraum –, wo also verschiedene Nutzweisen möglich sind, wie Spielen, Arbeiten, Bügeln usw.
Die Zimmer sind zudem so angeordnet, dass sich deren drei schalten lassen und im Planungsprozess und in der Vermarktung eine hohe Flexibilität gewährleisten. Das Projekt erlaubt Reihenhäuser mit zwei, drei, vier oder fünf Zimmer anzubieten.

Parkierung und Untergeschoss
Das Projekt sieht vor, alle privaten Stellplätze unterirdisch anzuordnen. Ein- und Ausfahrt sind einspurig an den beiden Gebäudestirnen angeordnet. Für jedes Reihenhaus ist ein Parkplatz vorgesehen, von wo aus ein direkter Zugang zum eigenen Keller besteht. Die Kellerräume bieten Raum für Wäsche, Lager und Gebäudetechnik.

Materialisierung und Konstruktion
Für die Konstruktion der Häuser wird eine konventionelle Massivbauweise vorgeschlagen. Die äußere Materialisierung spiegelt die Zweiseitigkeit des Gebäudekörpers wider. Die Straßenfassade bindet in einer Verbindung von Ziegeln und vorgehängten Betonelementen das Gebäude in den Kontext des Clouth Quartiers, aber auch der Stadt Köln ein. Ähnlich den historischen Bauten auf dem Clouth Areal werden die Betonelemente als rahmende oder verblendende Bauteile eingesetzt, während die Ziegel in den flächigen Wandteilen zur Anwendung kommen. Die Materialisierung der Straßenfassade zeigt eine große Zurückhaltung und Selbstverständlichkeit. Die Gartenfassade ist ihrer Wertigkeit entsprechend einfacher materialisiert und deshalb verputzt.

Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Lukas Burkhart, Isabel Fischer Perez-Lozao